Mittelstand-Digital „Praxislabor Logistik“ macht modernste Technologien greifbar

Autor / Redakteur: Martin Lundborg / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ist es häufig eine Herausforderung, neue digitale Technologien in laufende Betriebsprozesse zu integrieren. Das „Praxislabor Logistik“ des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums Cottbus und der Technischen Hochschule Wildau macht die Erprobung spannender neuer Technologien in einem sicheren Rahmen möglich.

Im „Praxislabor Logistik“ bekommen Mittelständler nicht nur nützliche Informationen an die Hand, sondern dort wird auch die neueste Technologie wie dieser Spiralförderer für sie (be)greifbar.
Im „Praxislabor Logistik“ bekommen Mittelständler nicht nur nützliche Informationen an die Hand, sondern dort wird auch die neueste Technologie wie dieser Spiralförderer für sie (be)greifbar.
(Bild: TH Wildau)

Interne und lückenlose Rückverfolgbarkeit wird für die Lagerlogistik immer wichtiger, denn sowohl herstellende Unternehmen als auch Verbraucherinnen und Verbraucher legen zunehmend Wert auf die Sicherheit der Produkte. Entsprechende Systeme in bestehende Arbeitsumgebungen und -prozesse zu integrieren, ist allerdings für viele Unternehmen eine Herausforderung. Denn alle technischen Anlagen müssen miteinander synchronisiert werden, um ein Produkt über alle Phasen des Lagerprozesses verfolgen zu können.

Nur so ist es möglich, eventuelle Fehler im Prozessablauf zu identifizieren und die Waren, die diese womöglich schädigenden Vorgänge durchlaufen haben, zügig zu finden. Die Integration in kleinen und mittelständischen Unternehmen muss gut geplant sein, da sie häufig während des laufenden Betriebs umgesetzt werden muss. Ein Beispiel, wie es gelingen kann, zeigt ein Projekt eines Potsdamer IT-Unternehmens.

Der IT-Entwickler beschäftigte sich intensiv mit dem Thema der internen Rückverfolgung, um eine entsprechende Softwarelösung zur Verbesserung der internen Prozesse aufzusetzen. Zu deren Erprobung wendete sich der Softwareentwickler an das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Cottbus von Mittelstand-Digital. Mit seinem „Praxislabor Logistik“ stellt das Zentrum eine einzigartige Testumgebung für technische Innovationen für Logistikprozesse zur Verfügung.

In der Wildauer Logistikwerkstatt wird neueste Technologie greifbar gemacht.
In der Wildauer Logistikwerkstatt wird neueste Technologie greifbar gemacht.
(Bild: TH Wildau)

Das Mittelstand-Digital-Netzwerk informiert kleine und mittlere Unternehmen über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Im „Praxislabor Logistik“, einer Kooperation zwischen dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum von Mittelstand-Digital und der Technischen Hochschule Wildau (TH Wildau), erhalten Mittelständler nicht nur nützliche Informationen, sondern die neuste Technologie wird dort für sie greifbar gemacht. Dabei wird eine typische Logistikumgebung abgebildet, wo bewährte und weitverbreitete Logistikanwendungen mit neu entwickelten und sich teilweise noch im Erprobungsstatus befindlichen Innovationen vereint werden. So können Anwendungsfälle aus den Unternehmen unter realistischen Bedingungen nachgestellt und neue Lösungen erprobt werden.

Außerdem ermöglicht das „Praxislabor Logistik“ den Mittelständlern, ihre Prozesse zu analysieren, wodurch sich ineffiziente Vorgänge und störungsanfällige Abschnitte identifizieren und im Realbetrieb beheben lassen. Die Unternehmen erhalten im Praxislabor die Möglichkeit, ihre Mitarbeitenden in einer sicheren Umgebung und unter professioneller Anleitung der Fachleute von Mittelstand-Digital an neue Technologien heranzuführen, während gleichzeitig der laufende Betrieb des Unternehmens aufrechterhalten bleibt.

Vollständige Testumgebung für neue Logistiklösungen

Den Kern des Praxislabors bildet ein automatisches Kleinteilelager (AKL) mit direkt angeschlossener Kommissionieranlage. Hier können die Mittelständler unter anderem die Pick-by-Light-Funktion ausprobieren. Kommissionierfachkräfte werden mit Lichtsignalen bei der Suche nach der benötigten Ware im Lager unterstützt. Außerdem lernen die Besucherinnen und Besucher im Praxislabor ein intelligentes modulares Fördersystem kennen, das den Transport zwischen verschiedenen Stationen automatisiert vornimmt und dadurch Prozesse effizienter gestaltet.

