Langguthandling Lager- und Fördertechnik werden für den Kunden maßgeschneidert

Autor / Redakteur: Gerd Knehr / Volker Unruh

Mit der Forderung nach immer schnelleren und flexibleren Abläufen, sowohl bei stahlverarbeitenden Unternehmen als auch in der Flugzeugindustrie, werden vor allem die fördertechnischen Systeme konfrontiert. Der Markt orientiert sich dabei immer stärker am konkreten Kundenbedarf und fordert zunehmend maßgeschneiderte Lösungen. Darüber hinaus sind verstärkt flexible, ausbaufähige Systeme gefragt.

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Stahlhändler und Flugzeughersteller haben eines gemeinsam: Grundsätzlich entsprechen sich beider Lagerbewegungen. Lediglich das Gewicht des Lagerguts unterscheidet sich. In der Flugzeugindustrie sind die einzulagernden Lasten allgemein niedriger als das tonnenschwere Lagermaterial des Stahlhändlers. Dafür sind aber die Volumina oftmals deutlich größer. Aufgrund unterschiedlicher Materialausführung wie Querschnitt, Verpackung und Länge wird das Langgut normalerweise in Lagerhilfsmitteln, den Lagerkassetten, gelagert.

Armin Stolzer, Geschäftsführer vom Experten für Langgutlager Kasto, unterstreicht: „Die Verfahrgeschwindigkeiten können dabei ähnlich eingerichtet werden, denn sie sind von den konkreten Spielzeitanforderungen in Relation zur Anlagengröße abhängig. An den Stationen bedarf es hierbei aufgrund der gro-ßen Kassetten eines guten Zugangs, da die unterschiedlichen, sperrigen und unförmigen Bauteile vorwiegend individuell aus den Kassetten entnommen werden – entweder direkt per Hand oder mit den entsprechenden Handhabungseinrichtungen wie beispielsweise Kranen.“

Gefordert sind automatische Lager- und Sägezentren

Matthias Remmert, Geschäftsführer des Lagersystemlieferanten Remmert, fügt an: „Gerade die gefragten, aber oft sehr zeitintensiven Sägezuschnitte erfordern im Stahlhandel heute eine ebenso flexible wie reibungslose Verzahnung von Lagerlogistik und Bearbeitung. Dies wird immer wichtiger, da vor allem Klein- und Kleinstserien vermehrt in Auftrag gegeben werden. Auch der Service rund um den Zuschnitt spielt eine immer wichtigere Rolle: Stahlhändler müssen, angefangen bei Disposition, Beschaffung und Lagerung über Zuschnitt und Anarbeitung bis hin zur Just-in-time-Lieferung, Komplettpakete liefern. Dies erfordert automatische Lager- und Sägezentren, die mannlose Prozesse gewährleisten und zudem komplexe Datenübermittlungskonzepte einbinden.“

Bei hoher Ein- und Auslagerfrequenz hat sich für längliche und große sperrige Güter die Wabenregallager-Technik durchgesetzt. Auf engem Raum lässt sich mit einem Regalbediengerät eine große Zahl von Fächern schnell anfahren und steuern.

Armin Stolzer unterstreicht: „Mit der Gleitkufen-Technik ist sowohl für leichtes Material, etwa Aluminiumteile bei Flugzeugherstellern, als auch für schweres Material eine sehr einfache Bewegung der Kassetten möglich. Dabei werden je nach Aufgabenstellung Verfahrgeschwindigkeiten bis 240 oder 300 m/min erreicht. Im Hub können bis zu 60 m/min und beim Ziehen der Kassetten bis zu 80 m/min gefahren werden. Bei Langgut-Kassetten werden zudem durch die Anwendung unseres Kasto-Wanderkassetten-Prinzips die Verfahrbewegungen optimiert, wodurch sich ohne eine zusätzliche Geschwindigkeitserhöhung die Durchsatzleistung um etwa 20% erhöht.“

