Flurförderzeuge

Der Hubwagen - Typen und Funktionsweise

| Autor / Redakteur: Florian Stocker / Florian Winterstein

Hubwagen gehören längst zum Standardrepertoire, wenn es um den innerbetrieblichen Transport von Paletten, Kisten oder anderen Behältern geht.
Hubwagen gehören längst zum Standardrepertoire, wenn es um den innerbetrieblichen Transport von Paletten, Kisten oder anderen Behältern geht. (Bild: ©Jürgen Fälchle - stock.adobe.com)

Der Markt bietet vielfältige Typen von Hubwagen, die je nach Anforderung sorgfältig ausgewählt werden sollten. Wir zeigen worauf es ankommt.

Nur sehr wenige Produkte schaffen es, zum Sammelbegriff für eine ganze Produktgattung zu werden. Das Tempotaschentuch gehört in diese Kategorie, genauso wie das Aspirin, das Selters-Wasser und eben: die Ameise. In vielen Betrieben tragen die eingesetzten Hubwägen herstellerunabhängig und entkoppelt vom Produkttyp den Spitznamen der kleinen Krabbler mit der großen Traglast.

Dass der Name pars pro toto für die kleinste Produktgruppe der Flurförderzeuge steht, mag auf eine gelungene Markenstrategie der Firma Jungheinrich zurückgehen. Wer beim Kauf aber nur nach einer Ameise sucht, verliert womöglich den Blick für das gesamte Angebot, das der Markt bietet. Denn die Portfolios der Hersteller sind mittlerweile so vielfältig und spezifisch wie die Anforderungen der Anwender.

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Aufbau eines Hubwagens

Aber zunächst zu den Basics: Bei Hubwagen handelt es sich in erster Linie um Flurförderzeuge, die mit oder ohne elektrischen Antrieb ausgestattet sind und Transportpaletten, Gitterboxen oder entsprechende Förderhilfsmittel auf ebenem Untergrund über meist kurze Strecken transportieren können.

Außerdem charakteristisch: Die zwei Metallzinken (Gabeln), die unter die Palette geschoben werden und in der Höhe verstellbar sind, um Paletten zum Verfrachten anzuheben. Unter den Zinken befinden sich starre Lastrollen, während auf der anderen Seite eine oder zwei lenkbare Rollen angebracht sind. Der Griff dient zum Bewegen und Lenken sowie bei antriebslosen Geräten als Hebel für eine Hydraulikpumpe, die den Hubzylinder speist. Am Griff oder in der Nähe der Lenkachse befindet sich die Bedienmöglichkeit für das Hydraulikventil (Heben/Fahren/Absenken). Elektro-Hubwagen folgen durch weitere Schaltgriffe dem Bediener.

Kriterien zur Wahl des richtigen Hubwagens

Je nach Anwendungsgebiet sollten Anwender bei der Auswahl eines Hubwagens aber durchaus differenzieren. Der Hersteller Still listet auf seiner Website die wichtigsten Grundfragen auf:

  • Welche Arten von Lasten sollen transportiert werden?
  • Welches Gewicht haben diese Lasten?
  • Sollen eine oder zwei Paletten gleichzeitig transportiert werden?
  • Welche Arbeitsgangbreiten stehen zur Verfügung?
  • Eignet sich die Oberfläche der Lagerwege für den Hubwagen?
  • In welchen Höhen muss ein- und ausgelagert werden?
  • Wie lang sind die Transportwege?
  • Ist das Fahrzeug leicht und präzise zu bedienen?
  • Ist das Fahrzeug ergonomisch so konstruiert, dass es der Bediener beschwerdefrei bedienen kann?
  • Bietet das Fahrzeug seinem Nutzer ein Höchstmaß an Sicherheit?

Je nachdem, wie die einzelnen Fragen beantwortet werden, kann im Anschluss zwischen drei verschiedenen Produktgruppen gewählt werden.

1. Handgabelhubwagen für schwere Lasten und kurze Strecken

Wenn täglich größere Warenmengen und schwere Lasten über kurze Strecken bewegt werden müssen, sind Handgabelhubwagen häufig die erste Wahl. Die Geräte haben dabei allerdings nur eine begrenzte Tragfähigkeit und sind in den meisten Fällen für Lasten mit einem Gewicht von bis zu 3.000 kg geeignet. Auch bei der Höhe sind gewisse Grenzen gesetzt: Ab 20cm ist bei den meisten Handgabelhubwägen Schluss. Durch ihre Flexibilität und Wendigkeit, sowie den Preis – Handgabelhubwagen sind teilweise schon ab circa 300 Euro zu haben – sind sie vor allem für Kommissionierarbeiten besonders geeignet.

Viele Handhubwagen sind außerdem mit einer zusätzlichen Waage ausgestattet, was zu einer zusätzlichen Vereinfachung im Alltag führt. Schließlich müssen Waren in Lager, Produktion und Versand häufig sowohl bewegt als auch gewogen werden.

Scherengabelhubwagen für die optimale Arbeitshöhe

Für Anwender, die auf die Vorteile eines Handgabelhubwagens nicht verzichten möchten, etwa aus Gründen des Gesundheitsschutzes aber größere Höhen erreichen wollen, empfiehlt sich der Einsatz eines Scherengabelhubwagens, die bis zu 80cm erreichen. Die Geräte zeichnen sich außerdem durch eine höhere Tragfähigkeit aus. Durch diese Eigenschaften sind bequemere Arbeitspositionen, aber auch flexiblere Einsatzmöglichkeiten möglich, etwa als Bereitstelltisch oder Werkbank. Damit Scherengabelhubwägen auch bei größeren Höhen ihre Stabilität behalten, werden meist zusätzliche Stützbeine eingesetzt, die ab einer bestimmten Gabelhöhe zusätzliche Sicherheit gewährleisten. Der Anhebevorgang kann dabei elektrisch oder hydraulisch erfolgen.

