Künstliche Intelligenz Wie KI die Routenplanung in der Logistik optimiert

Von Rabea Böhme und Jeroen Hanekamp

Vernetzte globale Lieferketten sorgen dafür, dass die Menge der Waren und Güter, die weltweit transportiert werden, kontinuierlich ansteigt. Dies stellt Logistiker und insbesondere Routenplaner vor neue Herausforderungen: Güter sollen heute nicht nur besonders schnell, sondern auch möglichst effizient transportiert werden. Zeitgleich werden Logistiker mit immer neuen Regularien konfrontiert, die eingehalten werden müssen. Abhilfe schaffen smarte Planungssoftwarelösungen, die das Know-how erfahrener Routenplaner mit Künstlicher Intelligenz (KI) kombinieren.

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Trotz aller Erfahrungswerte menschlicher Routenplaner: KI und smarte Softwarelösungen können in Zeiten sich ändernder Kundenbedürfnisse und komplexeren Lieferketten bei der Planung smarter Routen unterstützen.
Trotz aller Erfahrungswerte menschlicher Routenplaner: KI und smarte Softwarelösungen können in Zeiten sich ändernder Kundenbedürfnisse und komplexeren Lieferketten bei der Planung smarter Routen unterstützen.
(Bild: Ab Ovo)

Globale Lieferketten waren nie komplexer als heute. Fast überall auf der Welt sind Waren in kürzester Zeit verfügbar – vom zugelieferten Bauteil bis hin zum Endprodukt für den Konsumenten. Möglich macht es die ausgeprägte Vernetzung von Produzenten, Zulieferern und Endkunden. Routenplaner sind daher gefragt, Lieferketten entsprechend effizient zu planen, um individuelle Kundenbedürfnisse mit wirtschaftlichen Zielen des Transportunternehmens zu vereinen. Zudem spielen behördliche Regularien, wie beispielsweise Lkw-Fahrverbote oder Ruhezeiten der Fahrer, eine ebenso entscheidende Rolle wie Umweltschutzvorgaben. Um diese Komplexität im Arbeitsalltag zu vereinfachen, setzen moderne Logistiklösungen vermehrt auf Künstliche Intelligenz (KI).

Digitalisierung: Ersetzt die KI bald den Logistikplaner?

Erfahrene Routenplaner verfügen meist über ein enormes Wissen, wie Routen möglichst effizient geplant werden können. In den vergangenen zwei Jahren wurde dieses Know-how extrem auf die Probe gestellt. Krankheitsbedingte Personalausfälle und unvorhersehbare Lieferverzögerungen sind nur zwei Beispiele, mit denen Logistiker zu kämpfen hatten. Umso stärker steigt das Interesse an digitalen Lösungen, die in der Planung unterstützen sollen. Wie in anderen Branchen auch, machte die Pandemie deutlich, wie wichtig es für Unternehmen ist, die Digitalisierung frühzeitig anzustoßen. Daher sind auch Transportunternehmen jetzt gefragt, verstärkt digitale Lösungen zu etablieren – unter anderem in der Streckenplanung.

Die Autorin Rabea Böhme ist Managing Director bei Ab Ovo Deutschland.
Die Autorin Rabea Böhme ist Managing Director bei Ab Ovo Deutschland.
(Bild: Volker Tietze)

Intelligente Lösungen, wie „SmartRouting“ von Dassault Systèmes und Ab Ovo, können Planer dabei unterstützen, auch in Zeiten immer komplexer werdender Lieferketten effiziente Routen zu planen und dabei so viele Faktoren wie möglich zu berücksichtigen. Neben Daten über die zu transportierenden Waren fließen auch solche über die vorhandenen Ressourcen – sprich verfügbare Fahrzeuge und Fahrer – sowie Angaben über die Strecke in die Planung mit ein. Hinzu kommen Echtzeitinformationen, wie beispielsweise über die aktuelle Verkehrslage.

Die integrierte KI-Komponente analysiert zudem vergangene Touren und lässt die gewonnenen Erfahrungen für die zukünftigen Planungen berücksichtigen. Damit wird die manuelle Planungsarbeit deutlich reduziert, wobei Planer zu jedem Zeitpunkt die Entscheidungshoheit haben und vorgeschlagene Routen überschreiben können. Der entscheidende Knackpunkt: Auch kurzfristige Anpassungen sind schnell umsetzbar, da die Softwarelösung aus der Cloud als zentrale Datenquelle fungiert, auf die auch ein größeres Team aus Planern zugreifen kann. Dieses Feature ermöglicht es Unternehmen, die Planung in kürzester Zeit in andere Hände zu übergeben, falls gewohnte Arbeitsabläufe etwa krankheitsbedingt umgestellt werden müssen.

