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KEP-Dienst Logistiker begehren auf – IG Fair KEP fordert neue Spielregeln

| Redakteur: Robert Weber

Immer wieder berichten Medien über die Arbeitsbedingungen in der KEP-Branche. Jetzt organisieren sich die Betroffenen. Die IG Fair KEP ist in den sozialen Netzwerken unterwegs und trifft sich auch zum persönlichen Austausch in ganz Deutschland. MM Logistik wollte mehr über die Interessengemeinschaft erfahren.

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(Bild: IG Fair KEP)

MM Logistik: Was ist die IG Fair KEP?

Claudia Auerbach: Wir sind eine Interessengemeinschaft von geschädigten DPD-Transportunternehmern, die sich gegen Preisdumping im KEP-Markt wehren und die Öffentlichkeit aufrütteln will, sich besser über das KEP-Geschäft und die Anbieter zu informieren. Wir wollen eine Plattform etablieren, in denen Geschädigte auf Gleichgesinnte stoßen und sich mit Anwälten austauschen können, um mögliche Ansprüche geltend zu machen.

MM Logistik: Was sind geschädigte DPD-Transportunternehmer?

Auerbach: Das sind Unternehmer, die in Fahrzeuge und Personal Geld investiert haben und denen aus heiterem Himmel der Vertrag gekündigt wurde und die nun ohne Auftraggeber Kredite bedienen müssen.

MM Logistik: Wie sind Sie persönlich betroffen?

Auerbach: Mein Mann war Subunternehmer und das ein sehr erfolgreicher. Wir haben viel in unser Unternehmen investiert und uns wurde innerhalb der Kündigungsfrist von vier Wochen der Auftrag entzogen. Eine Begründung lieferte man uns nicht. Auf Briefe reagierte das Unternehmen ebenfalls nicht. Wir haben den Verdacht, das DPD einen noch günstigeren Subunternehmer gefunden hat. Neuere Verträge werden meist mit 8 - 12 Wochen Kündigungsfrist unterschrieben. Wir können darüber hinaus Zahlen vorlegen, dass wir gut gearbeitet haben.

MM Logistik: Was muss sich in der KEP-Branche ändern?

Auerbach: Wir müssen uns von den Dumpingpreisen verabschieden. Das bedeutet aber auch, dass wir dem Konsumenten klar machen müssen, dass er uns mit seinen Retouren kaputt macht. Die Subunternehmer verdienen kein Geld mit der Rücksendung. Ganz im Gegenteil wir machen ein Verlustgeschäft. Doch schlimmer sind die Paketpreise der Großversender, da bleiben die Zusteller auf der Strecke.

MM Logistik: Wie bewerten Sie ein Siegel "Fair KEP"?

Auerbach: Es gibt keinen fairen KEP-Dienst in Deutschland. Wenn ein Siegel eingeführt wird, dann findet die Kontrolle einmal im Jahr im Rahmen eines Audits statt. Das ist nicht zielführend. Wir haben Angst, dass bei dem Siegel Fair KEP nur Kunden beruhigt werden sollen. Wichtig wäre der Druck von den Kunden, den Privatleuten. Denn nur wenn die ihr Verhalten ändern und für unser Problem sensibilisiert werden, kann sich die Branche neu aufstellen.

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>> MM Logistik ist der journalistischen Neutralität verpflichtet und hat deshalb auch bei DPD nachgefragt. Das Unternehmen schickte der Redaktion diese Stellungnahme: <<

"DPD setzt seit über 30 Jahren auf einen partnerschaftlichen Umgang mit den rund 1000 Systempartnern in Deutschland. Mit einer großen Zahl der Systempartner bestehen lange Geschäftspartnerschaften. 70 Prozent der Systempartner sind schon länger als fünf Jahre für DPD tätig, 23 % der Systempartner arbeiten sogar schon länger als 20 Jahre mit DPD zusammen.

