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Expertenbeitrag

 Daniela Oppmann

Daniela Oppmann

Leiterin Business Development

Logistik 4.0 Blockchain-Technologie verstehen und Chancen erkennen

| Autor / Redakteur: Daniela Oppmann / Sebastian Hofmann

Industrial Blockchains entwickeln sich immer mehr zur Schlüsseltechnologie für Industrie 4.0. Um Supply-Chain-Prozesse revolutionieren zu können und bisherigen Geschäftsmodellen den Rang abzulaufen, mangelt es bislang jedoch an einer großflächigen Öffnung solcher Netzwerke und einer einheitlichen Definition von Standards.

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Der Einsatz der Blockchain in der Logistik ermöglicht einen schnellen und sicheren Austausch von Informationen innerhalb einer konsortialen Blockchain und letztendlich eine Kosten- und Risikoreduktion.
Der Einsatz der Blockchain in der Logistik ermöglicht einen schnellen und sicheren Austausch von Informationen innerhalb einer konsortialen Blockchain und letztendlich eine Kosten- und Risikoreduktion.
(@Sashkin - fotolia.com)

Die Blockchain ist eine transparente, webbasierte Datenbank, die – im Gegensatz zu klassischen zentralen Datenbanken – in verteilten Netzen gehalten wird. Blockchain basiert im Prinzip auf dem Leitgedanken des Web 2.0 bzw. 3.0, die dezentrale Kommunikation und Kollaboration in den Vordergrund rückten. Sie ermöglicht die sichere und transparente Abwicklung von Transaktionen ohne Intermediäre und schafft damit Vertrauen, das im digitalen Zeitalter dringend notwendig ist.

Ursprünglich als Basistechnologie für Kryptowährungen entwickelt, bietet sie den Nutzern heutzutage in sämtlichen Bereichen der nicht analogen Zusammenarbeit entscheidende Vorteile:

Authentizität und Sicherheit

Der wesentlichste Vorteil der Blockchain ist die Manipulationssicherheit der Daten. Um die zu ermöglichen, werden die Daten in Datenpaketen – sogenannten Blocks – verschlüsselt gespeichert. Jeder Akteur kann nun einen Datenblock mit Referenz auf den vorherigen Datenblock hinzufügen. Die Abfolge von Transaktionen erzeugt damit eine sichere verlinkte Kette mit kryptografischen Abhängigkeiten, was verhindert, dass in der Kette gespeicherte Daten gelöscht oder überschrieben werden können.

 

Transparenz und Verfügbarkeit der Daten

Indem jeder Akteur des Netzwerks in die Kollaborationskette eingebunden wird und Zugriff auf eine aktuelle und vollständige Spiegelung der Blockchain erhält, sind Veränderungen der Daten für alle Akteure sichtbar und lassen sich jederzeit rückverfolgen. Gleichzeitig sind die Daten durch die Replikation auf vielen Rechnern ausfallsicherer.

Einsparungspotenziale

Die Blockchain-Technologie eröffnet viele Möglichkeiten kosten- und zeiteffektiverer Geschäftsszenarien. Beispielsweise vermindert die hohe Transparenz der Daten Betrugsfälle und Fehler, gleichzeitig verringert die Manipulationssicherheit der Daten den Verwaltungsaufwand deutlich. Außerdem macht die Dezentralität Mittelsmänner bei Transaktionen überflüssig und verhindert die Bildung von Monopolen.

Blockchain und Logistik – passt das zusammen?

Der Einsatz der Blockchain in der Logistik ermöglicht einen schnellen und sicheren Austausch von Informationen innerhalb einer Industrial Blockchain und letztendlich eine Kosten- und Risikoreduktion. Die Anwendungsszenarien sind vielseitig: Sei es zur Unterstützung eines übersichtlichen Dokumentenmanagements oder – dank der hohen Revisionssicherheit – zur Vereinfachung von Tracking und Tracing. Durch die End-to-End Vernetzung aller Akteure einer Supply Chain können Verträge in Form von Smart Contracts sicher abgewickelt werden und Zahlungsprozesse entlang der Wertschöpfungskette voll automatisiert von statten gehen. Nicht weniger relevant für die Logistik ist der sichere Datenaustausch zwischen intelligenten Geräten im Trusted Internet of Things. Mit diesem Begriff wird die um die Blockchain angereicherte Version des IoT bezeichnet.

Einige Kontraktlogistiker wie Kühne & Nagel oder die Rederei Maersk evaluieren bereits den Nutzen der Blockchain-Technologie für ihre Geschäftsprozesse. Trotz solcher Pilotversuche schreitet die Etablierung der Blockchain in der Logistik aber nur sehr langsam voran.

Kein Wandel über Nacht

Schuld daran sind strukturelle Herausforderungen, die die Unterstützung kollaborativer Szenarien bislang erschweren. Zum einen fehlt ein großflächiges Partnern-Ökosystem, da sich bisher nur wenige Unternehmen finden, die Teil einer konsortialen Blockchain werden möchten. Zwar stellen wir bei SALT Solutions eine erhöhte Nachfrage von Unternehmen fest, die sich mit dem Thema Blockchain beschäftigen, jedoch besteht eine generelle Vorsicht gegenüber der „vermeintlichen“ Wundertechnologie. Und diese ist nicht ganz unbegründet. So macht es beispielsweise nicht für jedes Mitglied der Lieferkette gleich viel Sinn einer Blockchain anzugehören.

Eine weitere Herausforderung stellt der Mangel an einheitlichen Standards für Formate und Inhalte dar. Erst wenn diese definiert sind, kann jeder Teilnehmer der konsortialen Blockchain die Blöcke mit Daten anreichern und eine lückenlose und saubere Kette gewährleistet werden. Technologieanbieter wie Microsoft und SAP reagieren bereits auf den Trend und modifizieren ihre Produkte, sodass diese mit solchen Netzwerken kommunizieren können. Beispielsweise schafft SAP mit der S/4 HANA Business Suite eine Lösung, die auch logistischen Anforderungen zum Thema Blockchain gerecht wird und Zukunftsfähigkeit sicherstellt.

Über den Autor

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