Fachkräftemangel

Gewinner und Verlierer in der Logistik

| Autor: Sebastian Hofmann

Als Director Supply Chain Management kann man bis zu 300.000 Euro pro Jahr machen.
Als Director Supply Chain Management kann man bis zu 300.000 Euro pro Jahr machen. (Bild: ©industrieblick - stock.adobe.com)

Wenn über das Image der Logistikbranche geredet wird, geht es fast immer um Niedriglöhne und physisch belastende Arbeiten. Ein Blick auf unterschiedliche Logistikjobs zeigt: Diese Vorurteile treffen zwar bei Weitem nicht auf alle Berufe zu, zielen in vielen Fällen jedoch mitten ins Schwarze.

Kaum eine Branche leidet so sehr unter ihrem Image wie die Logistik. Nicht selten schlagen vermeintlich unterirdische Löhne, zu hohe Aufgabenbelastungen und die Perspektive auf körperlich sehr anstrengende Arbeiten potenzielle Nachwuchskräfte in die Flucht. Aber sind diese Vorurteile wirklich gerechtfertigt? Eine Gegenüberstellung verschiedener Jobs zeigt, welche Berufsbilder für den schlechten Ruf der Logistik verantwortlich sind und wie tief der Graben zwischen attraktiven und abschreckenden Stellen tatsächlich ist.

Das Ergebnis: Es gibt wenige lukrative Stellen für Hochqualifizierte und viele unattraktive Stellen für Geringqualifizierte. Bewerber ohne Hochschulabschluss erwarten oft nur schlecht bezahlte und physisch belastende Jobs – etwa „Fachkraft für Lagerlogistik“, „Berufskraftfahrer“ oder „Fachkraft für KEP-Dienstleistungen“. Interessenten mit Bachelor und Master blicken hingegen auf attraktive Karrieren als Supply Chain Manager oder Strategischer Einkäufer.

Berufskraftfahrer

  • Mittleres Gehalt: 28.000 Euro pro Jahr
  • Stellenprofil: Die Entgegennahme von Aufträgen, die Beförderung von Waren zum Bestimmungsort und die Ablieferung am Ziel – das sind die Kernaufgaben von Berufskraftfahrern. Nicht selten legen sie pro Auftrag Strecken von mehreren Tausend Kilometern zurück. Oft kommt es dabei zu hohen Arbeitsbelastungen – die höchstzulässige Lenkzeit pro Woche beträgt immerhin 56 Stunden. Körperlich ist der Job deshalb sehr anspruchsvoll. Er verlangt viel Flexibilität und die Bereitschaft, längere Zeit von Zuhause abwesend zu sein.
  • Qualifikation: Es gibt eine dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Diese ist jedoch ausdrücklich kein Must-have. Prinzipiell genügt ein Führerschein für Lkw (Klassen C, CE, C1, C1E), um im gewerblichen Bereich zu fahren. Außerdem muss eine sogenannte „Berufskraftfahrer-Qualifikation“ bei der IHK absolviert werden.

Fachkraft für KEP-Dienstleistungen

  • Mittleres Gehalt: 31.500 Euro pro Jahr
  • Stellenprofil: Zu den täglichen Pflichten eines KEP-Dienstleisters gehören die Planung von Zustellrouten sowie die anschließende Zustellung von Paketen und Briefen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Transporter. Vor Ort übernimmt er außerdem die Feinsortierung von Lieferungen und leert Briefkästen. In vielen Fällen haben Fachkräfte für KEP-Dienstleistungen mit sehr hohen körperlichen Belastungen und mit vielen Überstunden zu kämpfen.
  • Qualifikation: Um sich über einen Zeitraum von zwei Jahren zur Fachkraft für KEP-Dienstleistungen ausbilden zu lassen, braucht man lediglich einen Hauptschulabschluss. Die besten Chancen auf eine Anstellung haben kontaktfreudige Bewerber, die über eine hohe Stressresistenz verfügen und der körperlichen Belastung gewachsen sind.
Was tun gegen den Fachkräftemangel in der Logistik?

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02.11.17 - Die Logistik hat schwer mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Wie er entsteht, welche Auswirkungen er hat und was man gegen ihn tun kann, erfahren Sie hier! lesen

Fachkraft für Lagerlogistik

  • Mittleres Gehalt: 32.000 Euro pro Jahr
  • Stellenprofil: Hauptsächlich kümmern sich Fachkräfte für Lagerlogistik um die Annahme, Kontrolle und Lagerung von Waren. Ebenso sind sie in vielen Unternehmen für Kommissionierung, Verpackung und Warenverladung zuständig. Obwohl ein Großteil der Güter mithilfe von Flurförderzeugen transportiert wird, bleibt der Beruf körperlich belastend.
  • Qualifikation: Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik dauert drei Jahre. Gute Lagerlogistiker zeichnen sich durch körperliche Fitness und Selbstständigkeit aus. Für fast alle Stellen brauchen sie außerdem einen Staplerführerschein.

Wie sieht der Arbeitsalltag einer Fachkraft für lagerlogistik aus? Der Bayerische Rundfunk zeigt es in diesem interessanten Video!

Strategischer Einkauf

  • Gehalt: 50.000 bis 80.000 Euro, als Teamleiter 70.000 bis 150.000 Euro
  • Stellenprofil: Der strategische Einkauf ermittelt den Warenbedarf eines Unternehmens und kümmert sich um den Nachkauf von Rohstoffen, Bauteilen und Waren. Dazu vergleicht er verschiedene Angebote, verhandelt mit potenziellen Lieferanten und kümmert sich um die Auftragsabwicklung. Auch die Erstellung von Einkaufsportfolios und die Optimierung von Beschaffungsprozessen zählen zu seinen Aufgaben.
  • Qualifikation: Unternehmen präferieren Bewerber, die über ein kaufmännisches oder technisches Studium verfügen, zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften. Interessenten sollten sich auszeichnen durch Verhandlungsgeschick, eine kommunikative Persönlichkeit und eine Affinität zur Arbeit mit Zahlen.

Supply Chain Manager

  • Gehalt: 40.000 bis 60.000 Euro, als Director bis zu 300.000 Euro
  • Stellenprofil: Die Kernaufgabe eines Supply Chain Managers ist die Aufrechterhaltung der Lieferketten von Unternehmen. Er lenkt alle Prozesse von der Rohstoffgewinnung bis zum Versand und sammelt dabei Daten, die er zur Prozessoptimierung nutzt. Das Ziel: Liefervorgänge beschleunigen, Kosten senken und Lieferantenbeziehungen stärken.
  • Qualifikation: Bevorzugt stellen Betriebe studierte Wirtschaftsingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler als Supply Chain Manager ein. Den Anwärtern sollte es leichtfallen, analytisch zu denken und trotz eines Blicks fürs Detail die ganzheitliche Betrachtung nicht aus den Augen zu verlieren.

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