Supply-Chain-Management

Logistiker agieren als IT-Schnittstelle

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Viele Unternehmen nicht nur auf Seiten der Zulieferer haben Nachholbedarf bei der IT-gestützten Verwaltung von Supply Chains. Zulieferseitig greifen etliche Unternehmen noch auf manuelle oder halbautomatische Systeme zurück. Entsprechend groß ist das Potenzial, mit weniger fehleranfälligen Verfahren Kosten- und Zeitersparnisse zu realisieren.

Durchgängige Standardsoftware für das Supply-Chain-Management selten etabliert

Doch auch die Automobilindustrie ist von einer durchgängigen Umstellung auf SCM-Standardsoftware noch deutlich entfernt. Etliche Prozesse werden noch von Systemen bedient, die vor vielen Jahren programmiert wurden. Daraus resultieren Probleme wie Medienbrüche in der Lieferkette und ein hoher Wartungs- und Anpassungsaufwand der Eigenentwicklungen.

Bildergalerie

An dieser Stelle bietet sich Logistikdienstleistern die Chance, die notwendige Transparenz in der Supply Chain herzustellen und dadurch die Reaktions- und Steuerfähigkeit auf ein neues Niveau zu heben. Um dies leisten zu können, muss der Logistiker in der Lage sein, eine variable Zahl von Beziehungen zu Vorlieferanten, Zulieferern sowie dem Automobilhersteller innerhalb der Supply Chain in einem IT-System abzubilden und zu steuern.

JIS-Leitstand operationales Zentrum der Automotive-Logistik

Als Basis kann ein computergestützter Just-in-Sequence-(JIS-)Kalender dienen. CIAS Automotive Service, ein Unternehmen der CI-Gruppe, nutzt dazu das System Opheo. Darin werden die Produktionsplanung des Automobilherstellers mit Montageschichten, mit der Ablaufdauer für einzelne Montagesequenzen und mit den Urlaubsplänen im Detail eingegeben und gepflegt. Im System wird auch erfasst, wie die Baugruppen zusammengesetzt sind und welche Lieferanten welche Einzelteile liefern.

Der JIS-Leitstand dient also als operationales Zentrum der Automotive-Logistik. Mit seiner Hilfe werden aufgrund eines Lieferabrufs des Automobilherstellers Aufträge an die Lieferanten generiert, die zu liefernden Komponenten sequenziert und eingetaktet.

Dazu ein Beispiel aus der CIAS-Praxis: Etwa sieben bis zehn Tage vor Beginn der Montage einer bestimmten Baugruppe erhalten CIAS und der Zulieferer vom Automobilhersteller den Anlieferauftrag für Kabelbäume und Bodenverkleidungen. Die fertigen Produkte werden in Spezialladungsträger gelegt oder in Gestelle eingehängt. Bei der Produktion hat jedes Teil eine Kennung erhalten, die nun an CIAS übermittelt wird. Einige Tage vor dem Einbautermin beim Automobilhersteller holt CIAS die Kabelbäume und die Bodenverkleidungen zur Einlagerung ab. Wenige Tage vor dem Einbau der Kabelbäume und Bodenbeläge übermittelt der Automobilhersteller eine präzise Montage- und Einbaureihenfolge. Daraufhin werden die Produkte in einer festgelegten Reihenfolge vorgelagert. 24 Stunden vor Einbau ermöglicht eine Übersicht der Fertigungsplanung einen erneuten Abgleich der Lagerdaten mit den Anforderungen des Herstellers. Zeitlich auf die Entfernung zwischen dem Lager von CIAS und dem Werk des Herstellers abgestimmt, sendet das Fertigungssystem des Herstellers dem Logistikdienstleister den entscheidenden Impuls, der den Auslieferungsantrag für die benötigten Bauteile auslöst. Die Auslieferung beginnt.

Schnellerer Datendurchlauf steigert die Planungsqualität

Im Werk des Herstellers werden die Kabelsätze für Motor-, Cockpit- und Innenraum getrennt. Die Ladungsträger mit den Cockpitsätzen werden entnommen und in genauer Reihenfolge in spezielle Fachgestelle gelegt, ebenso gelangen die Behälter mit den Motor- und Innenraum-Kabelsätzen in festgelegter Reihenfolge in Behältergestelle. Zum richtigen Zeitpunkt kommen die Behälter in der richtigen Reihenfolge an die Bänder.

An dem Beispiel wird deutlich: Durch standardisierte Schnittstellen und Dateninhalte können alle Beteiligten einer Lieferkette einen höheren Nutzen aus den Informationen der Partner – etwa über Pufferbestände – ziehen. Dank der kürzeren Durchlaufzeiten der Informationen durch die Supply Chain steigt die Qualität der Planung, der Abstimmung und der Prozessabläufe. Wird die Produktion von Baureihen relativ kurzfristig hochgefahren, hat der Zulieferer keine Schwierigkeiten, die Produkte taktgenau nach dem Just-in-Sequence-Prinzip anzuliefern.

* Ralf Bartsch ist Vorsitzender der Geschäftsführung der CI-Unternehmensgruppe in 46499 Hamminkeln

(ID:38950030)