Wertstromanalyse Lean und green — Symbiose statt Widerspruch

Autor / Redakteur: Thomas Troll / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Entgegen der gängigen Meinung bietet die Ausgestaltung von Lean und Green Supply Chains neben dem Umweltschutz klare Kostenvorteile. Die ganzheitliche Gestaltung von Wertschöpfungsketten verlangt jedoch eine Produkt- und Prozesssicht statt einer Bauteilesicht.

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Die Herausforderungen der Globalisierung zwingen Unternehmen, ihre Kostenstrukturen permanent zu optimieren. Dabei spielen Lohnkostenunterschiede eine große Rolle. Der hohe Kostendruck verleitet viele Unternehmen, die Produktion teilweise oder auch vollständig in sogenannte LCC-Länder (Low Cost Countries) zu verlagern. Die Praxis zeigt, dass über 80% der Projekte zur Senkung der Herstellkosten Verlagerungs- oder Sourcingprojekte sind. Hier wird nach der einfachen Abwägung von Lohnkosteneinsparung versus Transportkosten entschieden.

Daraus sind komplexere, weltweit verknüpfte Lieferstrukturen entstanden. Die Grafik auf Seite 45 zeigt eine Detailbetrachtung am Beispiel einer Komponente für ein Fahrzeugmodul und die vielen Transportkilometer, die einzelne Bestandteile bis zur endgültigen Fertigstellung des Produkts bereits zurückgelegt haben. Umweltaspekte spielen hierbei keine Rolle. Die Frage, wie viele tausende Liter Treibstoff im Laufe eines Produktlebenszyklus verbraucht werden, um beispielsweise eine Direktbelieferung großvolumiger Teile aus Osteuropa abzubilden, bleibt in der Regel unbeantwortet.

Versorgungssicherheit bedarf umfangreicher Notfallpläne

Die finanziellen Vorteile der Verlagerungen sind weithin bekannt. Bezüglich der damit verbundenen Risiken sieht es ganz anders aus: Deren Auswirkungen werden auf Führungsebene immer noch viel zu wenig diskutiert, ja teilweise vernachlässigt.

Die Risiken lassen sich in unterschiedliche Kategorien einordnen. Unter das Thema Versorgungssicherheit fallen der mögliche Abriss von Lieferketten durch Unfälle sowie immer umfangreichere Notfallpläne. Beim Stichwort Arbeitskräfte geht es um die Verfügbarkeit und Qualifikations- und damit Qualitätsfragen sowie steigende Lohnkosten.

Bei Transportkosten und Umwelt drehen sich die Risiken um steigende Treibstoffkosten, mangelnde Transportkapazitäten sowie die eventuelle Einführung einer CO2-Steuer. Zu den weiteren Risiken gehören Währungsschwankungen sowie die wachsende Anzahl an Zertifikaten und Umweltzeichen für umweltverträgliche Produktherstellung, die inzwischen in vielen Branchen eingeführt werden.

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