Geisterfahrer? Hermes und Ford testen selbstfahrende Transporter

Redakteur: Peter Königsreuther

Was würden Sie sagen, wenn vor Ihrer Haustür der Hermes im Ford vorfährt – scheinbar ohne Fahrer? In London kennt man die Antwort demnächst, weil es einen Testlauf geben wird.

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Scheinbar keiner drin! Mit umgebauten Transit-Kastenwagen wollen Ford und Hermes ergründen, wie man das Transportgeschäft bis zur Haustür mit selbstfahrenden Transportern erledigen könnte.
Scheinbar keiner drin! Mit umgebauten Transit-Kastenwagen wollen Ford und Hermes ergründen, wie man das Transportgeschäft bis zur Haustür mit selbstfahrenden Transportern erledigen könnte.
(Bild: Ford)

Paketlieferungen bis an die Haustür sind Alltag: der Lieferdienst kommt, der Fahrer klingelt oder stellt das Paket an einen sicheren Ablageort. Das könnte bald etwas anders aussehen, denn Ford will nach eigener Aussage mit dem Zustelldienst Hermes die Möglichkeiten erforschen, die durch selbstfahrende Transporter gegeben sind. Diese sollen dann die sogenannte „letzte Meile“ übernehmen, heißt es weiter. Ein zweiwöchiger Praxistest in London gehört dazu.

Mit einem umgebauten Ford-Transit-Kastenwagen will man dadurch verstehen, wie sich andere Verkehrsteilnehmer angesichts eines scheinbaren Geistertransporters verhalten. Dabei möchte Ford herausfinden, wie bestehende Prozesse und menschliche Interaktionen in Verbindung mit automatisierten Fahrzeugen funktionieren. Echte Lieferfahrten bringen also nicht nur die Waren, sie bringen auch wichtige Erkenntnisse für den praktischen Einsatz.

Kein Grund, die Ghostbusters zu rufen

Keine Panik! Denn der Clou dabei ist, dass tatsächlich noch ein Mensch lenkt, weil die europäische Gesetzeslage ein wirklich fahrerloses Gefährt nicht zulässt. Das Zustellfahrzeug habe man mit allen typischen Sensoren eines vollautonomen Autos ausgestattet. Deshalb wirke es unbesetzt. Der Fahrer bleibe für Außenstehende unsichtbar.

Nicht vergessen: In der Logistik steuert der Fahrer nicht bloß sein Fahrzeug. Er ist auch bei vielen weiteren Aufgaben gefragt. Das Sortieren und Verladen von Waren kann ebenso dazugehören, wie die persönliche Übergabe von Paketen an den Empfänger oder das Wiedereinladen, falls keiner zu Hause ist.

Kommunikation zwischen Fahrzeug und Kurier

Im Gegensatz zu diesen üblichen Rollenbildern verhält sich der quasi unsichtbare Fahrer im laufenden Praxisversuch von Ford und Hermes nun völlig passiv, heißt es. Das Ausliefern übernehmen Kuriere zu Fuß. Sie können das Lieferfahrzeug über eine von Hermes entwickelte Smartphone-App anfordern und stoppen, erklären die Projektpartner. Sobald der Transporter sicher parkt, entriegeln sie per Fernzugriff die Tür zum Laderaum. Dort leiten Sprachhinweise und Monitore sie zu dem für sie vorgesehenen Paketfach. Die Interaktion zwischen Kurier und Fahrzeug im Testlauf soll Rückschlüsse liefern, wie die Geschäftsprozesse wirklich ohne Fahrer sicher ablaufen könnten.

Hermes betont, dass es das erste Unternehmen ist, dass an diesem Pilotversuch beteiligt ist. Der Zustelldienst gilt als einer der führenden Paketzusteller für Privathaushalte in Großbritannien.

Milliarden-Invest für Ford-Mobilitätsinitiative

Ford testet das Selbstfahren im Rahmen seiner Mobilitätsinitiative bereits in mehreren großen US-Städten. Bis 2025 werde der Konzern dafür rund sieben Milliarden US-Dollar in autonome Fahrzeuge investiert haben.

In Zusammenarbeit mit Argo AI, einem Experten für selbstfahrende Systeme, setzt Ford übrigens in sechs amerikanischen Metropolen Tag für Tag autonome Fahrzeuge ein. Letztes Jahr lieferten einige im Rahmen eines Wohltätigkeitsprojekts in Miami frische Lebensmittel an städtische Schulen, merkt Ford an.

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