Baukastenlösungen für lange und sperrige Güter

Je nach Anforderung kommen unterschiedliche Stationstypen zum Einsatz, die bis hin zur Automaten-Kommissionierung von Stahlmaterialien gehen können. Mit Baukastenlösungen entwickelt Kasto Anlagen für Lang- und Flachgut oder sperrige Güter. Zum Leistungsspektrum gehören dabei auch individuelle Stationsanpassungen bis hin zur vollautomatischen Kommissionierung mit Ausstempeln, Wiegen, Vereinzeln, Zählen, Umreifen oder Etikettieren.

Die technischen und wirtschaftlichen Vorteile hochentwickelter automatischer Krane nutzt heute nicht nur die Stahlindustrie, sondern vermehrt auch der Handel, der zunehmend mit Just-in-time-Konzepten auf die veränderten Anforderungen reagiert. Der Kran bietet als klassischer Vertreter flurfreier Fördermittel den systembedingten Nutzen, keinen wertvollen Bodenraum für reine Transportfunktionen zu „verschenken“; ein Vorteil, der sich – verglichen mit flurgebundenen Systemen – bei großen und sperrigen Gütern noch verstärkt.

In Verbindung mit den entsprechenden Lastaufnahmemitteln sind Krane flexible, leistungsfähige Werkzeuge, die dreidimensionale Bewegungen ausführen und praktisch jeden Punkt innerhalb eines Raumes ansteuern können. Lutz Dowy, Leiter Business Unit Krane bei Demag Cranes & Components, betont: „Sowohl hohe Geschwindigkeiten in Kranfahrt, Katzfahrt und bei Hubvorgängen als auch Lastberuhigung in Kran- und Katzfahrrichtung und Beschleunigung bei Leerfahrten sind unsere Leistungsmerkmale. Unsere frequenzgeregelten Antriebe ermöglichen eine lastabhängige Geschwindigkeitsregelung bei Materialien mit einer Länge von 2 bis 18 m und einem Gewicht von 4 bis 20 t. Dabei ist ein optionaler Einsatz von Kranwaagen zur Kommissionierung jederzeit möglich.“

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Im Handling von Edelstahl und Aluminium werden zur materialschonenden Stapelung auch Lagerkassetten eingesetzt. Die Lagertechnik von Bito erhöht hierbei als flexibles Blocklager die Lagerkapazität. Jan Sperling, der verantwortliche Bereichsleiter für den Vertrieb der Bito-Schwerlastregale: „Wenn Lagergut wie Stangen und Rohre in Kassetten gelagert wird, ist kein zeitraubendes Umlagern erforderlich. Durch die geschlossene Wannenausführung, in Längen bis 6000 mm lieferbar, ist die Lagerung von Rohren und Stäben auch in kurzen Abschnitten möglich. Innen sind die Wände absolut glatt und somit für die Lagerung von polierten Rohren gut geeignet. Ferner verhindert die Wanne, die durch stirnseitige Einhängetüren zu einem geschlossenen Behälter erweitert werden kann, ein Herausfallen von Stababschnitten.“ Weitere Optionen sind herausnehmbare Fachteiler und Deckel. Durch die angeschweißten Gabelschuhe ist ein sicherer Transport mit Staplern oder passenden Fahrgestellen möglich.

„Unsere besondere Lösung liegt in verfahrbaren Kragarmregalen, die mit Frontstapler, Schubmaststapler oder Seiten- und Vierwegestapler bedient werden können. Gerade bei Langgutlagerung sind je nach Lagergut und eingesetzten Staplern große Gangbreiten notwendig. Durch den Einsatz von Verfahrregalen ist systemspezifisch nur noch ein Bediengang erforderlich, was eine enorme Lagerkapazitätserhöhung und effektive Nutzung des Lagerraums ermöglicht“, bekundet Sperling.

