Der Güterverkehr in Deutschland wächst seit Jahren – und mit ihm die Komplexität der Infrastruktur, die ihn trägt. Paket-, Express- und Kurierdienste (KEP) bewegen Milliarden von Sendungen jährlich, Speditionen betreiben weitläufige Hochregallager mit automatisierten Fördersystemen und immer mehr Unternehmen setzen auf Same-Day-Delivery und engmaschige Lieferketten.
Nicht nur in Logistikzentren sind integrierte Schutzkonzepte unabdingbar.
Was dabei oft unterschätzt wird: Mit wachsender Automatisierung und steigendem Umschlagvolumen steigt auch die Risikobelastung des Unternehmens erheblich. Bestimmte Logistikimmobilien können zur Kritischen Infrastruktur zählen, sofern sie wesentliche Funktionen für Transport, Lagerung oder Versorgung erfüllen. Ein Ausfall betrifft damit nicht nur den Betreiber und die nachgelagerte Lieferkette, sondern kann im schlimmsten Fall auch Teile der Kritischen Infrastruktur beeinträchtigen. Entsprechend müssen betroffene Logistikunternehmen die Anforderungen des KRITIS-Dachgesetzes erfüllen und geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur Resilienz ihrer Anlagen und Prozesse umsetzen.
Hohe Brandlast, komplexe Anlagen – Brandschutz als Daueraufgabe
Brände in Logistikzentren gehören zu den folgenreichsten Schadensereignissen der Branche, nicht nur aufgrund der direkten Sachschäden, sondern aufgrund von Betriebsunterbrechungen, die Monate dauern können. Die Ursachen sind bekannt: elektrische Defekte an Förder- und Sortieranlagen, Lithium-Ionen-Akkus in Sendungen, unsachgemäße Abfallentsorgung, Wartungsfehler. Hinzu kommt eine strukturell hohe Brandlast: unterschiedlichste Verpackungsmaterialien, Folien und Kartonagen sowie in Hochregallagern dicht gestapelte Palettenwaren. Diese erzeugen im Brandfall eine Dynamik, die mit herkömmlicher Löschtechnik nur zum Teil zu beherrschen ist.
Wirksamer Brandschutz muss deshalb früh ansetzen. Brandmeldeanlagen und linienförmige Wärmemelder, die bereits schwelende Entstehungsbrände erkennen, bevor sie sich ausbreiten. Bei letzterem handelt es sich um ein Sensorkabel, das durch kontinuierliche Überwachung eine Änderung in der Umgebungstemperatur wahrnimmt und das, bevor eine Brandsituation entsteht. Automatisierte Alarmierung und klar definierte Eskalationsprozesse sind in diesem Zusammenhang genauso entscheidend wie die Einbindung des Brandschutzkonzepts in den laufenden Betrieb. So bieten Anlagen, die nur während der Kernarbeitszeiten aktiv überwacht werden, keinen vollständigen Schutz. In Hochregallagern mit mehrstöckigen Regalgassen und Schmalgangstaplern kommt eine weitere Dimension hinzu: Im Brandfall sind Evakuierungswege eng und manuelle Interventionen stoßen schnell an Grenzen.
Einbruch und Diebstahl an Logistikstandorten im Visier
Logistikzentren sind attraktive Ziele für organisierte Kriminalität. Das gilt sowohl für Paketdepots mit schnell wechselnden, schwer überprüfbaren Sendungen als auch für Speditionslager mit hochwertigen Palettenwaren – Elektronik, Pharmaprodukte, Konsumgüter. Der Grund sind oftmals weitläufige Grundstücke, zahlreiche Tore und Laderampen, ein permanenter Wechsel von Berufskraftfahrern und Subunternehmern. Dieser Mix schafft Angriffsflächen, die mechanische Sicherung allein nicht schließen kann.
Typische Szenarien sind das unbefugte Eindringen in Nacht- und Randzeiten, der Diebstahl ganzer Transporteinheiten oder die gezielte Manipulation an Toren und Schleusen. Hinzu kommt ein Risiko, das häufig unterschätzt wird, nämlich der sogenannte „warme Einbruch“ – also Diebstahl durch Personal oder Lieferanten, der im normalen Betriebstrubel kaum auffällt. Ein belastbares Schutzkonzept muss daher mehrere Ebenen verbinden. Von der mechanischen Barriere, elektronischen Zugangskontrolle über intelligente Videoanalyse und klare organisatorische Prozesse. Die Range reicht vom Fahrerprotokoll bis zur Zutrittsvergabe.
