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Expertenbeitrag

 Gabriel Sieglerschmidt

Gabriel Sieglerschmidt

COO bei der digitalen Spedition Frachtraum.com, New Echo GmbH (Frachtraum)

Logistik 4.0 Papierlose Abwicklung von Transportaufträgen mit digitalen Frachtbriefen

| Autor / Redakteur: Gabriel Sieglerschmidt / Jonas Scherf

Die digitale Abwicklung von Transportaufträgen ist bereits seit einiger Zeit möglich, und doch ist die papierlose Disponierung bei Weitem nicht so verbreitet wie sie sein sollte. Gründe dafür sind die rechtlichen Hindernisse vor denen der digitale Frachtbrief sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland steht.

Mit dem digitalen Frachtbrief heißt es: Papier adé!
Mit dem digitalen Frachtbrief heißt es: Papier adé!
(Bild: gratisography )

Der digitale Frachtbrief steht sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland noch immer vor rechtlichen Hindernissen. Technisch ist dagegen seine Umsetzbarkeit längst gegeben. Würde der Güterverkehr in Deutschland komplett auf diese elektronische Form umstellen, ließen sich jährlich dreistellige Millionenbeträge einsparen. Nicht zuletzt würde sich auch die Umwelt über Papiereinsparungen freuen. Trotz all dieser Vorteile lässt die flächendeckende Einführung des e-CMR in Deutschland und Europa noch immer auf sich warten.

Die Idee des Frachtbriefs

In Deutschland wird durch das Handelsgesetzbuch geregelt, welche Angaben der Frachtführer beim Ausstellen des Frachtbriefes einfordern kann. Im internationalen Straßengüterverkehr wird ein CMR-Frachtbrief benötigt. CMR ist die Abkürzung für das französische “Convention relative au contrat de transport international de marchandises par route”, übersetzt: "Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr."

Die Idee des Frachtbriefs ist es, den Transport von Gütern einfach, zugleich aber auch überprüfbar und rechtssicher zu machen. Rechtssicherheit schaffen die Frachtbriefe zwar, mit der Vereinfachung der Abläufe indes hapert es – zumindest bei den analogen CMR. Üblicherweise müssen Frachtbriefe mit vier Durchschlägen erstellt werden. Ein Exemplar bleibt beim Absender, eines wird dem Frachtgut beigelegt. Den dritten Durchschlag erhält der Frachtführer, der vierte ist für den Zoll oder eine andere Behörde.

Vorteile des digitalen Frachtbriefs

Nicht nur das Erstellen dieser analogen Dokumente, auch ihre Verteilung sowie Archivierung kosten viel Zeit und Personal. Schätzungen zufolge werden pro Frachtbrief 4 Euro eingespart, wenn statt der analogen Papier-Dokumente digitale CMR treten. Bei geschätzten 150 Millionen auszustellenden Frachtbriefen im Jahr läge das Einsparpotenzial allein in Deutschland bei 600 Millionen Euro.

Die flächendeckende Einführung eines elektronischen Frachtbriefs schafft zudem Schnittstellen zu anderen digitalen Systemen, sodass sich der Frachtbrief gewissermaßen in beliebige Richtungen erweitern lässt. In seiner elektronischen Variante ist dieser kein isoliertes Dokument mehr, sondern Teil der digitalen Dokumentation eines Gütertransportes.  Er bietet auch die Möglichkeit, Schäden am Frachtgut in Echtzeit zu dokumentieren. Bei Unfällen oder Verspätungen kann so rascher Ersatz für die benötigten Lieferungen gesorgt werden.

Die zögerliche Einführung des digitalen Frachtbriefs hat Gründe

Trotz der unübersehbaren Vorteile läuft die flächendeckende Einführung des E-Frachtbriefs bislang nur sehr zaghaft an, da die Einführung des e-CMR anfänglich mit Investitionen in Technik verbunden ist und aufgrund fehlender Standards bislang oft nur schwer zu entscheiden ist, in welche Technik investiert werden soll.

Die bislang zögerliche bis mangelnde Akzeptanz des e-CMR hängt aber auch an der nach wie vor ungeklärten Rechtslage. Im § 408 HGB findet sich zwar bereits seit 2013 der Hinweis (in Abs. 3), dass "dem Frachtbrief eine elektronische Aufzeichnung gleichgestellt" sei.

"Einzelheiten der Ausstellung, des Mitführens und der Vorlage eines elektronischen Frachtbriefs sowie des Verfahrens einer nachträglichen Eintragung in einen elektronischen Frachtbrief” sind laut HGB jedoch in einer Rechtsverordnung zu regeln. Diese gibt es bislang aber noch nicht. Der deutsche Gesetzgeber träumt also vom digitalen Frachtbrief, verweigert aber die Auskunft darüber, wie dies in der Realität umzusetzen ist.

Zu den rechtlichen Hürden gesellen sich technische Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit der E-Frachtbrief sich auch in der Praxis bewährt. Ein einfaches PDF reicht dafür nicht aus. Der e-CMR muss elektronisch bearbeitet werden können, sowohl für Auftraggeber, Empfänger, Frachtführer als auch Behörden lesbar sein und seine eigene Echtheit ausweisen können.
Authentizität und Richtigkeit analoger Papiere werden klassischerweise durch Stempel beglaubigt. In der digitalen Welt gibt es dafür u.a. digitale Signaturen (Stempel), deren Prüfung über Zertifizierungsanbieter laufen kann.

Fazit

Der digitale Frachtbrief spart Personal und viel Zeit. Statt auf die flächendeckende Einführung zu warten, gehen digitale Speditionen voran und bieten schon heute die Möglichkeit, alle für die Frachtbriefe notwendigen Dokumente vollständig digital abzuwickeln. Dank App funktioniert das auch unterwegs problemlos. Für internationale Verkehre müssen die entsprechenden Papiere (CMR) derzeit noch ausgedruckt vorliegen. Der digitale Frachtbrief zeigt jedoch, dass dieser Papierkrieg im Grunde schon heute obsolet ist. Es ist an der Zeit, dass dies auch Behörden und Gesetzgeber anerkennen und noch bestehende rechtliche Lücken endlich schließen.

Über den Autor

 Gabriel Sieglerschmidt

Gabriel Sieglerschmidt

COO bei der digitalen Spedition Frachtraum.com, New Echo GmbH (Frachtraum)