Komplettiert wird die Testumgebung durch einen Spiral- und Bandförderer sowie einen Paternoster, wodurch ein vollständiger Logistikablauf für Waren unterschiedlicher Art und Größe abgebildet wird. Ergänzend hinzu kommen Lösungen, die sich zunehmend in der Praxis durchsetzen, sowie immer neue Technologien, deren Anwendungsmöglichkeiten noch erprobt werden. Dazu zählen etwa Applikationen zur Bilderkennung und Echtzeit-Positionserfassung sowie Virtual-Reality- und Internet-of-Things-Anwendungen. Auch fahrerlose Transportsysteme (FTS), Drohnen und Roboterassistenten unterstützen im Praxislabor Kommissionierfachkräfte bei der Arbeit. Sämtliche Anwendungen sind modular, einfach umzusetzen und in Industrie-4.0-Systeme integrierbar.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem mittelständischen IT-Unternehmen kam der Demonstrator „Mobile PickSecure“ zum Einsatz, ein auf anspruchsvolle Industrieumgebungen ausgelegter Kommissionierwagen, der verschiedene Lösungen für eine sichere Rückverfolgbarkeit veranschaulicht. Mit dem „Mobile PickSecure“ als Basis ist es dem IT-Unternehmen gelungen, die angestrebte Softwarelösung umzusetzen und zu optimieren. In Kooperation mit dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Cottbus sowie der TH Wildau wurden zudem maßgebliche Erfolgsfaktoren für eine Rückverfolgungssoftware identifiziert und geprüft; darunter etwa die Verfügbarkeit der Daten, nutzbare Schnittstellen und transparente Informationsflüsse.

Neue Technologien erleben und erlernen

Auch der TÜV Rheinland nutzte den „Mobile PickSecure“, allerdings in einem gänzlich anderen Kontext: Gemeinsam mit der TH Wildau wurden neue praxisorientierte Konzepte für die Schulung der Logistikfachkräfte von heute und morgen entwickelt, denn auch als Ausrichtungsort für Workshops eignet sich das „Praxislabor Logistik“ hervorragend. In regelmäßig stattfindenden Schulungen wird relevantes Wissen zu verschiedenen Themen rund um die Digitalisierung der Logistik vermittelt. Unternehmen können das Labor besuchen, vor Ort eigene Ansätze entwickeln und sich mit anderen Teilnehmenden und den Expertinnen und Experten von Mittelstand-Digital austauschen.

Die Inhalte sind vielfältig und praxisnah. Besucherinnen und Besucher der Testumgebung können sich einen allgemeinen Überblick über die Vorteile digitaler Inhouse-Logistik verschaffen oder sich über spezifische Technologien informieren, zum Beispiel die Einsatzmöglichkeiten der Videoüberwachung in Lagerhallen, die Anwendungsperspektiven von Blockchain-Technologie in der Logistik, die Potenziale digitaler Unterschriftsverfahren und vieles mehr.

Viele kleine und mittlere Unternehmen arbeiten in der Testumgebung des Praxislabors zum ersten Mal mit modernen Logistiklösungen. Oft wird im Anschluss das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Cottbus zur kostenlosen und unverbindlichen Unterstützung hinzugezogen, um mit der Expertise der Fachleute des Zentrums ähnliche Lösungen auch im eigenen Betrieb umzusetzen. Mittelstand-Digital, ein Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), unterstützt bei entsprechenden Anliegen aktiv. Das BMWi ermöglicht die kostenfreie Nutzung der entsprechenden Angebote und stellt finanzielle Zuschüsse zur Verfügung. KMU in der Logistik und anderen Branchen haben durch die Zentren des Mittelstand-Digital-Netzwerks demnach kostenlose und anbieterneutrale Anlaufstellen in ganz Deutschland, um die Vorteile der Digitalisierung nicht nur live vor Ort zu erleben, sondern auch, um sich effektiv für die digitale Zukunft zu wappnen. ■

* Martin Lundborg ist Leiter der Begleitforschung von Mittelstand-Digital am WIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH in 53604 Bad Honnef, Tel. +49 2224 922550, m.lundborg@wik.org

(ID:47559920)