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Expertenbeitrag

 Matthias Berlit

Matthias Berlit

Bereichsleiter Industrielogistik / Healthcare Management bei der INFORM GmbH

Intralogistik 4.0 Die Top 4 Digitalisierungstrends in der Intralogistik für 2018

| Autor / Redakteur: Matthias Berlit / Jonas Scherf

Im Bereich Intralogistik variiert der Grad der Digitalisierung stark – sowohl branchen- als auch unternehmensabhängig. Welche Veränderungen betreffen die Intralogistik 2018 und welche ersten Schritte sollten Unternehmen einleiten, um den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verpassen?

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Häufig mangelt es in der innerbetrieblichen Logistik noch an digitalen Prozessen.
Häufig mangelt es in der innerbetrieblichen Logistik noch an digitalen Prozessen.
(Bild: shutterstock.com)

In vielen Betrieben geht es logistisch sehr ineffizient zu. Damit das Material für die Produktion immer im Fluss bleibt, müssen bei der Steuerung und Organisation innerbetrieblicher Transporte und Prozesse viele Bedingungen wie insbesondere Auftragsprioritäten oder Ladekapazitäten gleichzeitig berücksichtigt werden. Die Planung und Steuerung dieser Prozesse wird häufig noch mit Hilfe von Excel, dem Telefonhörer oder einfachen Add-Ons von Lagerverwaltungssystemen, mit denen lediglich Transporte an die Fahrer kommuniziert werden, umgesetzt. Folglich sind die logistischen Prozesse sehr ineffizient organisiert, es herrscht viel Hektik und Stress und im schlimmsten Fall kommt Material zu spät in die Produktion.

Höchste Zeit für eine Intralogistik 4.0

Diese veralteten Werkzeuge in der Intralogistik sind das Überbleibsel jahrelanger Routine. Sie sollten mit dem erhöhten Kosten- und Wettbewerbsdruck aber abgelöst werden. Die Digitalisierung ist schon lange nicht mehr nur „Trend“, sondern eine notwendige Handlungsstrategie - auch wenn sie in der Realität in vielen Unternehmen noch immer nicht angekommen ist.

Wichtig bei der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie ist immer, dass die individuellen Unternehmensanforderungen berücksichtigt werden. Diese belaufen sich nicht nur auf Managemententscheidungen und variierende Produktionsabläufe, sondern auch auf das Tempo, in welchem sich ein Unternehmen der Digitalisierung nähern will und kann.

Offenheit für Innovation - eine Voraussetzung für den Mittelstand

Nichtsdestotrotz gibt es bereits Bewegung in der Intralogistik. Ob in Form von neuen, intelligenten fahrerlosen Transportleitsystemen oder Drohnen – neue Technologien zur Effizienzsteigerung sind in der Testphase oder bewähren sich bereits im operativen Einsatz. Beispielsweise testet der Automobilhersteller Audi Drohnen für die Intralogistik, da der Luftweg für Eil-Transporte hier eine schnellere Alternative bietet. Der Online-Gigant Amazon setzt als Digitalisierungspionier heute weltweit bereits etwa 80.000 Lager-Roboter ein. Die Wertschätzung digitaler Prozesse und derer Vorteile nimmt zu und fördert damit auch vermehrt den Einzug in die Fabriken und Lager.

Der Fortschritt in der Intralogistik ist jedoch branchenabhängig. Während sich beispielsweise die Automobilindustrie als digitaler Vorreiter an neuen Technologien meist früh ausprobiert und Projekte umsetzt, zögern viele mittelständische Unternehmen. Dabei lassen sich die notwendigen Aufwände und Risiken durch agile Arbeitsmethoden deutlich reduzieren. Nach nur wenigen wochenlangen Sprints können die Ergebnisse der Tests überprüft und die Ziele und nächsten Schritte immer wieder neu ausgerichtet werden. Sollte sich eine Technologie, ein Projekt oder eine bestimmte Arbeitsweise als ineffizient herausstellen, wird sie einfach eingestellt, ohne viel Budget aufgefressen zu haben. Mittelständische Unternehmen haben dabei gegenüber großen Konzerne oft sogar Vorteile, da sie meist keine schwergewichtigen IT-Policies und vertraglichen Regelwerke haben.