Elektro-Hubwagen: Wenn es schneller gehen soll

Das Grundprinzip des Elektro-Hubwagens entspricht dem des klassischen Hand-Hubwagens – ergänzt um einen Elektroantrieb. Mit Elektrohubwägen lassen sich schwere Lasten mit hoher Geschwindigkeit transportieren. In der Regel befindet sich der Motor im Bereich der Lenkachse und wird über einen Knopf oder einen Schalter an der Deichsel gesteuert. Das erleichtert zusätzlich das Rangieren in engen Bereichen. Je nach Ausführung erfolgt der Hub manuell über die Deichsel oder per Schalterdruck. Bei der Anschaffung eines elektrischen Fahrzeuges gelten die gleichen Vor- und Nachteile, die immer im Zusammenhang mit elektrischen Flurförderzeugen beachtet werden sollten. Elektrische Hubwagen bringen mehr Kraft auf und sind schneller zu bewegen. Vor allem, wenn im täglichen Betrieb Steigungen überwunden werden müssen, sind Elektrohubwagen die bevorzugte Wahl. Die Klasse der elektrischen Hubwagen teilt sich insgesamt noch einmal in zwei Untergattungen:

  • Elektro-Niederhubwagen besitzen einen elektrischen Fahrantrieb. Die Elektro-Deichsel-Gabelhubwägen werden als Mitgängerfahrzeuge eingesetzt. Das Heben der Last kann in der einfachen Ausführung handhydraulisch über die Deichsel oder auch über den elektrischen Antrieb realisiert werden.
  • Elektro-Hochhubwagen können ebenfalls als Mitgängerfahrzeug für kurze Transportwege oder als Mitfahrerfahrzeug (Elektro-Stand-/Seitsitzstapler) für längere Transportwege ausgeführt werden. Bei den Standfahrzeugen kann wieder zwischen fester und klappbarere Plattform unterschieden werden.

Risiken minimieren

Bei Hubwägen und vor allem Handhubwägen denkt man als Anwender nicht gleich an das erhöhte Sicherheitsrisiko, das von den Geräten ausgehen kann. Die Geräte mögen einfach konstruiert und optisch unscheinbar daher kommen, doch allein die Tatsache, dass mit ihnen mitunter tonnenschwere Lasten bewegt werden müssen, erfordert eine erhöhte Sensibilität für entsprechende Sicherheitsthemen.

Doch trotz der niedrigeren Zulassungshürdern im Vergleich zu Staplern zeigt die Praxis, dass auch mit Handhubwagen und Elektrohubwagen schwerwiegende Schadensereignisse auftreten können. Eine ständige Überprüfung der Sicherheit ist also auch bei diesen Geräten unbedingt empfohlen.

Basis für die Sicherheit bildet bei Hubwägen die jährliche UVV-Prüfung (Unfallverhütungsvorschrift) nach den Richtlinien der Berufsgenossenschaften. Diese sind für jede Form von Elektrohubwagen vorgeschrieben. Ein sogenannter Befähigungsnachweis, der einem Führerschein gleichzusetzen ist, ist zum Führen von elektrischen Hubwagen nicht erforderlich, da der Hubwagen nur durch einen mitgehenden Fahrer, auch Mitgänger genannt, gesteuert wird. Bei Mitgängern ist gemäß der berufsgenossenschaftlichen Verordnung § 7 Abs. 2 BGV D27 eine Unterweisung des Fahrers in der Handhabung des Hubwagens ausreichend, solange die Geräte eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h nicht überschreiten. Zusätzlich ist eine Beauftragung erforderlich, die für diese Geräte nicht schriftlich erteilt werden muss. Nichtsdestotrotz garantiert die schriftliche Form ein zusätzlich höheres Sicherheitsniveau.

Rein manuell betriebene Hubwagen gelten nach den Vorschriften der Gesetzlichen Unfallversicherung als Flurförderzeuge und unterliegen daher der Verpflichtung zur regelmäßigen Prüfung. Mindestens einmal jährlich muss diese Prüfung durch eine sachkundige Person erfolgen. Der Aufwand hält sich durch den simplen Aufbau der Geräte in engen Grenzen.

Insgesamt gilt beim Hubwageneinsatz der selbstverständliche Satz: Nur eine bestimmungsgemäße Nutzung ist gestattet. Wer einen Hubwagen führt, sollte sich der großen Verantwortung, die damit einhergeht, auch bewusst sein.

Vielfältige Gefahren

Betriebsanweisungen der Berufsgenossenschaften gehen dezidiert auf die Gefahren ein, die beim Umgang mit Hubwägen drohen und geben entsprechende Hinweise, wie ihnen vorzubeugen ist. So wird etwa das Tragen von Schutzschuhen mit Zehenschutzkappe empfohlen, um Quetschungen der Füße zu verhindern. Die tägliche Kontrolle von Hubeinrichtung, Lenkung und Laufrollen auf ihre Leichtgängigkeit gewährleistet einen reibungslosen Betrieb. Nur bei einer gleichmäßigen Belastung der Gabelzinken kann einem Umfallen der Last vorgebeugt werden. Dass die Last gleichzeitig stabil verpackt und fixiert ist, ist zusätzlich obligatorisch. Außerdem sollten Lasten nicht auf schrägen Flächen abgestellt, übereinander gestapelt, oder auf Verkehrswegen beziehungsweise vor Notausgängen abgestellt werden.

* Florian Stocker ist freier Fachjournalist in München.

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