Risikomanagement

Bevor die globale Versorgungskette reißt

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Jürgen Schreier

Podiumsdiskussion mit Barbara Hahlweg (ZDF) und hochkarätigen Managern aus der Automobil- und Zulieferindustrie über globale Trends und deren Auswirkungen auf den Automobilstandort Deutschland.
Podiumsdiskussion mit Barbara Hahlweg (ZDF) und hochkarätigen Managern aus der Automobil- und Zulieferindustrie über globale Trends und deren Auswirkungen auf den Automobilstandort Deutschland. (Bild: Schreier)

Naturkatastrophen oder politische Krisen können das Funktionieren globaler Produktionsnetzwerke mit eng getakteten Versorgungsketten beeinträchtigen. Notwendig ist deshalb ein funktionierendes Risikomanagement. Auf der Jahrestagung AKJ Automotive 2014 haben DHL und BMW ihre Konzepte vorgestellt.

Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Arbeitskämpfe oder politische Krisen: Die Auswirkungen solcher Ereignisse auf die globalen Lieferketten sind enorm. So verkaufte Toyota im Jahr 2011 erdbebenbedingt rund 500.000 Fahrzeuge weniger als im Jahr zuvor. Der Gewinn des weltgrößten Automobilherstellers brach um 75 % ein.

Noch gravierendere Folgen hatte das Erdbeben beim Wettbewerber Honda. Dort liefern knapp 460.000 weniger Automobile vom Band, was dem japanischen Hersteller einem Verlust von fast 900 Mio. Dollar bescherte.

Viele Unternehmen sind auf Supply-Chain-Störungen nicht vorbereitet

Doch viele Unternehmen sind auf solche Ereignisse kaum oder gar nicht vorbereitet. Nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens KPMG aus dem Jahr 2012 können 90 % der amerikanischen Supply-Chain-Verantwortlichen die Auswirkung einer „Störung“ auf die Lieferkette ihres Unternehmens innerhalb weniger Stunden kaum beurteilen. Nicht weniger alarmierend sind die Ergebnisse einer Studie des World Economic Forum, wonach 93 % der CEOs der weltgrößten Unternehmen auf Störungen in der Lieferkette überhaupt nicht vorbereitet sind.

Demnach seien Lieferkettenrisiken weiterhin ein aktuelles Thema, stellte Tobias Larsson, Leiter DHL Resilience 360, auf dem Jahreskongress AKJ Automotive 2014 in Saarbrücken fest. Die Veranstalter hatten dem Management von Risiken in der Supply Chain einen eigenen Tagungspunkt eingeräumt. Mit „Resilience 360“ hat Logistikgigant DHL ein Cloud-basiertes IT-Tool im Portfolio, das dem Nutzer ermöglicht, die Risiken seiner Lieferkette stets im im Auge zu behalten.

Sämtliche Gefahrenherde in der Supply Chain werden identifiziert

Das Werkzeug umfasst einerseits ein sogenanntes Risk-Assessment: eine vorausschauende Planung zur Minimierung aller Risiken in der Versorgungskette. Dabei werden sämtliche Gefahrenherde in der Supply Chain des Kunden identifiziert. Eine Visualisierung der Lieferkette deckt schließlich die relevanten Schwachstellen auf.

Im Rahmen des Incident Monitioring werden dann

  • eingetretene Störungen in Echtzeit überwacht,
  • die Wertschöpfungskette (inklusive der Transportwege), die Produktionsstätten und Zulieferer „nachverfolgt“ und
  • alternative Lieferwege geplant, bevor es zu längeren Produktionsstopps kommt.

„Der Control Tower kann in Echtzeit handeln, wenn das Risiko eingetreten ist“, so DHL-Risikoexperte Larsson. Für den nötigen Dateninput sorgen mit ihren Informationen die 480.000 DHL-Mitarbeiter rund um den Globus, außerdem externe Partner. Diese recherchieren in den Medien und sozialen Netzwerken zu risikorelevanten Entwicklungen und speisen die Informationen in das Resilience-360-System ein.

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