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Interview Den „intelligenten“ Planeten möglich machen

Advantech ist seit über 30 Jahren Experte für Fahrzeugcomputer, Industrie-PC und Anzeigenterminals in Transport, Logistik und Produktion. In Taipeh (Taiwan) hatte ich Gelegenheit, mit MC Chiang, Vice President der Advantech Service-IoT Group, und Michael Kreft, Executive Sales Director Advantech Service-IoT, zu sprechen.

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Die Zentrale von Advantech in Linkou (Taiwan), dargestellt im Dashboard des „iFactory/FEMS Factory Energy Management System“, powered by „WISE-Paas“.
Die Zentrale von Advantech in Linkou (Taiwan), dargestellt im Dashboard des „iFactory/FEMS Factory Energy Management System“, powered by „WISE-Paas“.
(Bild: Maienschein )

Zum Zeitpunkt meines Interviews am taiwanesischen Hauptsitz des inhabergeführten Unternehmens in Taipeh Mitte Januar war die Welt noch in Ordnung. Als einziger europäischer Journalist hatte ich die Gelegenheit, einer Einladung zur Advantech Service-IoT World Partner Conference 2020 zu folgen.

Das 1983 gegründete Unternehmen, in dem 2019 die deutsche DLoG zu 100 % aufgegangen ist, agiert weltweit mit über 8000 Mitarbeitern an 92 Standorten in über 27 Ländern. Natürlich geht die gegenwärtige Corona-Krise auch an Advantech nicht spurlos vorbei: Insbesondere die Niederlassung in Mailand musste wegen der Pandemie zwischenzeitlich geschlossen werden. Die Produktionen in den chinesischen Fabriken und in Taiwan laufen inzwischen aber wieder weitestgehend normal, in Taiwan wurde die Produktionskapazität kurzfristig sogar auf 120 % hochgefahren. Auch wenn nach der Corona-Krise nichts mehr so sein wird wie vorher: Advantech verfolgt einen weltweiten Wachstumskurs. Wie der aussehen kann, darüber habe ich mit den Topmanagern MC Chiang und Michael Kreft gesprochen.

Herr Chiang, wie beurteilen Sie die Entwicklung der industriellen Automatisierung in den USA, Asien und Europa und dort insbesondere in der DACH-Region?

MC Chiang: Für uns ergeben sich zurzeit große Veränderungen, die größte durch den Handelskrieg zwischen den USA und China. Was wir gesehen haben, ist, dass in den USA das Geschäft boomt. China verlagert die Produktion stark nach Ostasien. Für Europa wird mein Kollege Kreft gerne antworten.

Michael Kreft: Wir erleben in Europa eine Herausforderung. Wir sehen bereits in der Automobilbranche, die für uns eine wichtige Branche darstellt, dass gezögert wird, Investitionen zu tätigen, Projekte werden verzögert. Weil wir in unserem Portfolio aber breit aufgestellt sind und uns in vielen anderen Branchen bewegen, erwarte ich keinen wirtschaftlichen Rückgang – aber wir müssen uns ein wenig anpassen.

MC Chiang, Vice President der Advantech Service-IoT Group: „ Für uns ergeben sich zurzeit große Veränderungen, die größte durch den Handelskrieg zwischen den USA und China.“
MC Chiang, Vice President der Advantech Service-IoT Group: „ Für uns ergeben sich zurzeit große Veränderungen, die größte durch den Handelskrieg zwischen den USA und China.“
(Bild: Maienschein )

Und wie werden sich die Sektoren Logistik und insbesondere Intralogistik Ihrer Ansicht nach in den nächsten Jahren entwickeln?

Chiang: Wir haben in der Logistik einen stabilen vertikalen Markt mit verschiedenen Produktarten; das sind unsere bestehenden Märkte. Tatsächlich ist die Branche auch auf andere Lösungen angewiesen – nicht nur auf computerbasierte. Wir versuchen jetzt, daraus eine vollständige IoT-Lösung zu machen, damit verschiedene Anwendungen in vollem Umfang genutzt werden können: von der Herstellung über das Lager bis hin zu den Vertriebszentren und Filialen oder sogar bis zur „letzten Meile“, bis zur Haustür des Kunden. Dafür haben wir derzeit noch keine entsprechenden Lösungen.

