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Interview Die Intralogistik ist eine Erfolgsgeschichte

Die Intralogistik kann getrost als „Dauerbrenner“ unter Deutschlands Topbranchen bezeichnet werden. Kurz vor der Cemat sprachen wir mit Dr. Klaus-Dieter Rosenbach, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik, und Sascha Schmel, Geschäftsführer des Fachverbands, über die Zukunft der Branche.

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Egal ob in der Produktion oder im Hochregal: Viele Produkte sind bereits digitalisiert und vernetzt, autonome Transportgeräte oder eine intelligente 
Lagerautomatisierung ermöglichen so eine effiziente und vor allem flexible Produktionsversorgung.
Egal ob in der Produktion oder im Hochregal: Viele Produkte sind bereits digitalisiert und vernetzt, autonome Transportgeräte oder eine intelligente 
Lagerautomatisierung ermöglichen so eine effiziente und vor allem flexible Produktionsversorgung.
(Bild: ©dreamnikon - stock.adobe.com)

Herr Schmel, was ist in kurzen Worten die Kernaufgabe Ihres Verbands? Aus welchen Vorläufern hat sich eigentlich die Konstellation „Fördertechnik und Intralogistik“ entwickelt?

Sascha Schmel: Der VDMA bietet mit dem Zusammenschluss aus Fachverbänden, neun Querschnittabteilungen und den Auslandsbüros Experten für jede unternehmerische Fragestellung – angefangen von der Außenwirtschaft über Bildung, Recht, Steuern bis hin zu Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit, Verkehr, Volkswirtschaft und Statistik sowie wirtschaftspolitischen Grundsatzfragen. Wir haben darüber hinaus unser Hauptstadtbüro und die Kollegen in Brüssel, die ganz nah am politischen Geschehen auf EU-Ebene sind. Damit decken wir tatsächlich alle Belange rund um das Tagesgeschäft unserer Unternehmen ab. Um die Mitglieder bei Zukunftsthemen zu unterstützen, hat der VDMA darüber hinaus das Competence Center Future Business eingerichtet. Hier geht es um mögliche Faktoren, die den Maschinen- und Anlagenbau auf einer Zeitschiene bis 2030 beeinflussen können.

Was den Namen unseres Fachverbands betrifft, führen wir die „Intralogistik“ erst seit 2012 im Namen. Davor war es „Fördertechnik und Logistiksysteme“. Da wir uns mit als Urheber des Begriffs Intralogistik sehen, der ja anlässlich der Cemat 2003 kreiert und in den Markt gebracht wurde, haben wir diesen dann auch in den Fachverbandsnamen aufgenommen. Der Begriff beziehungsweise das, was er beschreibt, hat ja auch seither eine tolle Erfolgsgeschichte geschrieben. Fördertechnik ist und bleibt aber ein wichtiger Bestandteil. Im internationalen Kontext wird das begrifflich alles nicht so sehr differenziert. Hier ist es entweder die „Supply Chain“ oder „Logistics“. Und beides denkt schon etwas mehr in Hardware, Software und vor allem Prozessen, einer Sichtweise, an der man in der Praxis sicher auch nicht vorbeikommt.

Wie hoch ist denn der Organisationsgrad der Branche in Ihrem Fachverband? Und warum sollte man dazugehören?

Dr. Klaus-Dieter Rosenbach: Der Organisationsgrad ist sehr hoch, genaue Prozentzahlen kann ich nicht belegen, aber mit Bezug zum Umsatz der Branche liegen wir sicher bei oder über 80 %, würde ich schätzen. Es bleibt ja gar nicht aus, dass unsere Leistungen an vielen Stellen auch außerhalb des Mitgliederkreises nutzbar werden. Aber die allermeisten Unternehmer erkennen eben den Vorteil einer direkten Anbindung und eben auch die Verpflichtung, aus unternehmerischer Verantwortung eine solch wichtige Struktur wie einen Maschinenbauverband zu unterhalten und zu steuern.

Wirkt der VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik aktiv bei Messen (Cemat) oder anderen Events (IFOY) mit? Welche gemeinsamen Arbeitskreise gibt es?

Schmel: Der Fachverband ist ideeller Träger der weltweiten Cemat-Messen und bringt sich hier an vielen Stellen ein, selbst oder durch die ehrenamtlichen Akteure aus den Mitgliedsunternehmen. Der IFOY ist ebenfalls ein Projekt, das durch den VDMA, zusammen mit der Cemat, erst möglich gemacht wurde. Die fantastische, internationale und wachsende Jury zusammen mit Anita Würmser lässt es jedes Jahr geschehen. Auf Englisch klingt es besser: „We make it possible, the jury makes it happen...“

Was hat man unter der „Technologie-Roadmap Intralogistik 2025“ zusammen mit dem Fraunhofer-IML zu verstehen?

