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Expertenbeitrag

Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Chefredakteur

AR/VR/Robotics PTC nimmt komplexe Logistikprozesse ins Visier

Vernetzte Produkte verändern den Wettbewerb. Das Internet der Dinge (IoT) und die digitale Transformation beeinflussen die Logistik disruptiv. Auf der Fachkonferenz Liveworx 18 gab das Softwarehaus PTC aus Needham (USA) Einblicke in künftige Arbeitswelten. Im Januar wird PTC seine neue Zentrale im Bostoner Seaport eröffnen.

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Die Keynote Sessions der Liveworx18 im Boston Convention and Exhibition Center (BCEC) fanden in der Main Hall (im Hintergrund der Ausstellung) statt.
Die Keynote Sessions der Liveworx18 im Boston Convention and Exhibition Center (BCEC) fanden in der Main Hall (im Hintergrund der Ausstellung) statt.
(Bild: Maienschein)

Smart Manufacturing, 3D-Druck, Analysesoftware, Augmented, Virtual und Mixed Reality – all diese Technologien haben das Potenzial, die reale (physische) und die digitale Welt einander anzunähern, und bergen gleichzeitig doch großes disruptives Potenzial in sich. Die Komplexität der Produktentwicklung und angrenzender Bereiche, insbesondere der Intralogistik, nimmt von Jahr zu Jahr zu.

IoT wird CAD den Rang ablaufen

Im deutschsprachigen Markt war die Ausrichtung des Softwareanbieters PTC in der Vergangenheit klar auf Branchen wie Automotive, Life Science und Prozessindustrie zugeschnitten. Stephan Ellenrieder, Senior Vice President Zentraleuropa sowie Geschäftsführer Deutschland bei PTC, sieht im DACH-Raum das Thema Augmented Reality immens wachsen. „Hatten wir im letzten Jahr Product-Lifecycle-Management als stärkstes Segment, wird im nächsten Fiskaljahr das Thema IoT dem CAD-Umsatz den Rang ablaufen“, so Ellenrieder.

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Das größte Business-Potenzial hat seiner Einschätzung nach die Serviceoptimierung: den Servicetechnikern nach dem Motto „Ich sehe, was Du siehst“ die Chance zu geben, entweder Fehler gleich selbst zu beheben oder, wenn die „Service-Kavallerie“ ausrücken muss, mit den richtigen Ersatzteilen vor Ort zu sein. „Sie machen sich keine Vorstellung davon, wie oft in der Nutzfahrzeugbranche Servicefachkräfte ausrücken. Die fahren 500 km und weiter an den liegen gebliebenen Lkw heran und stellen dann fest, dass sie genau das Teil, was sie jetzt brauchen, nicht dabei haben“, so Ellenrieder. In solchen Fällen sei der vorherige Einsatz eines Handhelds oder einer Datenbrille natürlich von Vorteil.

Wachstum in der Logistik

Ein neues Wachstumsfeld hat sich PTC jüngst bei logistischen Prozessen im Einzelhandel, bei Schuhen oder in der Bekleidungsindustrie eröffnet. Adidas, Nike oder C&A hätten wie ein Produkthersteller die Notwendigkeit, ihre Komplexität zu beherrschen – und Komplexität bei einem Bekleidungshersteller sei eben die Supply Chain. „Das können Sie mit einem Werkzeug wie Windchill in der Ausprägung ‚FlexPLM‘, so heißt unsere Lösung, genauso abdecken“, erklärt der Deutschland-Geschäftsführer. Hinzu kämen auch hier Themen wie AR und der Additive-Manufacturing-Gedanke. Nike und Adidas hätten die Vision, dass Kunden zuhause ihren Laufschuh konfigurieren, mit dem Datenstick in den nächsten Store gehen und ihr Produkt dort in 3D ausdrucken.

Zuhause könne man sich sogar zuvor ansehen, wie der Schuh am eigenen Fuß aussieht. „Das ist schon spruchreif. Mein Sohn ist der größte Adidas-Personalized-Kunde, konfiguriert sich, glaube ich, alle zwei Wochen einen neuen Schuh.“ Einen interessanten Neukunden hat PTC auch mit Lufthansa Cargo gewonnen, das komplexe Anforderungen an seine Logistikprozesse der Zukunft hat.

