Beschaffung Strategiewechsel im Einkauf

Autor / Redakteur: Christopher A. Hoeckel / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Einkaufsabteilungen entscheiden vorrangig preisorientiert. So lautete das Credo in der Vergangenheit, doch die strategische Ausrichtung wandelt sich. Denn die Frage lautet in vielen Unternehmen: Muss durch die Materialpreiserhöhungen, Lieferzeitenverlängerung und steigenden Qualitätsanforderungen das Lieferantenmanagement stärker in den Fokus des Einkaufs rücken?

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Durchschnittlich haben die Materialkosten in den unterschiedlichen Branchen im Vergleich zu den Gesamtkosten einen Anteil von 61%. Spitzenreiter ist die Baubranche mit 81%, gefolgt vom Handel mit 77% und den Automobilherstellern mit 63%. Entsprechend lag der Einkaufsfokus in den vergangenen Jahren darauf, die Materialkosten zu reduzieren.

Lieferanten müssen liefern können

Diese Situation hat sich geändert. Inzwischen kommt es durch verstärkte Nachfrage am Weltmarkt, durch bestehende oder neu entstandene oligopolistische Strukturen sowie Spekulationen im Rohmaterialbereich immer wieder zu Verfügbarkeitsproblemen bei den Lieferanten.

Dies kann zu Produktionsstillständen und in der Folge zu Auslieferverzögerungen führen. Dadurch können selbst scheinbar günstige Produkte sehr teuer werden.

Altbekannte Einkaufstaktiken wie die Androhung von Sanktionen oder die Erschließung neuer Beschaffungsquellen sind in dieser Situation nur bedingt anwendbar. Denn inzwischen sind es oftmals die Lieferanten, die darüber entscheiden, mit welchem Geschäftspartner Beziehungen aufgebaut werden und mit welchem nicht. Die Einkaufspreise kommen häufig nicht mehr als direkte Hebel in Frage.

Synergieeffekte mit den Zulieferern erlauben Kostensenkungen

Jedoch: Die wenigsten produzierenden Unternehmen beziehen ausschließlich reine Rohstoffe, sondern bereits industrielle (Vor-)Produkte. Die Lieferanten sind meistens selbst produzierende Unternehmen mit umfassenden Versorgungsketten. Optimierungspotenziale, die sich auch positiv in den Lieferantenpreisen niederschlagen, finden sich daher in der Freisetzung von Synergieeffekten zwischen Unternehmen und Zulieferern.

Auch wenn im eigenen Unternehmen und beim Lieferanten bereits schlanke Strukturen eingeführt sind: An der Schnittstelle zwischen Lieferanten und Unternehmen kommt es oft zu enormen Reibungsverlusten. Den Zulieferbetrieb als verlängerte Werkbank in die eigene Supply Chain einzubinden – ihn als Teil der eigenen Fertigung zu sehen –, birgt daher ein enormes Preisoptimierungspotenzial.

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