Exportfinanzierung Hermes-Deckungen sollen verlässlich bleiben

Redakteur: Stéphane Itasse

München (si) – Der Bund will mit seinen Exportkreditgarantien, bekannt als Hermes-Deckungen, ein verlässlicher Partner für die deutschen Exporteure bleiben. Dies versicherte Dr. Hans-Joachim Henckel, Vorsitzender des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien, auf der Konferenz „Export Finance Germany“ in München. Die Deckungen müssten aber stets an den Bedarf angepasst werden.

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Die Vertreter von Exportunternehmen nannten auf der Konferenz vier Punkte, bei denen sie Reformbedarf sehen:

  • der mögliche Anteil ausländischer Zulieferungen soll flexibler gehandhabt werden oder – wie bei den staatlichen Exportkreditversicherern in Belgien, Dänemark oder Italien – durch die Bewertung eines „nationalen Interesses“ ersetzt werden
  • der Selbstbehalt für Unternehmen, die einen Lieferantenkredit gewähren, liegt mit 15% deutlich höher als der Selbstbehalt der Banken von 5%
  • Finanzierungen für kleinere Volumina („small tickets“) sind sehr schwer zu bekommen, auch von den Banken
  • lokale Kosten lassen sich bei Hermes nur in relativ geringem Umfang absichern.

Mehr Zulieferungen aus China sollen abgesichert werden

„Das Zulieferthema tut uns wirklich weh“, sagte Gerdpeter von Guretzky-Cornitz von der SMS Demag AG. Große Schmiedeteile beispielsweise seien heute gar nicht mehr in Deutschland, sonder nur in Rumänien oder China zu bekommen. Damit sprenge man allerdings schnell die 10%-Grenze für Zulieferungen von Staaten außerhalb der EU. Private Kreditversicherer ihrerseits würden nur das Fabrikationsrisiko decken und seien kein Ersatz für die Absicherung des Bundes.

„Der Selbstbehalt von 15% bei Lieferantenkredite und die fehlende Lösung für small tickets sind wirklich ein Problem“, erläuterte Willibald Benz, Leiter Finanzierung der Krones AG, „Bank-zu-Bank-Finanzierungen sind beim Kunden heute kaum mehr durchsetzbar.“ Zudem seien Kredite für weniger als fünf bis sechs Mio. Euro nur sehr schwer zu bekommen. „Kleine und mittlere Kredit-Größenordnungen bleiben auf der Strecke, wenn sich die Banken auf Großkredite konzentrieren“, bestätigte auch Manfred Fischer, Leiter Exportfinanzierung der DZ-Bank.

Kleinere Exportkredite schwer zu bekommen

„Wir machen schon mal eine Mio. auf Einzelfallbasis“, entgegnete Juliane Eiberger, Leiterin Exportfinanzierung bei Dresdner Kleinwort, es komme immer darauf an, welche Geschäfte die Bank insgesamt mit dem Kunden machen könne. Auch beim Ankauf Hermes-gedeckter Forderungen sei man „noch nicht am Ende“.

Nicht ganz zufrieden mit dem Engagement der Banken zeigte sich Patrick Pötschke, Director Finance an Accounting bei der Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG: „Die Banken sollten mehr Risiken in ihre Bücher nehmen und mehr Strukturierungen jenseits des Mainstreams entwickelt“, forderte er. Die Diskussion um deutsches Interesse oder deutsche Ware hingegen sei für ihn nur „nervig“ und dem Kunden nicht zu vermitteln. „Wir können kleinere Projekte schon mal in unser Risiko-Portfolio nehmen, müssen aber flexibel sein“, erläuterte Pötschke.

Wirtschaftsministerium aufgeschlossen für neue Exportabsicherungsformen

Sehr aufgeschlossen zeigte sich Dr. Henckel für Lösungen bei small tickets. „Was in Kanada seit 15 Jahren funktioniert, müsste auch bei uns funktionieren“, erläuterte der Experte des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Ebenso sei beim Ankauf Hermes-gedeckter Forderungen „noch nicht alles ausgelotet“.

