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RWTH Aachen Erfolgreiches Standortmanagement von Forschung und Entwicklung

| Autor / Redakteur: Sebastian Schöning, Christian Nonn und Michael Jung /

Das Ergebnis einer in Zusammenarbeit mit KPMG und dem Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen erstellten Studie brachte es auf den Punkt: Aktives Gestalten und Managen des F&E-Netzwerks wird im globalen Wettbewerb immer wichtiger. In Stuttgart werden am 13. Februar 2007 die vollständigen Studienergebnisse vorgestellt.

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Prof. Günther Schuh, RWTH Aachen: „Das Management von Forschung und Entwicklung entscheidet über den Erfolg.“ Bild: WZL
Prof. Günther Schuh, RWTH Aachen: „Das Management von Forschung und Entwicklung entscheidet über den Erfolg.“ Bild: WZL
( Archiv: Vogel Business Media )

Innovation ist das erste Stichwort, wenn es um die Frage nach den entscheidenden Faktoren zum Bestehen und zur erfolgreichen Positionierung im Wettbewerb geht. Doch Innovationen allein sind nicht ausreichend: Zukünftig werden immer mehr Standorte an der Erzeugung von Innovationen beteiligt sein. „Ein effizientes und standortübergreifendes Management von Forschung und Entwicklung (F&E) entwickelt sich zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, verdeutlicht Professor Günther Schuh von der RWTH Aachen die zukünftige Herausforderung.

Die Studie zum erfolgreichen Standortmanagement von Forschung und Entwicklung entstand im Jahr 2006 in Zusammenarbeit von KPMG und dem Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen. Im Mittelpunkt stehen die Automobilindustrie und der Maschinen- und Anlagenbau, essenzielle Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft.

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Die Studie liefert einen wesentlichen Beitrag zur optimalen Gestaltung des F&E-Standortmanagements, von der Strategie über den Standortaufbau bis hin zum täglichen Management des F&E-Netzwerks. Im Gegensatz zu zahlreichen zum Thema vorhandenen empirischen Studien wurde für diese Studie ein hybrider Ansatz aus einer quantitativen Trendanalyse und einer Erfassung von qualitativen Aussagen und detaillierten Hintergrundinformationen in Interviews ausgewählt.

Bedeutung der F&E-Standorte

Die Studie zeigt, dass die Bedeutung des standortübergreifenden Managements von Forschung und Entwicklung vor allem aufgrund der zunehmenden Zerfaserung der Wertschöpfungskette weiter zunimmt. Die befragten Unternehmen verlagern ihre F&E in den nächsten Jahren in einem höheren Maß ins Ausland als sie in Deutschland neue Kapazitäten aufbauen. Den größten Bedeutungszuwachs – gemessen an der Aufteilung des F&E-Budgets – erfahren insbesondere China sowie Osteuropa und andere asiatische Länder (Bild 1).

Die Veränderung in der Aufteilung des F&E-Budgets wird vom Anstieg des Entwicklungsaufwands aufgrund der steigenden Produktkomplexität bestimmt. Neben der Nähe zur Produktion dominieren der Kostendruck und die Marktnähe die Verlagerungsdiskussion. Kostenvorteile und die Nähe zu speziellen Märkten können in bestimmten Konstellationen Verlagerungszwänge darstellen, obgleich die Unternehmen bei der Verlagerungsdiskussion in der Mehrzahl von verschiedenen Optionen anstatt von Zwängen sprechen (Bild 2).

Kooperation oder Wettbewerb zwischen den Standorten

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen F&E-Standorten ist generell durch eine starke Kooperationskultur geprägt. Die Qualität der Kooperation wird in der Regel von den vorherrschenden Rahmenbedingungen beeinflusst: „Die Qualität der Kooperation verteilter Entwicklungsstandorte ist stark von der historischen Entwicklung abhängig. Durch Zukäufe integrierte Standorte sind meistens auf Wettbewerb eingestellt, während historisch gewachsene und aufgebaute Standorte viel gewillter sind zu kooperieren“, heißt es von Seiten des Unternehmens Rheinmetall.

Andererseits finden die Unternehmen gute Gründe, die in bestimmten Situationen für eine Wettbewerbskonstellation sprechen können. So äußerte man sich bei Dräger Safety: „Der Standortstolz in einem kompetitiven Umfeld ist eine gute Möglichkeit, um in den frühen Projektphasen hervorragende Produktkonzepte zu bekommen“.

Einheitliche Kommunikationsstandards wichtig

Einheitliche Prozessstandards tragen maßgeblich dazu bei, auch verteilte Prozesse zu managen und beispielsweise Kommunikations- und Abstimmungsprobleme zu vermeiden; dies gilt in besonderem Maße für Entwicklungsprozesse: „Die Voraussetzung für eine funktionierende verteilte Entwicklung in einer Wettbewerbssituation der Standorte sind klar definierte Prozesse und Schnittstellen“, beschreibt Continental Automotive Systems die Herausforderung.

Klare Rollendefinitionen mit transparenter Rollenbeschreibung sind für einen effizient funktionierenden Entwicklungsprozess nicht zu unterschätzen. „Genauso wie im Fußball ist es fatal, wenn fünf stürmen möchten und keiner die Verteidigung übernimmt“, ist bei Festo zu hören.

Die Studie zeigt, dass viele Faktoren signifikante Verbesserungspotenziale in allen Phasen des Standortmanagements von Forschung und Entwicklung aufweisen. Zu den Verbesserungspotenzialen gehören: Verlagerungszwänge in der Langfristperspektive betrachten, der hohen Mitarbeiterfluktuation entgegenwirken, Schwierigkeiten im Aufbau und Umgang mit Know-how-Transfer und Know-how-Schutz sinnvoll austarieren und dem insgesamt höheren Managementaufwand für effiziente, verteilte Entwicklungsprozesses proaktiv begegnen. MM

Dr.-Ing. Sebastian Schöning ist Abteilungsleiter Innovationsmanagement am WZL in in 52074 Aachen, Tel. (02 41) 8 02 73 90, Fax (02 41) 8 02 22 93, S.Schoening@wzl.rwth-aachen.de,. Dipl.-Ing. Christian Nonn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Innovationsmanagement am WZL, Tel. (02 41) 8 02 75 66, Fax (02 41) 80 62 75 66, c.nonn@wzl.rwth-aachen.de. Dipl.-Ing. Michael Jung ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Innovationsmanagement am WZL, M.Jung@wzl.rwth-aachen.de, Tel. (02 41) 8 02 73 92, Fax (02 41) 8 02 22 93. Weitere Informationen: Dr.-Ing. Sebastian Schöning, S.Schoening@wzl.rwth-aachen.de

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