Suchen

Porträt Im ersten deutschen Containerhafen

| Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Feste soll man bekanntlich feiern, wie sie fallen. In Bremen hat BLG Logistics, deren Wurzeln bis ins Jahr 1877 zurückreichen, zusammen mit Eurogate am 4. Mai 2016 das 50-jährige Jubiläum des Containerumschlags in Deutschland gefeiert.

Firmen zum Thema

BLG Logistics schafft in den nächsten Monaten 170 neue Jobs im BLG Autoterminal Bremerhaven.
BLG Logistics schafft in den nächsten Monaten 170 neue Jobs im BLG Autoterminal Bremerhaven.
(Bild: BLG Logistics)

Die damalige Bremer Lagerhaus-Gesellschaft hatte 1966 den ersten Container auf deutschem Boden umgeschlagen. Niemand konnte auch nur ahnen, wie die „Blechkiste“ aus den USA – dort hatte sie Malcom McLean bereits zehn Jahre zuvor salonfähig gemacht – einmal den Welthandel im wahrsten Sinne „befördern“, ja sogar dominieren würde. Bremerhaven, von wo aus deutsche Auswanderer einst nach Amerika aufbrachen, sollte also erneut einen Meilenstein in der Handelsgeschichte markieren.

Heute, wo es immer stärker auf unternehmerische Kernkompetenzen ankommt, ist die BLG Logistics Group AG & Co. KG eine feste Größe in der Automobil-, Kontrakt- und Containerlogistik. In diesen drei Geschäftsbereien bietet die Unternehmensgruppe vollstufige logistische Systemdienstleistungen an. Zu den Kunden zählen die führenden Automobilhersteller ebenso wie starke Marken aus dem Handel. Rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele davon am Hauptsitz in Bremen und in Bremerhaven, übernehmen täglich die Verantwortung für die reibungslose Logistik hochwertiger Produkte. Einschließlich aller Beteiligungen bietet die Unternehmensgruppe gegenwärtig rund 18.000 Arbeitsplätze weltweit. Der Strauß der Dienstleistungen, die BLG anbietet, ist dabei bunt gemischt: Das reicht von der Beschaffungs- und Transportlogistik über produktionslogistische Themenstellungen, den Umschlag und die Distribution bis hin zur Rückführungslogistik bei Retouren sowie Reklamationen und endet nicht zuletzt bei bedarfsgerechten Value-Added Services.

Mehrwert optimiert die Supply Chain

Vielfalt hat für Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender bei BLG Logistics, System. „Mit drei operativen Geschäftsbereichen – Container, Automobile und Contract – bieten wir ein umfangreiches Dienstleistungsportfolio. So können wir uns auf vielfältige Kundenwünsche einstellen und entwickeln darauf basierend individuell zugeschnittene logistische Lösungen. Damit bieten wir unseren Kunden Mehrwerte bei der Supply-Chain-Optimierung und im Rahmen der Digitalisierung“, so Dreeke.

Der Geschäftsbereich „Automobile“ integriert alle Dienstleistungen der Fahrzeuglogistik. Neben Umschlag, Lagerung und technischer Aufbereitung in den Terminals an der See, an großen Flüssen und im Binnenland werden Speditions- und Transportdienstleistungen per Schiene, Straße, Binnen- und Küstenschiff sowie technische Dienstleistungen angeboten. Mit 6,3 Mio. im Jahr 2016 umgeschlagenen, transportierten oder technisch bearbeiteten Fahrzeugen ist BLG Logistics einer der führenden Automobillogistiker in Europa.

Die Leistungspakete im Geschäftsbereich Kontraktlogistik umfassen die Steuerung und Kontrolle aller Material-, Waren- und Datenströme. Dabei ist dieser Geschäftsbereich auf die Leistungsfelder Autoteilelogistik, Industrie- und Produktionslogistik, Handels- und Distributionslogistik spezialisiert. Aber auch konventionelle Verkehre sowie Kühl- und Tiefkühllogistik sind unter dem Dach „Contract“ konzentriert. 2015 hat BLG mit dem Aufbau des Geschäftsfelds Fashionlogistik begonnen und ein besonderer Schwerpunkt liegt sei 2016 auf dem Ausbau des Geschäftsfelds Spedition.

Im Geschäftsfeld „Container“ ist Eurogate, ein Joint Venture mit dem Hamburger Logistikkonzern Eurokai KGaA, der führende, reedereiunabhängige Containerterminal-Betreiber in Europa. Das Eurogate-Terminalnetzwerk umfasst die Standorte Bremerhaven, Hamburg, Wilhelmshaven, Lissabon (Portugal), Gioia Tauro, La Spezia, Ravenna, Salerno, Cagliari (alle Italien), Tanger (Marokko), Ust-Luga (Russland) und Limassol (Zypern).

Exoskelette in der Erprobung

Schon 2014 hat BLG an seinem Handelslogistikstandort Frankfurt am Main ein robotergestütztes Logistikkonzept mit den Namen „Treffpunkt Stargate – Logistik an der Schnittstelle von Mensch und Roboter“ eingeführt. G-Com nennt sich die Technologie, die die Intralogistik im Frankfurter Logistikcenter revolutioniert hat und mithilfe derer BLG auf 4500 m² Hallenfläche die Retouren für den Kunden Engelbert Strauss abwickelt. Das System, für das BLG gemeinsam mit seinem Kunden 2015 den Deutschen und 2016 den Europäischen Logistikpreis erhalten hat, basiert auf der Grundidee eines mobilen Kommissionierlagers. Vollautomatisch werden dort die Regale zu einer multifunktionalen Pick-Station gebracht, die Regale kommen also zu den Mitarbeitern.

Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten Forschungsprojekts beschäftigt sich BLG aktuell mit dem Einsatz von mobilen, kraftunterstützenden Systemen für Güterumschlag und Logistikketten, sogenannten Exoskeletten. In der Versorgungskette der Produktion ist das Kommissionieren von schweren Bauteilen ein Beispiel für Tätigkeiten, die so unterstützt werden können. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Künstliche Intelligenz und der Youse GmbH hat es sich BLG daher zur Aufgabe gemacht, ein praxistaugliches, kraftunterstützendes System für die Logistik zu konzipieren.

Neben Forschungs- und Entwicklungsprojekten setzt BLG Logistics auf schnelle Umsetzungsmöglichkeiten marktreifer Technologien. Am Standort Emmerich übernehmen vier eigens zu Drohnenpiloten ausgebildete Mitarbeiter mit Unterstützung ihrer fliegenden Kamera die Inventur.

Hier gibt's weitere Beiträge zu BLG Logistics!

(ID:45154102)