Weniger Hoffnung konnte er den Exporteuren allerdings beim Selbstbehalt machen. „Wir haben den Selbstbehalt für Lieferantenkredite bereits überprüft, wenn da kein ganz dringender Bedarf aufkommt, gibt es kurzfristig wenig Chancen auf Änderung“, sagte er.

Gutachten zur Absicherung ausländischer Zulieferungen in Arbeit

Auch bei der Absicherung ausländischer Zulieferungen dürfte sich so schnell nichts ändern: Es habe schon immer Länder gegeben, die ausländische Zulieferungen flexibler gehandhabt hätten; diese Länder hätten allerdings auch eine andere Exportstruktur. Derzeit sei ein Gutachten zu den Vorteilen und Folgen einer größeren Flexibilität in dieser Frage in Arbeit. Danach müsse entschieden werden, ob der Anteil ausländischer Zulieferungen einfach erhöht werde oder ob es eine größere Reform gebe.

Äußerst skeptisch zeigte sich Dr. Henckel bei der Absicherung von lokalen Kosten. „Es gibt Länder, die eine starke Buy-National-Strategie verfolgen“, erläuterte der BMWi-Experte. Wenn der Bund in diesen Ländern die lokalen Kosten stärker als bisher absichern würde, wären die Plafonds für die Exportkreditgarantien sehr viel schneller ausgeschöpft. Die Folge: Andere Unternehmen könnten ihre Exporte in diese Länder nicht mehr über Hermes absichern.

OECD dürfte weiterhin Großteil der deutschen Exporte aufnehmen

Vor der Frage, wie angesichts der Wünsche aus der Wirtschaft die Exportkreditgarantien morgen aussehen müssen, steht laut Henkel die Frage, was deutsche Unternehmen morgen in welchen Länder exportieren werden. Dr. Henckel geht dabei davon aus, dass die OECD-Länder auch längerfristig den größten Teil der deutschen Exporte aufnehmen; heute sind es über 80%. Klassische Industrien wie der Maschinenbau würden in Deutschland gute Rahmenbedingungen vorfinden und auch künftig im Export eine tragende Rolle spielen. Dies ist für den Experten des Bundeswirtschaftsministerium eine wichtige Voraussetzung, um beispielsweise die Forderung nach der Absicherung höherer ausländischer Anteile zu bewerten.

Auch wenn über die Hermes-Deckungen vor allem Ausfuhren in Entwicklungs- und Transformationsländer abgesichert werden, wird dieses Instrument der Exportförderung laut Dr. Henckel wichtig bleiben. „Wir werden für langfristige Finanzierungen benötigt“, erläuterte er und verwies darauf, dass sich die Exportkreditgarantien bei allen Finanzkrisen der vergangenen zehn Jahre als verlässlicher Partner erwiesen hätten.

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Engagement privater Kreditversicherer muss sich noch als dauerhaft erweisen

Dr. Henckel begrüßte in diesem Zusammenhang das verstärkte Angebot der privaten Kreditversicherer und Banken bei der Exportfinanzierung. Er zeigte sich aber skeptisch, ob die Risikobereitschaft der Privatanbieter von Dauer sei. „Was wir brauchen, ist ein Krisentest, um zu sehen, ob das nachhaltig ist“, so Dr. Henckel.

Offen für eine engere Zusammenarbeit zeigte sich Dr. Gerd-Uwe Baden, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes AG. Für ihn ist es denkbar, dass private Kreditversicherer Teile von Projekten absichern, zum Beispiel die Lieferung von Maschinenteilen, während die staatlichen Exportkreditversicherer das gesamte Projekt decken. „Wir könnten die strikte Trennung von privaten und staatlichen Exportkreditversicherern aufheben, eine Kooperation ist denkbar“, warb Dr. Baden.

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