Inventur

Drohne soll Inventur von Lagerbeständen vereinfachen

| Redakteur: Benedikt Hofmann

Die „Flybox“ wird bei ihrem Inventureinsatz von einem Linde L-Matic geführt. Drohne und Robotikgerät sind über einen Spannungswandler sowie ein sich selbst justierendes Kabel miteinander verbunden.
Die „Flybox“ wird bei ihrem Inventureinsatz von einem Linde L-Matic geführt. Drohne und Robotikgerät sind über einen Spannungswandler sowie ein sich selbst justierendes Kabel miteinander verbunden. (Bild: Linde Material Handling)

Im Rahmen der Logimat stellt Linde Material Handling den Prototypen einer Inventurdrohne vor, durch den die Inventur von Lagerbeständen in Zukunft radikal vereinfacht werden soll. Durch die Kopplung der Drohne mit einem automatisierten Hochhubwagen sind dauerhafte Energieversorgung und Ortung in der Halle garantiert.

Erst ist ein Surren zu hören, dann hebt sie ab: die cirka 50 cm große, mit sechs Rotoren, Kamera, Barcodescanner und Telemeter ausgestattete Inventurdrohne „Flybox“ von Linde robotics und Balyo. Langsam fliegt sie senkrecht vor dem Regal nach oben, macht von jedem Palettenstellplatz ein Foto, erfasst die Barcodes der gelagerten Waren. Ist die Drohne an der obersten Regalebene angelangt, bewegt sie sich gemeinsam mit dem Fahrzeug um eine Regalposition weiter nach rechts oder links, um ihren Dokumentationsprozess nun von oben nach unten fortzusetzen. Dann geht es erneut eine Position weiter und wieder nach oben – immer weiter, in Wellenformen, bis das gesamte Regal und alle dort gelagerten Paletten von der Drohne erfasst und die Informationen an den Computer übertragen sind. Dort werden sie dokumentiert und können jederzeit mithilfe einer Anwendungssoftware abgerufen werden, die am Bildschirm die Regalposition mit dazugehörigem Barcode und Foto zeigt.

„Das entscheidend Neue an der Erfindung ist, dass wir die Drohne zusammen mit einem autonomen Flurförderzeug nutzen“, sagt Tobias Zierhut, Head of Product Management Warehouse Trucks bei Linde Material Handling. Denn die „Flybox“ wird bei ihrem Inventureinsatz von einem automatisierten Linde-Hochhubwagen, dem L-Matic, geführt. Beide Geräte sind über einen Spannungswandler sowie ein sich selbst justierendes Kabel miteinander verbunden.

Kann die Drohne Kosten sparen?

Durch die Kopplung löst Linde zwei Herausforderungen, die einem breiten Einsatz von Drohnen in Lagerhallen bisher im Wege standen: Zum einen die Energieversorgung (Drohnenakkus reichen in der Regel nur rund 15 Minuten), zum anderen die Lokalisierung unter dem Hallendach ohne GPS-Empfang. Dank Geonavigation weiß das Linde-System stets genau, wo sich die Drohne befindet: Das Fahrzeug sendet die Flächenkoordinaten, die jeweilige Flughöhe ermittelt ein in der Drohne verbauter Höhensensor.

Die Drohne, die Linde Material Handling zusammen mit dem französischen Automatisierungsexperten Balyo entwickelt, soll die gesetzlich vorgeschriebenen Inventurprozesse radikal vereinfachen und Unternehmen damit wertvolle Zeit und hohe Kosten sparen. Derzeit wenden Betriebe in Deutschland Experten zufolge bis zu 8 % des inventarisierten Lagerwerts auf, um Aushilfskräfte oder eigene Mitarbeiter zu bezahlen, Formulare zu beschaffen oder Hilfsvorrichtungen bereitzuhalten. Gleichzeitig stört der manuelle Zählvorgang den Betriebsablauf und es kommt immer wieder zu Fehlern, Unfällen oder Beschädigungen an Waren und Einrichtungsgegenständen.

Markteinführung für 2018 geplant

Mit der „Flybox“ könnten diese Probleme bald alle der Vergangenheit angehören: Die Drohne soll komplett automatisiert arbeiten und die Inventur außerhalb der regulären Arbeitszeiten durchführen – nachts, am Wochenende oder an den Weihnachtsfeiertagen.

Linde Material Handling will die „Flybox“ in Zukunft als Zusatzausstattung zu seinen automatisierten Matic-Fahrzeugen anbieten. Die Drohne soll in einer rund 1,5 m × 2 m großen, unterfahrbaren Kiste ausgeliefert werden. Diese kann einfach auf den Lastarmen oder Gabelzinken eines Linde-robotics-Geräts positioniert werden, sobald die nächste Inventur ansteht. Hat die Drohne alle vorgegebenen Regalpositionen gescannt, kehrt sie zu ihrem „Landeplatz“ zurück und wartet, verstaut im Behälter, auf ihren nächsten Einsatz.

Bei der auf der Logimat vorgestellten Drohne handelt es sich um einen Prototyp. Die Markteinführung der „Flybox“ ist frühestens 2018 geplant.

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