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Temperaturgeführte Lager Cooles Distributionszentrum spart 750.000 Transportkilometer

| Autor / Redakteur: Christian Nowak / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die russische Wirtschaft boomt. Wachstumsraten von 3 bis 4 %, riesige Öl- und Gasvorkommen sowie eine konsumfreudige Mittelschicht zeugen davon. Damit wird Russland auch für international tätige Logistikdienstleister zunehmend attraktiv. Gleichzeitig kämpfen Unternehmen dort mit großen Herausforderungen.

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(Bild: Havi Logistics)

Extreme klimatische und geografische Bedingungen, äußerst komplizierte Zollabwicklungen und eine Verkehrsinfrastruktur, die sich noch im Aufbau befindet, stellten auch Havi Logistics beim Markteintritt vor große Aufgaben. Vor genau zehn Jahren betraute McDonald’s das Unternehmen mit Hauptsitz in Duisburg mit der Distribution für die russischen Filialen.

Die Anforderungen an die Lebensmittellogistik in Russland sind komplex. Die extremen Wetterbedingungen, die enorme Weite des Landes und vor allem die ausbaufähige Infrastruktur in den ländlichen Regionen stellen spezielle Ansprüche an Logistikdienstleister.

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Strategisch kluge Standortwahl mit positiven Nebeneffekten

Teilweise liegt die Straßendichte bei nur 40 m/km² und die Qualität der Verkehrswege ist – insbesondere im wenig besiedelten östlichen Teil des Landes – mit deutschen Standards nicht zu vergleichen. Da kommt es schon vor, dass Lkw auf langen Strecken mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 40 km/h unterwegs sind oder weite Wege für Frischeprodukte wie Salat nur mit dem Flugzeug überbrückt werden können. Seit gut zehn Jahren expandiert der Lead Logistics Provider (LLP) auf dem russischen Markt – und das trotz der vielseitigen Herausforderungen äußerst erfolgreich: Mittlerweile managt Havi Logistics die komplette Supply Chain für die rund 360 McDonald’s-Filialen in Russland. Havi liefert alle in den Restaurants benötigten Produkte just in time, und das landesweit – von Kaliningrad im Nordwesten bis nach Surgut in Sibirien.

Die Strategie von Havi Logistics ist es, selbst die passende Infrastruktur für eine effiziente, kostensparende und umweltschonende Lieferkette zu schaffen. Neben einer eigenen Lkw-Flotte waren Havi hierfür vor allem strategisch klug gewählte Standorte der Distributionszentren nahe an den Restaurants wichtig. Positiver Nebeneffekt dieser Strategie: Die Transportkosten für die Belieferung der Restaurants konnten erheblich reduziert werden. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Denn in einem Land wie Russland – mit über 17 Mio. km² größtes Flächenland der Erde – sind die Transportstrecken extrem weit. Insgesamt neun Distributionszentren hat Havi seit der ersten Niederlassung in Moskau 2008 aufgebaut. Standorte des Unternehmens finden sich außerdem in Jekaterinburg, Murmansk, Kaliningrad, Sankt Petersburg, Kazan, Rostow am Don und Surgut. Von diesen Distributionszentren aus versorgen die rund 720 Mitarbeiter von Havi Logistics Russia neben den McDonald’s-Restaurants auch Tankstellenshops des norwegischen Konzerns Statoil.

Rund 17 Mio. Euro Invest in zwei temperaturgeführten Lagern

Auch aktuell baut das Unternehmen seine Präsenz in Russland weiter aus: Im Frühjahr 2013 eröffnete Havi Logistics ein neues, rund 3000 m² großes Distributionszentrum in Jekaterinburg, einer Millionenstadt am Ural. Im Juni wird dann bereits das zweite Distributionszentrum in der russischen Hauptstadt in Betrieb genommen. Allein in die beiden neuen temperaturgeführten Lager investiert das Unternehmen etwa 17 Mio. Euro. Denn der Markt für Quick-Service-Restaurants in Russland wächst, die Zahl der McDonald’s-Standorte im Land steigt rasant. Bereits 2010 waren die Kapazitäten des ersten Havi-Lagers in Moskau erschöpft.

