Logistikrecht

Service Level Agreements sollen Logistiker motivieren

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Bevor es also zu Schwierigkeiten kommt, empfiehlt Rechtsanwalt Gimmler aus seiner jahrelangen Erfahrung: „Simulieren Sie Abläufe, machen Sie einen Massentest, machen Sie einen Integrationstest. Und gehen Sie bitte davon aus, dass alles schief geht, was schief gehen kann!“ Und ganz wichtig sei auch, dass man alles, was man erwarte, was man voraussetze, irgendwo buchstäblich schwarz auf weiß hinschreibt. „Sonst bringt das nichts“, sagt Gimmler.

Für Leser, die schon bei der Einführung eines SLA/KPI-Systems möglichst wenig Fehler machen wollen, obwohl man natürlich jederzeit nachsteuern könne, hat Rechtsanwältin Marhoffer-Beljuli folgenden Tipp parat: „Ich würde für ein Service Level Agreement immer eine Ingangsetzung, eine Anlaufphase vereinbaren.“ Dabei prüft man nach drei bis vier Monaten, wie realistisch die selbst gesetzten KPI sind, denn manchmal liege man mit seiner eigenen Einschätzung komplett daneben. Gerade wenn die Bonus-Malus-Regelungen noch nicht „scharf“ seien, könne man sich in einem Review-Meeting zusammensetzen und die Werte leicht anpassen.

100%iges Leistungsversprechen

Im Dreiklang Verkäufer, Dienstleister und Käufer sind SLA- und KPI-Ziele also immer Qualitäsziele – im Unterschied zu den „unechten“ SLA-Regelungen, die regelwidrige Zwecke haben, beispielsweise Preisdrückerei, ohne dass betriebswirtschaftlich sinnvolle Ziele erkennbar sind. Was aber, wenn kein Service Level Agreement vereinbart ist? Dann gilt es nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), eine Leistung „mittlerer Art und Güte“ zu erbringen. Und genau hier greifen SLA/KPI im Unterschied zu einer annehmbaren Qualitätslage (AQL) an. Eine AQ-Lage ist ein eingeschränktes Leistungsversprechen, wohingegen ein SLA/KPI ein 100%iges Leistungsversprechen ist.

Marhoffer-Beljuli bricht dem SLA eine Lanze: „Wollen Sie als Auftraggeber ,mittlere Art und Güte‘? Sie sollten versuchen, das zu vermeiden.“ Gimmler dazu: „Wir meinen, statt der mittleren Art und Güte einzubauen, dass der Dienstleister nach Best-Practise-Maßstab zu arbeiten hat.“ Das könne übrigens ganz wesentlich sein, beispielsweise, wenn Best-Practice-Leistungserbringung Voraussetzung für eine Anpassung der Vergütung ist.

Im Rahmen der SLA/KPI-Thematik muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen Einzelleistung und dem Rahmenvertrag. SLA/KPI sind immer auf den Rahmenvertrag bezogen, für eine (mehr oder weniger) unendliche Anzahl von einzelvertraglichen Ausführungsgeschäften, und sie messen immer nur die rahmenvertragliche Performance. Laut Rechtsanwalt Gimmler beziehen sich das gesetzliche Transportrecht, das gesetzliche Werkvertragsrecht und das gesetzliche Lagerrecht immer nur auf das einzelne Geschäft. „Wir müssen also etwas Eigenes erfinden, und das ist genau das Service Level Agreement“, so Gimmler abschließend. ■

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