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Logistik IT Bosch siegt mit Visualisierung der Logistikketten

| Redakteur: Robert Weber

Der Automobilzulieferer Bosch ist mit dem Logistik Award des VDA ausgezeichnet worden. Das Unternehmen erhält die Auszeichnung für die vollständige Digitalisierung von physischen Warenströmen.Auf dem MM Logistik-Kongress 2013 präsentierte Bosch-Projektleiter Andreas Müller zusammen mit seinem Kollegen Manuel Baumbach bereits Ansätze des Konzepts.

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(Bild: Bosch)

Die Auswertung der so gewonnen Daten hilft bei der Steuerung und weiteren Verbesserung der Abläufe. Einer der wesentlichen Erfolge des Projektes ist der unternehmensübergreifende Datenaustausch. Standardisierte Daten können nun problemlos und in Echtzeit über Unternehmensgrenzen hinweg ausgetauscht und geteilt werden. Damit ist die ganzheitliche Optimierung von Produktions- und Liefernetzwerken möglich. „Zulieferer und Kunden öffnen und verknüpfen ihre Prozesse für- und miteinander. Die Vision der Datendurchlässigkeit in der industriellen Lieferkette wird so Realität. Es entstehen effiziente, flexible und ressourcenschonende Produktions- und Logistiknetzwerke“, sagte Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung bei der Preisverleihung in Frankfurt a.M. In der Pilotanwendung bei Bosch im saarländischen Homburg konnte beispielsweise die Effizienz der Logistik um rund zehn Prozent gesteigert werden.

Unser Tipp: Die Vortragsunterlagen der Bosch-Präsentation auf dem MM-Logistik-Kongress können hier heruntergeladen werden.Download.

RFID-Technik unterstützt die Visualisierung

Der nun bei Bosch erstmals durchgängig umgesetzte standardisierte Datenaustausch baut auf den Ergebnissen des RAN-Forschungsprojekts (RFID-based Automotive Network) auf. In diesem Projekt wurden neue Steuerungskonzepte für Netzwerke der Automobilindustrie entwickelt. „Die Veränderungen der industriellen Fertigung, die insbesondere in Deutschland unter dem Stichwort Industrie 4.0 zusammengefasst werden, haben längst begonnen. Sie werden nun in ersten Anwendungen Realität und damit sichtbar“, erklärte Asenkerschbaumer, der in der Bosch-Geschäftsführung auch für die Bereiche Einkauf und Logistik verantwortlich ist. Auf dem Weg zur vernetzten Produktion baut Bosch auf dem seit Jahren erfolgreich angewandten Bosch Produktionssystem auf. Bislang lag der Fokus dabei auf der Optimierung von physischen Produktions- und Logistikprozessen, also dem, was in der realen Welt geschieht. Neue IT-Technologien ermöglichen es, diese Prozesse und Warenströme zu virtualisieren. Dies geschieht durch die automatisierte Erhebung von Zustandsdaten von Produkten oder Transportbehältern während der Produktions- und Logistikprozesse. Technisches Hilfsmittel ist dabei beispielsweise die RFID-Technologie. Früher wurde der physische Warenfluss zeitversetzt mit viel Aufwand händisch in ein IT-System übertragen. Die Fehleranfälligkeit war hoch und die Daten nie aktuell. Der Informationsfluss lief asynchron zum Warenfluss.

An den Schnittstellen Geld sparen

Die zahlreichen, stets aktuellen und damit qualitativ hochwertigen Daten können mit Hilfe von Software ausgewertet werden. Die von intelligenten Algorithmen aufgezeigten Zusammenhänge und Wirkmechanismen helfen bei der weiteren Optimierung des Gesamtsystems. Bosch-Projektleiter Andreas Müller verdeutlicht die Vorteile der modernen Abläufe: „Der Produktionsprozess optimiert sich selbst. Neue Daten führen zu neuen Erkenntnissen. Neue Erkenntnisse führen zur Verbesserung des Systems. Das nun verbesserte System führt wiederum zu neuen Daten. Aus Daten wird Wissen, aus Wissen wird Nutzen. Der Verbesserungskreislauf ist geschlossen.“

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Durch die Standardisierung von Datenströmen über Unternehmensgrenzen hinweg, ist es möglich, weitere Geschäftspartner wie Kunden und Zulieferer in die Prozessoptimierung einzubeziehen. „Vernetzte und damit intelligente Produktion und Logistik rücken ein Stück näher, wenn Material- und Informationsflüsse durchgängig über Unternehmensgrenzen hinweg gestaltet werden können. Bosch gelingt es mit seinen Partnern damit, die Vision des Supply Chain Managements umzusetzen“, begründete Jury-Vorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen das Urteil des Expertengremiums. Im Pilotprojekt beispielsweise arbeitet Bosch mit einem Motorenhersteller und einem Lieferanten von Mehrwegbehältern zusammen.

Bosch arbeitet aktuell an der Verbreitung der Anwendung an eigenen Fertigungsstandorten auf der ganzen Welt und der Umsetzung mit weiteren Partnern. Auch an der Weiterentwicklung der technischen Lösungen wird gearbeitet. Heute sind RFID-Tags die gängigen Informations- und Datenträger. Zukünftig werden zusätzlich internetfähige Sensoren die Statusinformationen von Objekten übermitteln. Die Quantität und Qualität der Daten wird weiter zunehmen. Intelligente Softwarelösungen und leistungsstarke Algorithmen werden die Daten auswerten. So erschließen sich neue Verbesserungspotenziale. Als einer der weltweit führenden Sensorproduzenten kann Bosch hier auf eigene Produkte zurückgreifen. Das unternehmenseigene Software- und Systemhaus Bosch Software Innovations stellt maßgeschneiderte Softwarelösungen zur Verfügung. „Durch die Kombination unseres Prozess-, Sensorik- und Software-Know-hows können wir unsere eigene Wertschöpfung und die unserer Partner weiter optimieren. Wir sehen uns auf dem Weg zur vernetzten Produktion als Leitanwender und Leitanbieter von Soft- und Hardware“, sagte Asenkerschbaumer. Gerade an den Schnittstellen der Wertschöpfungsnetzwerke lassen sich Kosten reduzieren und neue Dienstleistungen aufsetzen.

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