Fehmarnbelttunnel Der Baustart des längsten Untersee-Tunnels der Welt rückt näher

Redakteur: Victoria Sonnenberg

Als größtes Infrastrukturprojekt Nordeuropas schließt der Fehmarnbelttunnel ab 2021 eine Lücke zwischen Skandinavien und Kontinentaleuropa und eröffnet so neue Möglichkeiten für Handel, Tourismus und Forschung. Ab 2015 soll ein Absenktunnel gebaut werden, der aus jeweils zwei 11 m breiten Straßen- und zwei 6 m breiten Schienenröhren bestehen wird.

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Mit einer Länge von etwa 18 km wird der Fehmarnbelttunnel der längste bisher gebaute kombinierte Tunnel für den Schienen- und Straßenverkehr sein – knapp fünf Mal so lang wie der Öresundtunnel zwischen Kopenhagen und Malmö.
Mit einer Länge von etwa 18 km wird der Fehmarnbelttunnel der längste bisher gebaute kombinierte Tunnel für den Schienen- und Straßenverkehr sein – knapp fünf Mal so lang wie der Öresundtunnel zwischen Kopenhagen und Malmö.
(Bild: Femern A/S)

Im September 2008 unterzeichneten Deutschland und Dänemark einen Staatsvertrag zum Bau der Festen Fehmarnbeltquerung. Dänemark ist für die Finanzierung des 5,5 Mrd. Euro Projekts verantwortlich. Das dänische Staatsunternehmen Femern A/S plant, baut und betreibt die Verbindung nach Fertigstellung. Ab 2015 soll ein Absenktunnel gebaut werden, der aus jeweils zwei 11 m breiten Straßen- und zwei 6 m breiten Schienenröhren bestehen wird. Durch den Fehmarnbelttunnel und den ebenfalls vorgesehenen Ausbau der Infrastruktur für Schiene und Straße auf deutscher (Lübeck-Puttgarden) und dänischer Seite (Rødbyhavn-Ringsted) wird die gesamte Infrastruktur leistungsfähiger.

Tunnel bindet Skandinavien stärker an Deutschland

Allein der Tunnel verkürzt die Fahrzeit um etwa eine Stunde. Deswegen ist er wichtiger Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) und wird durch die EU mitfinanziert. Für den grenzüberschreitenden Verkehr bedeutet der Fehmarnbelttunnel eine höhere Kapazität, größere Flexibilität und wichtige Zeiteinsparungen. Der Tunnel bindet ganz Skandinavien stärker an Deutschland und damit an seinen größten Handelspartner. Er stärkt den Schienengüterverkehr und bietet damit auch einen Anreiz für schwedische Speditionen, von den Fähren in Ystad und Trelleborg auf den Tunnel umzusteigen. Damit leistet er einen Beitrag zur Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und zu einem grüneren Verkehr.

Fehmarnbelttunnel hat das Potenzial der Öresundverbindung

Langfristig schafft der Tunnel eine neue Mobilität und trägt damit zu einem engeren wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Austausch sowie zu einer Verflechtung des Arbeitsmarktes der über neun Millionen Menschen in der Fehmarnbeltregion bei. Schon jetzt wird die wirtschaftliche und politische Vernetzung zwischen beiden Seiten des Fehmarnbelts durch eine Reihe von grenzüberschreitenden Initiativen vorangetrieben. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die durch den Tunnel entstehenden Chancen für den grenzüberschreitenden Handel, Tourismus und für die Forschung wahrgenommen werden. Vor allem die Bereiche „Life Science“ und Gesundheit, Ernährungswirtschaft, Informationstechnologie sowie erneuerbare Energien eignen sich für Wirtschafts- und Wissenschaftscluster. Dabei reichen die Wachstumsmöglichkeiten von den Metropolregionen in Hamburg und Kopenhagen-Malmö bis in die ländlichen Regionen Ostholstein und Lolland.

Der Fehmarnbelttunnel kann auf diese Weise ein ähnliches Erfolgsmodell werden wie die Verbindungen über den Großen Belt und den Öresund. Die Vernetzung der beiden großen dänischen Inseln Seeland und Fünen durch die Große-Belt-Verbindung 1998 führte zu einem nachhaltigen Anstieg des Verkehrsaufkommens und einer stärkeren geografischen Integration innerhalb der dänischen Landesgrenzen. Die Vernetzung von Dänemark und Schweden durch die Öresundverbindung legte den Grundstein für eine Metropolregion, in der sich das tägliche Pendlervolumen innerhalb von zehn Jahren von 2000 auf 20.000 verzehnfachte. Der Fehmarnbelttunnel zwischen Deutschland und Dänemark ist das letzte noch fehlende Bindeglied in dieser Kette.

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