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Bernd H. Hofmann ist Geschäftsführer des Schwabacher Mittelständlers Ribe, einem international aufgestellten Zulieferer mit Schwerpunkt Automobilindustrie. Ribe liefert weltweit 75% seiner etwa 3000 verschiedenen Teile an die Automobilindustrie, davon die Hälfte an OEM, die andere Hälfte an First-Tier- oder Second-Tier-Supplier (Systemlieferanten). Das Produktspektrum reicht vom einfachen Verbindungsteil bis hin zum Blindniet-Roboter, pro Jahr werden etwa 2 Mrd. Produkte gefertigt. „Die Wertschöpfung ist traditionell extrem hoch. Unsere Kunden streben eine Null-Fehler-Belieferung an, und sie wollen ein großes, breites Spektrum an Entwicklungs-Know-how“, erklärt Hofmann.
Kostendruck zwingt zur Produktionsverlagerung
Ribe fertigt und liefert nicht auf Lager, sondern auftragsbezogen just in time. Als wenn die logistische Anforderung dafür nicht Herausforderung genug wäre, kommt ein Weiters hinzu: „Wir müssen im µ-Bereich exakt fertigen. Die Wärmebehandlung muss genau definierte Eigenschaften haben zwischen Elastizität, Härte und Streckgrenze“, so der Ribe-Geschäftsführer. „Die Oberfläche muss definierte Reibwerte haben, und auch Korrosionsbeständigkeit wird natürlich absolut gefordert.“
Wegen des Kostendrucks in der „Sandwich-Position“ zwischen den Stahlherstellern auf der einen und den Automobilherstellern auf der anderen Seite hat Ribe 1996 mit der spanabhebenden Fertigung in Tschechien begonnen. Danach hat man den Werkzeugbau aufgebaut und Klein- und Mittelserien in die Slowakei verlagert.
Der zweite Schritt war, die Großserienproduktion unter Nutzung von kostengünstigen Infrastrukturen im Ausland aufzubauen. Dabei ist Schwabach — dort war anfänglich die gesamte Produktion beheimatet — immer „Center of Competence“ geblieben. „Wir sind jetzt bei etwa 70% unserer Produktionsleistung in Schwabach. Wir haben mittlerweile etwa 20% der Klein- und Mittelserien Richtung Slowakei verlagert, und die Großserienproduk-tion ist sowohl in Tschechien als auch in der Slowakei aufgebaut.“
Als zentrale Herausforderung der verteilten Produktion hat sich für Ribe der Aufbau des Fertigungs- und Qualitäts-Know-how herausgestellt. „Wir haben alle Mitarbeiter, auch wenn sie schon in diesem Segment gearbeitet haben, ein Jahr in Deutschland gehabt, um ihnen das Know-how weiterzugeben“, erklärt der Ribe-Geschäftsführer. Dabei wurden Patenschaften zwischen den Mitarbeitern in Schwabach und den ausländischen Kollegen geschlossen. In dieser Zeit wurde auch die eine oder andere Mentalitätsbarriere überwunden. „Ich glaube, es ist ein ganz entscheidender, wichtiger Punkt. Dass das Management eng mit dem dortigen lokalen Management zusammenarbeitet“, so Hofmann.
Das hauptsächliche Problem der verteilten Produktion war die hohe Kapitalbindung – lange Transportzeiten in Verbindung mit dem Anstieg der Transportkosten. Deshalb wurde dazu übergegangen, auch Großserien aus dem Ausland inzwischen direkt zu versenden. Ein weiteres Problem dabei: die Einhaltung der Liefertermine im Ausland. Nachdem man die Produktionsleistung immens gesteigert hatte, traten immer wieder riesige Rückstände auf, und Ribe war der beste Kunde von Schnellversendern.
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