Durch den Einsatz von Cloud-Technologie können Software-Projekte enorm beschleunigt und gleichzeitig Kosten eingespart werden. Dabei können oft ohne aufwändige eigene IT-Maßnahmen bereits erste Effekte erzielt werden. In der Intralogistik sind es häufig Cloud-basierte Transportleitsysteme oder LKW-Steuerungssysteme, aber auch Behältermanagementsysteme, die eingesetzt werden und sich bereits bewährt haben.

Wenn sich Unternehmen für solche Lösungen entscheiden, ist es gerade bei der Integration der Mitarbeiter wichtig, in einen offenen Dialog zu treten. Meiner Erfahrung nach sind Argumente, wie „das haben wir doch schon immer so gemacht“ tatsächlich noch nicht ausgeräumt und diese Einstellungen gilt es ernst zu nehmen. Dafür sollten allen Beteiligten die Vorteile und Notwendigkeit der Digitalisierung nahegebracht werden.

Denn letztendlich sorgt die Digitalisierung der innerbetrieblichen Logistikprozesse für eine Erleichterung in der täglichen Arbeit in den Werken und bringt viele Vorteile hinsichtlich Effizienz und Kosten.

Intralogistik-Trends 2018

In 2018 zeichnen sich für die Intralogistik folgende Trends ab:

  • Cloud-Software: Die Akzeptanz, Software als Service zu beziehen und Daten in der Cloud zu speichern, nimmt zu. Häufige Gründe dafür sind reduzierte Kosten und Aufwände, Schnelligkeit bei der Einführung, aber auch höhere Ausfall- und Datensicherheit. Cloud-Software wird somit zu einer wichtigen Säule im Bereich Intralogistik 4.0.
  • Fahrerlose Transportleitsysteme (FTS) und Transportroboter: Der Einsatz intelligenter Transportroboter wird zunächst in den Massenmarkt-ähnlichen Anwendungen, wie Distributionszentren im E-Commerce weiter voranschreiten. Erst nach und nach werden individuellere Transporte von Robotern entsprechend kosteneffizient erledigt. Die Herausforderung dabei ist, eine möglichst offene Infrastruktur zu schaffen, so dass die Transportroboter von unterschiedlichen Herstellern übergreifend und möglichst effizient zum Beispiel über ein Transportleitsystem gesteuert werden können. An dieser Stelle ist noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.
  • Artificial Intelligence: Auch in der Intralogistik fallen gigantische Datenmengen an. Diese können mit Hilfe Künstlicher Intelligenz unter anderem zur Optimierung von Transporten (prescriptive analytics), zur Vorhersage von Ausfällen (predictive maintenance), zur Bilderkennung im Rahmen der Steuerung von fahrerlosen Transportsystemen sowie der vollautomatischen Erkennung von Barcodes eingesetzt werden.
  • Internet der Dinge und Blockchain-Technologie: Analog zum Smart Home wird die smarte Fabrik zunehmend alle Komponenten miteinander vernetzen. Dabei beauftragt dann beispielsweise ein intelligenter Behälter seinen Transport im Transportleitsystem automatisch. Dieses organisiert wiederrum automatisch den bestgeeigneten Stapler oder FTS für den Transport. Um die verschiedenen Komponenten in Zukunft effizient miteinander zu vernetzen, werden standardisierte Schnittstellen benötigt. Diese könnten durch Blockchains gesichert sein, die nicht nur sicher Informationen austauschen können, sondern auch Smart Contracts wie beispielsweise die Abrechnung eines Transports vollautomatisch ablaufen lassen können.

Fazit

Die Intralogistik ist auf einem guten Weg, sich von alten Routinen zu lösen und sich als Teil der Industrie 4.0 weiter zu modernisieren. Deutliche Trends für 2018 sehe ich in Technologien wie Künstlicher Intelligenz, dem Internet der Dinge sowie dem Einsatz fahrerloser Transportroboter. Diese bieten ganz neue Möglichkeiten für die Digitalisierung der Intralogistikprozesse auch in mittelständischen Betrieben und helfen, die Effizienz in diesem Unternehmensbereich weiter zu steigern. Ich bin gespannt, was sich darüber hinaus im Jahr 2018 im Bereich Intralogistik 4.0 verändern wird und welche Technologien sich in der innerbetrieblichen Logistik bewähren werden.

Wie sehen Sie die Zukunft der Intralogistik? Welche Technologien werden sich Ihrer Meinung nach im nächsten Jahr etablieren?

Über den Autor

 Matthias Berlit

Matthias Berlit

Bereichsleiter Industrielogistik / Healthcare Management bei der INFORM GmbH