Ökologische Aspekte frühzeitig in der Planung berücksichtigen

Behördliche Auflagen, steigende Kraftstoffpreise sowie zunehmend unternehmensinterne Auflagen hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs und CO2-Ausstoßes sorgen dafür, dass Nachhaltigkeitsaspekte auch in der Routenplanung heute von zentraler Bedeutung sind. Doch gerade hier stößt herkömmliche Routensoftware an ihre Grenzen, da sie entweder die benötigten Daten nicht erfassen kann oder diese umständlich händisch integriert werden müssen.

Der Autor Jeroen Hanekamp ist Vice President Delmia bei Dassault Systèmes.
Der Autor Jeroen Hanekamp ist Vice President Delmia bei Dassault Systèmes.
(Bild: Dassault Systèmes)

Mittels einer smarten KI-basierten Lösung hingegen lassen sich auch Aussagen über den prognostizierten Ressourcenverbrauch treffen, welche wiederum die genaue Planung einer Route beeinflussen können. Insbesondere Planer mit elektronischen oder hybriden Flotten profitieren enorm von den zusätzlichen Informationen. Daten über Reichweiten, Ladepunkte und Ladezeiten von elektrischen Fahrzeugen können integriert und idealerweise mit den Ruhezeiten von Fahrern abgestimmt werden. So lassen sich Routen planen, die nicht nur wirtschaftlich effizient sind, sondern auch dazu beitragen, ökologische Ziele zu erreichen.

Vom Logistikzentrum im Umland zum kleinen Lager in der Stadt

Mittlerweile zeichnet sich in der Logistikbranche ein ganz neuer Trend ab: Statt großer regionaler Logistikzentren sind kleinere, lokale Warenlager, die oft mitten in der Stadt liegen, eine attraktive Alternative. Sie sollen dafür sorgen, dass steigende Paketaufkommen und Same-day-Lieferungen besser bewältigt sowie neue Konzepte innerhalb der letzten Meile – beispielsweise mittels Lastenfahrrad oder Kleintransporter – entwickelt werden können. Die innerstädtischen Warendepots haben zur Folge, dass generelle oder zeitlich bedingte Einfuhrverbote stärker in den Fokus rücken.

In vielen Innenstadtbereichen gibt es mittlerweile eine Vielzahl an behördlichen Auflagen, die es zum Beispiel großen Lkw untersagen, in den Stadtkern einzufahren. Diese können daher nur außerhalb eingesetzt werden und für den letzten Teil der Route werden Waren entsprechend in kleinere Fahrzeuge umgeladen. Das bedeutet, dass Umladepunkte sorgfältig ausgewählt werden müssen, je mehr unterschiedliche Fahrzeuge in der Transportkette zum Einsatz kommen. Be- und Entladezeiten verschiedener Fahrzeuge sollten also bereits im Vorfeld so kalkuliert werden, dass sie sich auf ein nötiges Minimum reduzieren.

Smarte Planung für die Routen von Morgen

Um den gestiegenen Anforderungen der Logistik der Zukunft zu begegnen, sollten Unternehmen frühzeitig die Digitalisierung anstoßen. Künstliche Intelligenz und smarte Softwarelösungen ersetzen keinesfalls das Know-how erfahrener Planer. Aber sie unterstützen bei der Planung effizienter Routen in Zeiten komplexer werdender Lieferketten und sich verändernder Kundenbedürfnisse. Gerade dies zeichnet KI-gestützte Logistikplanung aus: mehr Flexibilität, geringere Kosten und ein wertvoller Beitrag für die Nachhaltigkeit. ■

* Rabea Böhme ist Managing Director bei Ab Ovo Deutschland GmbH in 40549 Düsseldorf, Tel. +49 211 41668410, request@ab-ovo.com; Jeroen Hanekamp ist Vice President Delmia bei Dassault Systèmes in 70563 Stuttgart-Vaihingen, Tel. +49 711 273000, dach.info@3ds.com

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