Spezielle Transportfahrzeuge für enge Platzverhältnisse

Der neue Hubtex VQ ist ein Elektro-Mehrwegeseitenstapler mit Vakuumvorrichtung zum Handling von einzelnen Glasscheiben. Dieses spezielle Transportfahrzeug kann mit seiner Vakuumvorrichtung verschiedene Materialien in der richtigen Reihenfolge für eine Produktionsreihe aufnehmen sowie verschiedene Produkte für Kundenaufträge kommissionieren.

Für die Bedienung des Staplers wird nur eine Person benötigt, wobei diese eine komplette Kommission zusammenstellen kann, ohne das Produkt selbst berühren zu müssen. Mit dem Hubtex VQ lassen sich einzelne Platten aus dem Regal-fach saugen und auf den Gabelzinken des Staplers bis zur Fertigstellung der Kommission ablegen. Die fertige Kundenkommission kann dann direkt mit dem Stapler auf einem LKW verladen werden.

Hubtex stimmt seine Flurförderzeuge genau auf die Gegebenheiten des Betriebs ab. So kann zusätzliche Lagerkapazität auf der gleichen Lagerfläche geschaffen werden. Die Modellreihe EGPL von Genkinger Hubtex zeichnet sich durch ihre kompakte Bauweise aus. Sie wurde hauptsächlich für kleine Betriebe mit kurzen Wegstrecken entwickelt, die lange Lasten in schmalen Gängen bewegen.

Die Anschaffungskosten für den neuen, deichselgeführten 4-Wege-Langgutstapler mit einer Tragfähigkeit bis zu 3500 kg und verfügbaren Hubhöhen bis zu 6000 mm liegen deutlich unter denen eines typischen Mehrwege-Seitenstaplers. Zudem, so der Hersteller, gewährleiste dieser Stapler sicheres Handling, da der Fahrer viel bewusster die Umgebung wahrnehmen, zu jeder Zeit in alle Richtungen sehen und zudem im Gehbereich arbeiten könne.

Beim Multi-Lifter von Dambach wird jeder Senk- und Bremsvorgang zur Energierückgewinnung genutzt. Das Ergebnis sind längere Betriebszeiten ohne Nachladung, kleinere Batterien und höhere Wirtschaftlichkeit. Lothar Junkes, Vetriebsleiter Flurförderzeuge bei Dambach, ergänzt: „Der Arbeitsplatz des Multi-Lifters ist komplett neu gestaltet – mit viel Platz und Bewegungsfreiheit. Makrolonscheiben bieten eine gute Sicht nach allen Seiten und Sicherheit für den Fahrer. Die schwingungsgedämpfte Kabine und der mehrfach verstellbare Komfortsitz sorgen für ermüdungsfreies Arbeiten.“

Anstehende Herausforderungen im Langgut-Handling

Die Lösungen für das Handling von Langgut unterscheiden sich zum Teil sehr stark nach Branchen, Betrieben, Materialien, Mengen und Längen. Normalerweise sollte der Kunde immer mit dem Lagerexperten eine spezielle Lösung entwickeln.

Derzeit ist ein klarer Trend zu immer größeren Regalanlagen mit immer höherer Lagerkapazität zu beobachten, um dem gesteigerten Produktionsvolumen oder den längeren Beschaffungszyklen und den damit verbundenen Bevorratungsnotwendigkeiten zu entsprechen. In Verbindung mit diesem Trend rechnet sich auch eher die weitergehende Automatisierung im Stationsbereich. Zudem wird verstärkt eine vollständige Integration in den Logistikablauf gefordert und vielfach auch schon umgesetzt, um die einzelnen Geschäftsprozesse bis zur kundenindividuellen Verpackung und tourenbezogenen Bereitstellung effektiv realisieren zu können.

Dipl.-Phys. Gerd Knehr ist freier Fachjournalist in 72760 Reutlingen, Telefon/Fax (0 71 21) 6 11 11, gerdknehr@aol.com.

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