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Expertenbeitrag

 Ludger Schuh

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INFORM GmbH

Supply Chain Management Durch integrierte Planung neue Märkte erschließen

| Autor / Redakteur: Ludger Schuh / Jonas Scherf

Ein Mangel an Integration von Vertriebs,- Produktions,- und Beschaffungsplanung sowie Vorgaben der Unternehmensführung lähmt die gesamte Supply Chain Planung. Vor allem in Zeiten von Internationalisierung oder bei einem Strategiewechsel sind übergreifende Planungsprozesse (S&OP) nötig. Sie bewirken einen Planungskonsens und synchronisieren Ziele und Aufgaben aller Beteiligten für ein optimales Ergebnis.

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Es besteht Notwendigkeit für eine integrierte Supply Chain Planung
Es besteht Notwendigkeit für eine integrierte Supply Chain Planung
(Bild: www.shutterstock.com)

„Neue alte“ Verkaufskonzepte im Consumer-Geschäft beschäftigen derzeit die Medien: Wo einst noch ausnahmslos der Online-Handel als Gefahr für den Einzelhandel deklariert wurde, gehen nun ausgerechnet die Gründer der großen Online-Shops in den persönlichen Verkauf zurück. Doch natürlich nicht gänzlich, sondern sie entwickeln eine Kombination aus „offline“ und „online“ für mehr Umsatz. Interessanterweise war das so genannte Multi-Channel-Retailing, also die Nutzung mehrerer unterschiedlicher Vertriebskanäle, eigentlich das Heilsversprechen an den stationären Handel, um dem Wettbewerb aus dem Internet zu trotzen. Nun schlägt das Online-Imperium offensichtlich zurück. Die Rolle des Einzelhandels ist langfristig gesehen aus beiden Perspektiven die gleiche: Die stationären Läden werden zum „Showroom“. Das bedeutet, dass im Geschäft lediglich getestet wird – gekauft wird online. Mit einleuchtendem Vorteil: Die Lagerung in den Filialen fällt beinahe vollständig weg. Einem Beispiel der PwC-Strategieberatung Strategy& zufolge kann ein Denim-Jeans-Geschäft so seine lagerhaltigen Hosen in der Filiale von 3.640 Stück auf 220 reduzieren. Das Bestandsmanagement in den Hauptlagerorten, aus denen die Ware verschickt wird, wird dadurch folglich komplexer.

Ein solcher Strategie-Wechsel in Unternehmen bedeutet enormen Planungsaufwand für die Supply Chain. Wessen Lieferkette nicht bereits vor einem solchen Schritt wie ein Uhrwerk läuft, wird vor immense Herausforderungen gestellt. Ebenso sind zunehmende globale Vernetzung und Individualisierung von Produkten komplexitätssteigernd für die Planung zukünftiger Verkäufe. Daher ist es heute wichtiger denn je, eine vernünftige Planung auf Basis verlässlicher Daten zu haben und alle an der Supply Chain beteiligten Teilprozesse zusammenzuführen.

Ziele kennen, Menschen zusammenbringen

Eine verlässliche Absatzplanung steht am Beginn der Planung und ist als elementarerer Bestandteil im Supply Chain Management anzusehen. Die Qualität der Absatzplanung entscheidet über die Ausschöpfung der Verkaufspotenziale, hat Einfluss auf alle Folgeprozesse und damit entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Damit das Ergebnis einer Planung aber nicht nur am Markt orientiert, sondern auch wirtschaftlich und vor allem umsetzbar ist, müssen sowohl alle Abteilungen gemeinschaftlich agieren als auch die Planung auf übergreifender Ebene strategisch stattfinden.

Obwohl dies bekannt ist, ist in vielen Branchen die Planung in „Insellösungen“ gängig. Nicht nur in der persönlichen Kommunikation fließen die Informationen über interne Grenzen hinweg spärlich, sondern auch Medienbrüche in einer IT-Landschaft verhindern einen angemessenen Informationsfluss.

Im Sinne einer integrierten Planung der gesamten internen Supply Chain gilt es nun, die Informationen von der Vertriebs- bis zur Produktionsplanung zusammenzuführen, Interdependenzen zu erkennen und Synergien zu nutzen – für eine auf Unternehmensziele ausgerichtete Supply Chain. Dazu sollten zunächst alle Teilziele bekannt sein: Der Vertrieb muss seine Umsatzpotenziale kennen, die Produktion ihre Kapazitäten, das Bestandsmanagement alle Ressourcen und die Geschäftsleitung ihre Strategie. Da jede Abteilung unterschiedliche Dinge fokussiert, sollte eine Planung auch individuelle Planungsebenen ermöglichen: Der Vertrieb plant zum Beispiel möglicherweise auf Ebene der Kundensegmente, während sich die Beschaffung auf Artikel und Artikelgruppen konzentriert.

Eine Frage der Kombination

Die Zusammenführung von planungsrelevanten Abteilungen auf einheitlichem IT-Grund und eine flexible und individuelle Planung sind für ein verlässliches Ergebnis jedoch noch nicht genug. Intelligente Algorithmen liefern einerseits zusätzlich verlässliche Prognosen, damit eine Planung letztlich nicht nur auf dem „Bauchgefühl“ der Planer basiert. Andererseits erreichen sie auch ein Gesamtoptimum durch die ganzheitliche Betrachtung und Simulation von strategischen Fragestellungen, zum Beispiel: „Wie verändert sich das Produktionsprogramm bei zusätzlicher Kapazität?“ Oder, wie im Jeans-Beispiel: „Wo müssen welche Bestände gelagert werden, wenn die tatsächliche Distribution hauptsächlich von einem zentralen Standort aus geschieht?“.

Dem Wandel entgegen

Nicht nur die großen Online-Händler, sondern Unternehmen jeglicher Größe und Branche sind gezwungen, den Anforderungen der heutigen Zeit erfolgreiche Lösungen gegenüberzustellen, um am Markt Bestand zu haben. Strategiewechsel, die Internationalisierung und zunehmend digitalisierte Prozesse gehen damit einher. Damit diese Veränderungen gelingen, ist eine integrierte, fundierte und intelligente Supply Chain Planung nötig. Eine integrierte Planung  ist hierfür zwingend notwendig. Isolierte Pläne pro Abteilung gilt es zu einer übergreifenden strategischen Planung zusammenzuführen. Algorithmen unterstützen bei der Festlegung eines optimalen Plans.

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