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Arbeitswelt Digitalisierung der Logistik: Was das für Fachkräfte bedeutet

Redakteur: Katharina Juschkat

Viele Fachkräfte in der Logistik haben Angst vor einem Stellenabbau aufgrund der Digitalisierung. Wie genau verändert die Digitalisierung die Logistikbranche? Zwei Experten geben Antwort.

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Logistikjobs werden zunehmend digital - mit welchen Auswirkungen für die Fachkräfte?
Logistikjobs werden zunehmend digital - mit welchen Auswirkungen für die Fachkräfte?
(Bild: TÜV Nord/Henning Scheffen.)

Vieles in der Logistik bietet sich an zu digitalisieren - mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Augmented Reality schneller kommissionieren oder vernetzte Logistik-4.0-Infrastrukturen für mehr Effizienz. Das schürt Angst unter Mitarbeitern der Logistikbranche: Ein Viertel der befragten Fachkräfte fürchten, den Arbeitsplatz zu verlieren - deutlich mehr als in anderen Branchen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Jobportals Meinestadt.de.

Noch ist die Digitalisierung am Anfang

Der Realitätscheck zeigt aber auch: Viele Logistikunternehmen stehen hier noch am Anfang. „Es gibt zwar Bemühungen im Bereich datengestütztes Arbeiten mit KI und Big Data, aber die Erfolge sind bisher überschaubar“, erläutert Andreas Rükgauer, Professor für Produktion und Industriebetriebslehre an der FHWS Würzburg.

Christian Kille, Professor für Handelslogistik und Operations Management an der FHWS Würzburg, führt an: „Auch die Fälle, in denen Datenbrillen bei der Kommissionierung zum Einsatz kommen, lassen sich an einer Hand abzählen.“ Heutige Modelle verursachen schnell Schwindel bei den Anwendern. Die Technik ist noch nicht ausgereift.

Wie die Digitalisierung die Logistik verändert

Dennoch: Die Digitalisierung wird sich auch in der Logistik durchsetzen - aber mit welchem Effekt für die Fachkräfte? Die Professoren zeichnen folgendes Bild:

  • Die Digitalisierung in der Logistik wird nicht in großen Sprüngen ablaufen, sondern evolutionär.
  • Viele Tätigkeiten in der Logistik lassen sich nur schwer automatisieren. Andreas Rükgauer nennt als Beispiel die Kontraktlogistik: Hier sind viele Hundert Mitarbeitende beschäftigt, die Teile für Automobilzulieferer vormontieren. Die Abläufe sind zwar oft einfach, aber unterscheiden sich stark. Damit lassen sich die Tätigkeiten schlecht von Maschinen erledigen.
  • Automatisieren lassen sich vor allem Abläufe, bei denen große Mengen in immer der gleichen Art behandelt werden. Das kommt nicht allzu oft vor und wird deshalb nicht massenhaft Arbeitsplätze bedrohen.
  • Auch einfache Arbeitsabläufe zu automatisieren lohnt sich erst, wenn es Kosten spart - dass es theoretisch möglich ist, heißt noch nicht, dass es umgesetzt wird.

Wie sich die Arbeitswelt für Logistikfachkräfte verändert

In Zukunft muss nicht jeder programmieren können, aber Rükgauer betont: „Logistikfachkräfte aller Bereiche müssen künftig in der Lage sein, mit computergestützten Systemen zu arbeiten.“ Rükgauer und Kille gehen nicht davon aus, dass massenweise Jobs in der Logistik verloren gehen. Vielmehr werden sich die Berufe verändern.

Die Logistik profitiert eher von der Digitalisierung. Unternehmer hoffen nicht, Mitarbeiter zu reduzieren, sondern, die Leistung zu erhöhen.

Christian Kille

Wie in vielen anderen Branchen auch wird es immer wichtiger, mit Maschinen zusammen zu arbeiten. Das verändert auch die Arbeit der Beschäftigten. Rükgauer rät Betrieben, ihre Mitarbeiter früh auf andere Arbeitsweisen vorzubereiten. Nur so können auch ungelernte Kräfte mithalten. Fachkräfte sollten sich weiterbilden und ihre Fähigkeiten, mit Maschinen zu arbeiten, ausbauen.

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