Wettbewerbsentscheidende flexible Werkzeuge

Walmart als langjähriger Kunde hat PTC dagegen bei Metro als Referenzkunde gedient. Ellenrieder: „Ich hätte auch nie gedacht, dass ich einmal mit Metro in interessante Verhandlungsgespräche treten kann. Man muss die Sprache dieser Logistik-Technologieunternehmen beherrschen. Man muss die Business-Probleme und deren Auswirkungen genau analysieren und Hausaufgaben machen, ansonsten kann man da Werkzeuge wie Windchill oder Thingworx nicht einfach anbieten.“ Solch ein Werkzeug müsse dann eben so flexibel sein, dass das kleine feine wettbewerbsentscheidende Kriterium für Metro möglich sei.

Lesen Sie zum Thema „Augmented Reality“ bitte auch unser Whitepaper:

Ergänzendes zum Thema
Kurz-Interview: Daten sind der Schlüssel zu Wissen und Macht

Am Rande der Liveworx 18 hatten wir Gelegenheit, mit Stephan Ellenrieder, Senior Vice President Zentraleuropa sowie Geschäftsführer Deutschland, über die zukünftige Strategie von PTC zu sprechen.

Was bewegt PTC mit seiner Prozessexpertise vor allem aus den Bereichen Automotive, Life Science und Prozessindustrie dazu, sich in der (Intra-)Logistik zu engagieren?

So wie alle anderen Branchen kann sich auch die (Intra-)Logistik nicht der zunehmenden Digitalisierung und einem steigenden Innovationsdruck entziehen. Die sich ändernden Kunden- und Marktanforderungen treiben die Geschwindigkeit aller Prozesse – vom globalen Transport von Waren und Gütern über den Warenumschlag in Distributionszentren und Lagerhäusern bis hin zur letzten Meile – rasant in die Höhe. Dabei gilt: Die Waren müssen vollständig und schadenfrei in der vorgegebenen Zeit am gewünschten Ort eintreffen, ganz egal wie. Nun kann mittels Sensoren und deren Vernetzung heutzutage beinahe alles überwacht und gesteuert werden – von der Transportware und der Verpackung selbst bis hin zu den Transportmitteln wie den Fördermitteln im Distributionszentrum oder den Verkehrsmitteln für den außerbetrieblichen Transport, etwa dem Fuhrpark. Das alles schwemmt aber eine wahre Flut an Daten an. Diese gilt es nun zu erfassen und zu verarbeiten. Wichtiger noch: Es müssen die richtigen Erkenntnisse gezogen werden, um den Logistikprozess effizienter zu machen und Fehlerquellen weitestgehend zu reduzieren. Hier kommt PTC ins Spiel. Wir bieten Lösungen zur Erfassung, Verarbeitung, Verwaltung, Analyse und Weiterverwertung dieser Daten an und sind dadurch schon länger im Bereich (Intra-)Logistik aktiv.

Wie können Kunden, insbesondere aus den Bereichen Einzelhandel, Schuhmode, Kleidung, aber auch Carrier wie Lufthansa Cargo von Ihrer Expertise profitieren?

Der Einzelhandel sowie die Modeindustrie erhält mit unseren PTC-„FlexPLM“-Software-Tools unter anderem die Möglichkeit, Warenbestände besser zu steuern und zu planen, wie es beispielsweise C&A bereits macht, aber auch Ideen, Konzepte und Designs digital zu verwalten und somit effizienter zu operieren. In der Logistik geht es vor allem um einen Mehrgewinn an Wissen. Wissen über den jeweiligen Zustand der Waren und Güter sowie deren Position, Wissen über den Zustand des jeweiligen Transportmittels sowie über drohende Ausfälle oder Schäden, sei es an der Ware oder am Förderband oder Gabelstapler im Lager, um nur einige Beispiele zu nennen. Es gilt somit: Wissen ist Macht und die Daten sind der Schlüssel dazu. IoT-Plattformen wie „ThingWorx“ von PTC können den Unternehmen hierzu als zentrale Drehscheibe für die IoT-Daten dienen, indem diese in bereits vorhandene oder eigens erschaffene Applikationen fließen. Gemeinsam mit Daten aus Drittquellen wie Wetter- oder Verkehrsdiensten und angebunden an ERP-, PLM- oder Warenwirtschaftssysteme entsteht so eine mächtige Basis für die effizientere Planung und die Optimierung von Logistikprozessen und Lieferketten.

Weitere Beiträge zum Unternehmen:

PTC

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