Interview

Die Kundenanforderungen bestmöglich erfüllen

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Ihr Unternehmen agiert im Dreiklang „Serie, System, Service“ und will so die Probleme der Kunden lösen. Wie stark setzen Sie in diesem Konzert auf Synergien dieser Bereiche? Wie sehen diese aus?

Bauer: Unser Anspruch für den Kunden ist, dass er eine Lösung für seine spezielle Problemstellung erhält, völlig unabhängig von der internen Abbildung bei SICK. Unser Ziel ist es, dass wir Mehrwert mit Sensorintelligenz für unsere Kunden bieten, damit diese wiederum ihre Marktanforderungen erfüllen und ihre eigene Marktstellung ausbauen können. Für diese Herausforderung bieten wir Serienprodukte, Systeme und auch Serviceangebote, die wir je nach geforderter Komplexität anpassen. Die Synergien ergeben sich durch die Konzentration auf Sensortechnologien, die wir sowohl in Seriengeräten, in Systemen, aber auch im Service einsetzen und entsprechend der Marktforderungen weiterentwickeln. Dabei ist für uns insbesondere das Feedback, das wir aus dem System- und Servicegeschäft für die Optimierung unserer Sensorprodukte erhalten, von entscheidender Bedeutung.

Als Gründungsmitglied der Industrial Data Space Association liegen Ihnen die Themen Dateneigentum und Datensicherheit am Herzen – nicht umsonst arbeiten Sie eng mit dem Dortmunder IML zusammen. Was genau unterscheidet das Arbeiten im „Space“ von dem in der „Cloud“?

Die kapazitiven Näherungssensoren CM18 und CM 30 (r.) sind durch ihre sehr gute elektromagnetische Verträglichkeit zuverlässige Helfer bei der Detektion.
Die kapazitiven Näherungssensoren CM18 und CM 30 (r.) sind durch ihre sehr gute elektromagnetische Verträglichkeit zuverlässige Helfer bei der Detektion.
(Bild: SICK)

Bauer: Sensoren sind im technischen Bereich per Definition Datenlieferanten. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass die Datensicherheit gewährleistet, ganz speziell das Eigentum an den Daten eindeutig geregelt ist und damit die Souveränität über die Datennutzung erhalten bleibt. Die heutigen Lösungen bieten Verschlüsselungen lokal oder auf der Übertragungsschnittstelle an und definieren das Dateneigentum über bilaterale Vertragsbeziehungen. Für die Umsetzung der Ideen von Industrie 4.0 reicht dies nicht aus, wenn das Zusammenwirken von verschiedensten Daten aus verschiedensten Quellen mit adäquaten Transaktionskosten einen zusätzlichen Mehrwert erzeugen soll. Logischerweise müssen sich deshalb Datenlieferanten, aber auch Datenverarbeiter, zum Beispiel die Cloudanbieter, auf ein akzeptiertes Verfahren zur Dateneigentumssicherung verlassen können. Eine juristische Vereinbarung hierfür wird nicht ausreichen. Der Industrial Data Space definiert deshalb technische Rahmenbedingungen für eine Referenzarchitektur, die speziell die Problematik der Datensicherheit und des Dateneigentums und auch den Übergang des Dateneigentums von einer zur anderen Stelle technisch verlässlich unterstützt. Um im Bild des Datenweltraums zu bleiben, unterstützt der Industrial Data Space viele Datenwolken, also Clouds, Datenlieferanten und Datennutznießer bei der Dateneigentumssicherung: Aus den bilateralen Vertragsbeziehungen werden multilaterale vertrauenswürdige und sichere Datenräume.

Ihr neuer RFID-Leser RFU650 kann sogar die Richtung erkennen, in der ein Objekt, wie beispielsweise ein Gabelstapler, durch ein Tor fährt. Wie reagiert die Industrie darauf?

Bauer: Unser neuer RFID-Leser RFU650 erweitert entscheidend die statische Informationsgewinnung hin zur dynamischen richtungsorientierten Informationsübertragung. Damit können Datenflüsse auch räumlich zugeordnet werden und somit die Sollfunktion mit der tatsächlichen Datenflussrichtung abgeglichen werden. In den Applikationen werden dadurch wesentlich einfacher reale Verhältnisse im Datenraum abgebildet und die Logistiksteuerung robuster. Diese Zunahme von Robustheit wird vom Markt aufmerksam registriert und ermöglicht eine vorher nicht gekannte Transparenz insbesondere im End-of-Line-Bereich.

Herr Dr. Bauer, was hat man sich unter SICK App-Space vorzustellen, das Sie im vergangenen Jahr eingeführt haben? Ist das ein reines Kundenbindungsinstrument oder eine echte Hilfestellung für Systemintegratoren, ihre Sensoren in den Markt zu bringen?

Bauer: Wenn wir zu Ihrer Eingangsfrage, zur Varianz in der Sensortechnologie, zurückkehren, ist ein wesentlicher Punkt die Varianz der Softwarefunktionen, die in Zukunft unsere Produkte noch besser an die Applikationen anpassen können. SICK AppSpace bietet daher eine flexible und sichere Architektur, die mit der Applikationssoftware direkt in unsere Sensoren integriert werden kann. Dies ist wiederum Voraussetzung dafür, dass die Applikationen flexibel an die veränderte Umgebung anpassbar sind. Unser SICK AppSpace erleichtert dem Anwender sowohl die Bereitstellung optimaler Applikationssoftware als auch die Administration und Multiplikation der maßgeschneiderten Lösungen. Besonders attraktiv finden unsere Kunden die Tatsache, dass es durch die Programmierbarkeit unserer Sensoren möglich wird, ihren eigenen unternehmensspezifischen Value-add direkt auf unseren Sensoren abzubilden.

Herr Dr. Bauer, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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