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Distribution RFID entdeckt die Schiene

| Autor / Redakteur: Adrian Bögli / Volker Unruh

Während die Radiofrequenzidentifikation (RFID) in anderen Industriebereichen heute bereits fast zum Standard gehört, hat sie sich in der Bahnlogistik noch nicht durchgesetzt. Ein Pilotprojekt von SBB Cargo im Saarland zeigt mögliche Einsatzgebiete.

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Beim täglichen Transport von flüssigem Eisen für das Eisenwerk Rogesa von der Gießerei Dillingen in den Verarbeitungsbetrieb in Völklingen ist die korrekte Übermittlung der Transportdaten sehr wichtig.
Beim täglichen Transport von flüssigem Eisen für das Eisenwerk Rogesa von der Gießerei Dillingen in den Verarbeitungsbetrieb in Völklingen ist die korrekte Übermittlung der Transportdaten sehr wichtig.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wenn flüssiges Eisen per Güterbahn ins Rollen kommt, ist nicht nur Spezialgerät, sondern auch Expertenwissen gefragt. Der bis zu 1400 °C heiße Rohstoff lässt sich nicht lagern, sondern muss punktgenau an seinem Bestimmungsort ankommen. Schon fünf Minuten Verzögerung können sich drastisch auswirken und im Extremfall ganze Produktionsketten lahmlegen. Die korrekte Übermittlung der Transportdaten ist daher überaus wichtig. Fehler, wie sie bei der üblichen telefonischen Ankündigung der Züge in Form von Zahlendrehern schon einmal vorkommen, stören genau diesen reibungslosen Ablauf der Transportkette.

Bessere Datenbasis mit stark reduzierten Fehlerquellen

Um solche Fehlerquellen zu minimieren und den Prozess zu automatisieren, bietet sich die Radiofrequenzidentifikation (RFID) an. Zusammen mit dem Eisenwerk Rogesa, einem Joint Venture der Dillinger Hütte und Saarstahl, hat SBB Cargo die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik in einem Pilotprojekt im Saarland erprobt. Täglich befördert dort die Schweizer Güterbahn flüssiges Eisen aus dem Hochofen in Dillingen in den 20 km entfernten Verarbeitungsbetrieb Völklingen.

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Da die Transporte mit dem sensiblen Rohstoff rund um die Uhr innerhalb definierter Zeitfenster am Ziel eintreffen müssen, kommt es auf eine exakte Planung an. Bisher wurden die Details zu jedem abgehenden Zug telefonisch übermittelt, um dann am Ziel manuell in das Produktionsplanungssystem eingegeben zu werden. Ziel des Pilotprojektes war es nun, die Wagennummern eines Zuges sequenziell zu erfassen und sie mindestens 20 Minuten vor Abfahrt elektronisch an Saarstahl zu übertragen.

Dazu wurden kreditkartengroße, selbstklebende Funkchips an beiden Seiten der Spezialwaggons für den Flüssigeisentransport installiert. Mit dem Einsatz dieser passiven, batterielosen Transponder, die auf einer Frequenz von 13,56 MHz Daten senden und empfangen, hat sich auch die Voranmeldung der Züge entsprechend geändert. Statt zum Telefon greift ein Mitarbeiter in Dillingen heute zu einem Mobilterminal und liest aus den RFID-Tags die Wagennummern-Daten im stehenden Zug aus. Diese werden dann via GSM-Mobilfunk an einen FTP-Server der SBB Cargo gesendet, auf den Saarstahl zur Erteilung des Transportauftrags zugreift.

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