Vernetzte Sicherheit statt isolierter Systeme
Klassische Sicherheitsanlagen, die autark funktionieren und im Alarmfall lediglich eine lokale Signalwirkung entfalten, sind für die Anforderungen moderner Logistikstandorte nicht mehr ausreichend. Entscheidend ist die Vernetzung unterschiedlicher Systeme – Brandmeldung, Einbruchschutz, Videoüberwachung und Zugangskontrolle – zu einem integrierten Sicherheitskonzept, das permanent ausgewertet wird.
Chubb Deutschland bietet mit seinen Connected Services genau diesen Ansatz: Alle sicherheitstechnischen Anlagen eines Standorts können auf die eigene, VdS-zertifizierte Notruf- und Serviceleitstelle in Dresden aufgeschaltet und rund um die Uhr durch geschulte Disponenten überwacht werden. Eingehende Meldungen werden dabei nicht automatisch weitergeleitet, sondern zunächst durch geschulte Mitarbeitende visuell verifiziert – ein Vorteil, der Fehlalarme erheblich reduzieren und Einsatzkräfte bei kritischen Ereignissen gezielter alarmieren kann. Auf Basis vorab definierter Interventionspläne wird dann entschieden, ob ein Wachdienst, eine interne Kontaktperson, die Polizei oder die Feuerwehr informiert wird. Alle Schritte werden sekundengenau protokolliert.
Für Logistikbetreiber mit mehreren Standorten bietet das Konzept einen weiteren praktischen Vorteil, denn bereits bestehende Gefahrenmeldetechnik unterschiedlicher Hersteller lässt sich integrieren, neue Standorte können einfach angebunden werden. Das Ergebnis ist ein skalierbares Sicherheitsnetz, das mit dem Unternehmen wächst – ohne dass an jedem Standort eigene Leitstellenkapazitäten aufgebaut werden müssen.
Stand: 08.12.2025
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Fernsteuerung, Videoguarding, Dokumentation – der operative Mehrwert im Alltag
Gerade in der Praxis zeigt sich, wo vernetzte Sicherheitslösungen ihren Wert beweisen. Alarmanlagen lassen sich bei Personalwechseln, Schichtverzögerungen oder außerplanmäßigen Betriebszeiten remote scharf oder unscharf schalten – ohne dass jemand vor Ort sein muss. Virtuelle Kontrollgänge per Videoguarding ersetzen in Randzeiten den physischen Wachschutz, ohne das Sicherheitsniveau zu senken. Überfallmeldesysteme und videobasierte Begleitservices erhöhen zudem die Sicherheit für Mitarbeitende und Lkw-Fahrer, insbesondere bei Nachtanlieferungen oder in schlecht einsehbaren Arealen.
Und ein Aspekt, nämlich die lückenlose Ereignisdokumentation, gewinnt in der Branche zunehmend an Bedeutung. So fordern Versicherer im Schadenfall belastbare Nachweise über Alarmierung und Interventionsmaßnahmen. Detaillierte Protokolle aus einer professionellen und zertifizierten Leitstelle erfüllen diese Anforderung – und können im Zweifel über die Regulierung eines Schadens entscheiden. Resümierend bleibt festzuhalten, dass die Sicherheit in der Logistik längst kein reines Compliance-Thema mehr ist, denn in einer Branche, die auf Verlässlichkeit und Liefertreue angewiesen ist, wird effektiver Schutz vor Brand, Einbruch und Sabotage zum operativen Erfolgsfaktor. Wer Risiken frühzeitig erkennt, schnell reagiert und Ereignisse nachvollziehbar dokumentiert, schützt nicht nur Gebäude und Waren – sondern die Lieferfähigkeit selbst.
(* Sonja Ewers ist Director Marketing & Communications DACH bei der Chubb Deutschland GmbH in 22419 Hamburg, Tel. +49-40-61161145, sonja.ewers@chubbfs.com)