DPD strebt mit den Systempartnern langfristige Geschäftsbeziehungen an – faire Win-Win-Situationen sind dafür eine Voraussetzung. DPD kann den eigenen wirtschaftlichen Erfolg langfristig nur sicherstellen, wenn auch der wirtschaftliche Erfolg der Systempartner sichergestellt ist. Eine gesunde wirtschaftliche Basis der Systempartner ist für DPD daher auch von eigenem Interesse. Beide Seiten sollen gemeinsam wachsen können.

Bereits im Jahr 2008 hat DPD ein Programm aufgesetzt, das faire Rahmenbedingungen für Systempartner und faire Arbeitsbedingungen für Zusteller langfristig sicherstellen soll. Allein in den Jahren 2013 und 2014 investiert DPD dafür fast 40 Millionen Euro.

Der partnerschaftlichen Ansatz von DPD wird auch von den beauftragten Transportunternehmen so wahrgenommen. In Bezug auf die Wahrnehmung von DPD als Partner wird das Unternehmen auf einer Skala von 1 (=schlecht) bis 5 (=gut) mit einem Wert von 4,0 beurteilt. Dies ergibt sich aus der jüngsten Systempartner-Umfrage: DPD befragt regelmäßig die in der Zustellung tätigen Transportunternehmer, um die Qualität der Zusammenarbeit mit den Systempartnern zu überprüfen und anhand ihrer Wünsche und Erwartungen weiter zu verbessern. Die genannten Zahlen stammen aus dem Juli 2012.

Zu Ihren Fragen:

- Wie reagiert DPD auf die Kritik der IG Fair KEP? / - Wie berechtigt ist die Kritik der IG Fair KEP? / - Aus welchen Gründen kündigen Sie Ihren Transportunternehmern? /- Wie lang sind die Kündigungsfristen und warum sind diese so ausgestaltet? /- Durch wen werden diese Transportunternehmer ersetzt?

Da DPD mit den Systempartnern langfristige Partnerschaften anstrebt, weisen wir den Vorwurf systematischer Kündigungen zurück. Im Einzelfall kann es dennoch vorkommen, dass ein Vertragsverhältnis von unserer Seite gekündigt wird, etwa weil ein Transportunternehmen die Qualitätsvorgaben von DPD dauerhaft nicht erfüllen konnte. Individuell begründen lässt sich jedoch nur der jeweilige Einzelfall. Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Details der vertraglichen Regelungen mit Systempartnern keine pauschale Auskunft erteilen möchten.

- Bieten Sie Ihren Fahrern an, Sie zu Subunternehmen zu machen?

Langjährige Zustellfahrer, die sich als Systempartner mit mehreren angestellten Zustellfahrern selbständig machen wollen, sind bei DPD willkommen, sofern es sich bei den Zustellern um unternehmerisch denkende Persönlichkeiten handelt. Da sich die Tätigkeit als Inhaber eines Transportunternehmens sehr von der Arbeit eines Zustellfahrers unterscheidet, bietet DPD unterstützende Schulungen zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen und Personalführung an. Je nach Depot übernimmt DPD die Kosten dieser Schulungen ganz oder teilweise. Außerdem unterstützt DPD im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die Systempartner wirtschaftlich durch Einkaufsrabatte und Rahmenverträge.

- Ist es zutreffend, dass Ihr Unternehmen auf Schreiben der IG KEP nicht reagiert - wenn ja, warum nicht? / - Ist Ihr Unternehmen bereit, sich mit Vertretern der IG KEP zu treffen?

Wenn DPD Einwände gegen Kündigungen bekannt werden, geht DPD diesen Einwänden nach – bei Bedarf auch vonseiten der Unternehmenszentrale. Auch gegenüber der IG Fair KEP ist DPD gesprächsbereit. Ein entsprechendes Schreiben der IG Fair KEP ist in der Unternehmenszentrale allerdings nicht bekannt. Genau klären lässt sich dies allerdings nur, wenn Adressat und Datum des jeweiligen Schreibens bekannt sind."

(ID:42304120)