Rosenbach: Als Fachverband sind wir vor allem mittelständisch geprägt. Industrie 4.0 ist ein Thema, das für viele kleinere und mittlere Unternehmen noch nicht richtig greifbar ist. Die Idee zu den Technologie-Roadmaps entstand, weil wir unseren Mitgliedsunternehmen ein Hilfsmittel an die Hand geben wollten, mit dem sie das Thema für sich einfacher erschließen können. Sie wissen selbst, wie groß und schnell mittlerweile Technologiesprünge erfolgen und dass es immer wieder disruptive Ansätze gibt, die das Potenzial haben, ganze Geschäftsfelder auf den Kopf zu stellen. Unser Ziel war es, einen Überblick über die für uns Hersteller wichtigsten Technologiefelder zu erstellen, die in den kommenden Jahren das größte Veränderungspotenzial in Sachen Industrie 4.0 haben. Für diese Aufgabe haben wir mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) genau den richtigen Partner gefunden und das Ergebnis spricht für sich.

Auf Ihrer Website schreiben Sie: „Wir unterstützen Mitglieder in allen Belangen.“ Was heißt das konkret?

Schmel: Das ist wörtlich gemeint. Der VDMA steht für drei Säulen: Netzwerk, Normung, Dienstleistung. Die ersten beiden sind eigentlich selbsterklärend. Vielleicht nur so viel: Wir organisieren von regional bis international das Netzwerk einer Branche oder eben das Netzwerk zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Branchen. Der Austausch zu den unternehmerischen Fragen hilft den Mitgliedern und auch uns, weil sich dadurch der sich verändernde Bedarf immer gut feststellen lässt.

Zur Normung: Der VDMA betreibt den Normungsausschuss Maschinenbau und ist somit beispielsweise für nahezu alle Normen verantwortlich, die die Maschinenrichtlinie konkretisieren. Dies ist eine existenziell notwendige Infrastruktur für Maschinenbauer.

Die Dienstleistungen sind sehr vielfältig, ich hatte eben schon ein bisschen was gesagt. Ich sage das wirklich wörtlich zu interessierten Unternehmern: Wir können die Mitglieder bei allen unternehmerischen Fragestellungen den größten Teil des Weges bis zur Klärung begleiten. Bislang hat mir noch kein Mitglied gesagt, dass wir dieses Versprechen nicht hätten einlösen können. Ein konkretes Beispiel, wo es oft um viel Geld geht: Vor Gericht kann unsere Rechtsabteilung kein Mitglied vertreten, aber wir können eine Abschätzung liefern, ob dieser Gang lohnen könnte und welche Kanzlei beispielsweise für eine Vertretung geeignet sein könnte. Ich möchte zwei weitere Bereiche konkretisieren, die immer viel Beratungsbedarf erzeugen: Steuerrecht und Export. Jedes Mitglied hat hier Zugriff auf umfangreiche Kompetenzen im VDMA, vom Wirtschaftsprüfer bis zum ehemaligen Zöllner. Vom kurzen Telefonat über die Kommentierung eigener Verträge bis hin zum Termin vor Ort ist für ein Mitglied alles drin. Und das ist eben nur ein winziger Ausschnitt der sogenannten Querschnittleistungen oberhalb der eigentlichen Fachverbände.

Ist die aktuelle EU-Datenschutz-Grundverordnung von Relevanz für Ihre Klientel?

Schmel: Jedes Unternehmen muss sicherstellen, dass die Anforderungen der neuen Datenschutz-Grundverordnung ab Mai erfüllt werden, und zwar technisch wie organisatorisch. Zwar gelten die bisherigen Grundprinzipien des Datenschutzes weiter, es gibt jedoch eine Reihe neuer Elemente und Kriterien, die im Unternehmen geprüft und umgesetzt werden müssen. Neu sind beispielsweise komplexe Kooperations- und Kohärenzmechanismen auf behördlicher Ebene, die eine möglichst einheitliche Anwendung der Regelungen der DS-GVO in den EU-Mitgliedstaaten gewährleisten sollen, und der „One-Stop-Shop“, der den Datenschutz regelt, wenn ein Unternehmen Niederlassungen in mehreren EU-Mitgliedstaaten führt.

Bieten Sie Ihren Mitgliedsfirmen aktive Hilfe beim Erschließen von Auslandsmärkten an? Wie sieht das konkret aus?

Rosenbach: Es gibt zum einen eine Reihe von Angeboten, die vom BMWi unterstützt werden. Wenn es hier konkrete Bezüge zur Branche gibt, informieren wir unsere Mitgliedsunternehmen entsprechend und die Unternehmen können dann entscheiden, ob eine Teilnahme für sie interessant ist oder nicht. Der zweite Weg ist aktiv aus dem Verband. Wenn genügend Mitglieder eines Fachverbands Interesse an einem Land oder einer Region bekunden, organisiert der VDMA auch selbst aktiv solche Reisen und begleitet seine Mitglieder. Wir bemühen uns dann um Unterstützung vor Ort, beispielsweise von den entsprechenden Außenhandelskammern oder von Verbänden. Die Teilnehmer lernen dann auf der Reise relevante Ansprechpartner kennen, die bei einem Markteintritt unterstützen können, und sie besuchen verschiedene Unternehmen. Der Wert des Networkings auf diesen Reisen ist erheblich.

Herr Dr. Rosenbach, Herr Schmel, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

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