Herr Chiang, in welche Bereiche ist Advantech unterteilt und welche Branche macht zurzeit am meisten Spaß?

Chiang: Das ist nicht so leicht zu sagen ... In Bezug auf die Geschäftsentwicklung im letzten Jahr haben wir uns im Gesundheitswesen und im Handel recht gut geschlagen, weil wir wichtige Großkunden gewonnen haben – nur die Logistik ist, nach einem extrem hohen Wachstum in 2018, in 2019 etwas rückläufig gewesen. Insgesamt ist die Unternehmensleistung in Ordnung, ich kann aber nicht sagen, welches der aktivste Geschäftsbereich ist. Wir arbeiten jedenfalls weiter in vier Richtungen: Gesundheitswesen, Logistik, Handel und Industrial Mobility.

Michael Kreft, Executive Sales Director Advantech Service-IoT: „Die DACH-Region ist immer noch der Kernbereich. Ich würde sagen, dass 60 % unseres europäischen Umsatzes daher stammen.“
Michael Kreft, Executive Sales Director Advantech Service-IoT: „Die DACH-Region ist immer noch der Kernbereich. Ich würde sagen, dass 60 % unseres europäischen Umsatzes daher stammen.“
(Bild: Maienschein )

Was halten Sie von der europäischen Logistikbranche, insbesondere in der DACH-Region? Ist das die am stärksten entwickelte Region oder sehen Sie einen besseren Ort, um Geschäfte zu machen?

Chiang: Natürlich sind wir immer auf der Suche nach einem „besseren Ort“. In der DACH-Region sind wir Marktführer. Aber wie ich schon sagte, müssen wir bei Advantech über den Wachstumsmotor für jeden einzelnen Sektor oder jede einzelne Vertriebsorganisation nachdenken.

Kreft: Die DACH-Region ist immer noch der Kernbereich. Ich würde sagen, dass 60 % unseres europäischen Umsatzes daher stammen. Aber wir expandieren umfassend in andere Regionen, insbesondere in die nordischen Länder sowie nach Frankreich und Großbritannien. Die DLoG war von jeher hauptsächlich im Lager zu Hause. Wie MC schon erwähnt hat, erweitern wir dieses Konzept hinsichtlich jeder Art von Intralogistikanwendungen: Wir haben Fahrzeugterminals, robuste Tablets, Industrie-PC, Monitore, Sensorik sowie Anzeige- und Kiosksysteme, die eingesetzt werden. Wir arbeiten auch an einigen neuen Flottenmanagement-Lösungen. Wir können leider noch nicht offiziell darüber sprechen, aber wir stehen kurz vor dem Abschluss einiger wirklich großer Projekte für Geräte des Flottenmanagements, die sich im Fahrzeug befinden.

Bitte geben Sie einen Überblick zu den Themen Augmented, Virtual und Mixed Reality, KI und Big Data – ist Advantech da involviert?

Chiang: An AR und VR arbeiten wir tatsächlich, wir sind dran an diesen virtuellen Realitäten. Die Ergebnisse können wir als Instrumente und Werkzeuge nutzen, um sie mit unseren Produkten zu verbinden. Und Künstliche Intelligenz ist für uns sehr wichtig. KI wird überall eingesetzt werden. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: KI ist jetzt im Gesundheitswesen sehr beliebt. Krankenhäuser und Kliniken möchten KI sehr gerne nutzen. Aber Krankenhäuser sind individuell strukturiert. Viele Häuser sagen, sie könnten Patientendaten erfassen und sammeln. Das geschieht noch nicht in vielen Ländern, weil die Patienteninformationen immer vertraulich sind. Diese Krankenhäuser, außerhalb von Taiwan, wollen bezüglich KI-Infrastrukturen mit vorne dabei sein. Unser Team unterstützt sie dabei, eine KI-Infrastruktur aufzubauen, damit sie mit der Datenaggregation beginnen können. Wir sind also beteiligt, aber wir sind keine KI-Firma.