Möglichst wenig Vortransporte durch gute Anbindung an die Infrastruktur

Bald darauf begannen die Planungen für ein zweites Distributionszentrum in der Hauptstadt. Eine Transportkosten-Optimierungsstudie ermittelte den idealen Standort für den Neubau im Südosten der Stadt.

Ausschlaggebend für die Standortwahl waren Faktoren, wie etwa die Expansionspläne von McDonald’s in der Region um Moskau für die nächsten zehn Jahre. Auch die Standorte der Lieferanten für die verschiedenen McDonald’s-Produkte gingen in die Planung mit ein. Ziel hierbei war es, die Anzahl und Transportkilometer der Vortransporte möglichst gering zu halten. Havis Standortwahl in der russischen Hauptstadt war fokussiert auf die bestmögliche Anbindung an eine bestehende Infrastruktur sowie die Möglichkeit, Produktion und Distribution möglichst nah beieinander zu haben. Und die Suche war erfolgreich: Das neue Lager, Moskau II, liegt nur wenige Kilometer vom errechneten Idealpunkt entfernt.

Von dem Distributionszentrum wird Havi Logistics ab Juni dann etwa 50 % der McDonald’s-Restaurants in der Metropolregion Moskau beliefern. Im ersten Jahr des Betriebs werden damit circa 750.000 Transportkilometer eingespart werden können. Das temperaturgeführte Lager wird dabei rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, in Betrieb sein. Über 18 Gates werden die verschiedenen Waren aller drei Temperaturbereiche – trocken, frisch und tiefgekühlt – in Mehrkammer-Lkw umgeschlagen.

Neben effizienten Lagerungs- und Transportlösungen ist auch die Nachhaltigkeit der Lagerprozesse ein wichtiges Thema bei Havi Logistics. Für das neue Distributionszentrum wurde ein durchdachtes und nachhaltiges Logistikkonzept realisiert. So ist das temperaturgeführte Lager mit umweltfreundlichen Materialien erbaut, durchgängig mit LED-Lichtern sowie einer modernen Wärmedämmung ausgestattet und verfügt über einen automatischen Freezer.

In Moskau II werden der Stromverbrauch reduziert, die Lagerungsprozesse optimiert und die Lagerkapazität erhöht. Der automatisierte Freezer, ausgestattet mit der Lagersoftware Mecalux Easy des spanischen Lagersystem-Spezialisten Mecalux, erhöht die Lagerkapazität um nahezu 40 % gegenüber der herkömmlichen Bauweise. Möglich wird dies durch Regalbediengeräte für Paletten, die in nur 1,50 m breiten Gängen Wareneingang, Anordnung und Warenabgang steuern können. Sämtliche Lagerbestände werden dabei in Echtzeit kontrolliert und aktualisiert. Das neue, 11.000 m² große Distributionszentrum fasst durch diese Optimierung und Automatisierung rund 1500 Paletten mehr als üblich. Mit Moskau II erfüllt Havi höchste Sicherheits- und Qualitätsstandards bei der Lagerung der Waren.

Modernes Distributionszentrum produziert 15 % weniger CO2

Ein weiterer positiver Effekt der modernen Bauweise: Das Distributionszentrum produziert im Schnitt circa 15 % weniger CO2 als ein Lager herkömmlicher Bauart. Havi Logistics plant indes schon weiter. In zwei Jahren wird der Logistikdienstleister in der Sonderwirtschaftszone Elabuga/Tatarstan ein weiteres strategisches Distributionszentrum in Russland eröffnen. MM

* Christian Nowak ist Regional Director Eastern Europe bei der Havi Global Logistics GmbH, 47228 Duisburg, Tel. (0 20 65) 6 95-5 41, info@havi-logistics.com

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