Vielleicht passt der Begriff Wegbereiter oder Impulsgeber für Ihr Unternehmen besser?

Chiang: Unternehmen wie Intel sollten die AI-Enabler sein. Wir sind sozusagen Partner im Ökosystem. Wir sind kein Datenunternehmen, Advantech besitzt keine Daten und wird das auch künftig nicht tun. Wir haben zwar Datenerfassungsmodule, die Daten sammeln können, aber diese Daten gehören den Kunden und wir haben auch nicht die Absicht, in diesem Bereich neues Geschäft zu machen.

Wo sehen Sie Ihr größtes Potenzial? Sind es Containerterminals oder ist es die industrielle Produktion? Ist es die Intralogistik oder vielleicht doch eher der Einzelhandel?

Kreft: Die größten Chancen haben wir immer noch im Bereich Intralogistik und Produktion, wo wir bereits Marktführer bei Fahrzeugterminals in Europa sind. Aber mit unserem breiten Portfolio können wir wirklich die gesamte Intralogistik abdecken, insbesondere wenn es um Montagelinien geht. Bei Big Data benötigen Sie Spitzenrechenleistung, um die Daten zu erfassen, und Sie benötigen Sensoren. Ich würde sagen, das ist der Sektor, in dem Advantech ein sehr, sehr großes Potenzial hat. Das haben wir in unternehmens- und erfolgskritischen Anwendungen bewiesen. Jetzt können wir diese Beziehungen zu diesen Kunden nutzen und wirklich in die gesamte Lieferkette der Intralogistik einsteigen.

Was hat man sich unter dem Begriff Advantech Innovation Hub vorzustellen?

Kreft: Innovation Hub ist ein Begriff, den wir für ein Vorführcenter verwenden. Wir haben ein Demo-Center in Taipeh, eines in Shanghai und eines in den USA in Milipitas. In Deutschland haben wir auch ein Demo-Center eingerichtet und es Innovation Hub genannt, weil wir nicht nur Innovationen und Lösungen von uns selbst, sondern auch von Drittanbietern und Partnern vorstellen. Es ist ein Showroom, aber dieser Begriff ist für mich eigentlich zu eng gefasst: Wir machen dort mehr als nur Demo-Vorführungen und Sie sind herzlich eingeladen, sich das Center in Germering anzuschauen.

Ihre gemeinsame Vorstellung ist es, einen besseren Planeten zu schaffen. Wie meinen Sie das konkret?

Chiang: Ich möchte Sie da korrigieren. Unser Slogan lautet: Enabling an Intelligent Planet. Wir haben über ein halbes Jahr unternehmensweit Gespräche geführt, auch mit einer Beraterfirma, die mit uns diesen Begriff entwickelt hat. Ich weiß nicht mehr, ob es vor zehn oder fünfzehn Jahren war, als IBM den Begriff Smart Planet entwickelt hat und Japan mit einigen japanischen Terminologien und Deutschland mit anderen Begriffen herauskam – seitdem sprechen alle von einem intelligenten Planeten und von einem smarten Planeten. Wir denken, das passt wirklich perfekt zum Advantech-Business, weil wir eigentlich überall dabei sind. Aber wir sagen nicht, dass wir alleine den Planeten intelligenter machen, weil wir nicht die letzte Meile bedienen, also die Integration und Umsetzung beim Endkunden. Wir sagen stattdessen: Wir sind in der Lage, entsprechende Computing-Plattformen zu bieten, die Innovationen ermöglichen und treiben, also letztlich einen intelligenten Planeten möglich machen!

Vielen Dank für Ihre Einblicke in die Advantech-Strategie, meine Herren!

Diesen Beitrag können Sie auch in einem E-Paper aus unserem Heftarchiv nachlesen: MM Logistik Ausgabe 002 2020

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