Interview

Sind Cobots die Zukunft der Lagerautomation?

| Redakteur: Bernd Maienschein

Fergal Glynn, VP Marketing bei 6 River Systems, mit einem seiner kollaborativen Kommissionierroboter „Chuck“.
Fergal Glynn, VP Marketing bei 6 River Systems, mit einem seiner kollaborativen Kommissionierroboter „Chuck“. (Bild: 6 River Systems)

Zur kommenden Logimat (19. bis 21. Februar 2019) präsentiert das US-amerikanische Logistik-Start-up 6 River Systems erstmals in Europa den mobilen kollaborativen Kommissionierroboter „Chuck“. Wir sprachen mit Fergal Glynn, Vice President of Marketing bei 6 River Systems, über die Vorteile kollaborativer Robotersysteme und fragten, wie in seinen Augen die Zukunft der Branche aussieht.

Das 2015 von den ehemaligen Amazon-Robotics- beziehungsweise Kiva-Systems-Managern Jerome Dubois und Rylan Hamilton gegründete Unternehmen 6 River Systems bietet das weltweit erste System an, das Mitarbeiter innerhalb einer Kommissionierzone zu den Waren führt. Die KI-gesteuerte Lösung unterstützt Kommissionierer dabei, schneller und genauer zu arbeiten. Im Vergleich zu manuell bedienten Kommissionierwagen steigert der kollaborative Roboter (Cobot) mit Namen „Chuck“ die Kommissionierraten um 200 bis 300 %, so das Start-up. Damit ist „Chuck“ eine intelligente, kostengünstige und anpassungsfähige Alternative zur traditionellen Lagerautomatisierung.

Mr. Glynn, Kiva Systems hat es vorgemacht. Welches Potenzial haben kollaborative Roboter, in Fachkreisen Cobots genannt, in der Intralogistik?

Der Markt für Cobots wächst rasant. Laut einer Studie von Markets und Markets wird sich der globale Absatz von kollaborativen Robotern bis 2023 verzehnfachen. Das große Potenzial der Technologie wird auch in der Intralogistik zunehmend erkannt. Wir erwarten, dass Systeme wie ,Chuck‘ in den nächsten Jahren Teil jedes modernen Lagers sein werden – genau wie der Kommissionierwagen heute. Die Technologie ermöglicht es Unternehmen jeder Größe, eine wirtschaftliche und bedarfsgerechte Automatisierung einzuführen.

Vor diesem Hintergrund: Wie sieht Ihrer Ansicht nach das Lager der Zukunft aus?

Bereits jetzt gibt es eine breite Akzeptanz der Arbeitnehmer gegenüber Cobots im Arbeitsalltag. Das Lagerpersonal sieht sie nicht als Konkurrenz und damit Arbeitsplatzbedrohung an, sondern als Erleichterung. Schließlich können kollaborative Roboter nicht ohne den Menschen arbeiten, sie sind auf einen ,Kollegen‘ aus Fleisch und Blut angewiesen. Intelligente Systeme helfen den Mitarbeitern aber dabei, ihre Arbeit schnell, zuverlässig, sicher und angenehm zu erledigen. In Zukunft bilden Mensch und Maschine ein effizientes Team.

„Chuck“ ist der weltweit einzige mobile kollaborative Roboter, der die Kommissionierer durch ihre Arbeit führt.
„Chuck“ ist der weltweit einzige mobile kollaborative Roboter, der die Kommissionierer durch ihre Arbeit führt. (Bild: 6 River Systems)

Für welche Unternehmen eignet sich die Technologie?

Grundsätzlich für Unternehmen aller Größen und Branchen. Ob Third Party Logistics Provider, Industrie- oder Handelsunternehmen – die meisten Lager werden immer noch manuell betrieben, denn die Anschaffung einer Lagerautomatisierung ist für viele Unternehmen zu teuer. Für sie sind mobile kollaborative Roboter eine effektive und kostengünstige Alternative.

Wie flexibel sind kollaborative Roboter wie ,Chuck‘ im Gegensatz zu traditionellen Lagerautomationslösungen?

Es dauert viele Monate, bis eine klassische Lagerautomatisierung implementiert ist. Die Lösungen benötigen meist eine komplexe Infrastruktur, was hohe Planungs-, Installations- und Wartungskosten verursacht. Außerdem müssen sie für saisonale Spitzen ausgelegt sein, sind dann aber in normalen Zeiten oft nicht ausgelastet. Unser Cobot ,Chuck‘ hingegen kann in weniger als vier Wochen in jedes Lagerlayout integriert werden – und das zum Bruchteil der Kosten, die eine traditionelle Automatisierung hervorrufen würde. Eine zusätzliche Infrastruktur ist nicht notwendig. Gerade wer im Saisongeschäft tätig ist, bleibt flexibel. Werden beispielsweise bei saisonalen Spitzen wie im Weihnachtsgeschäft mehr Kapazitäten benötigt, können ganz einfach weitere ,Chucks‘ hinzugemietet werden, die innerhalb von wenigen Minuten ins System integriert sind.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) bei Ihrer Lösung?

Unsere cloudbasierte Software nutzt Künstliche Intelligenz, um die Aufträge intelligent in Gruppen zusammenzufassen. Die KI identifiziert ideale Kommissionierwege, priorisiert die Aufträge und weist diese den einzelnen ,Chucks‘ zu. Dadurch verringern sich für den Mitarbeiter die Schritte zwischen den einzelnen Picks. Im Vergleich zu manuell bedienten Kommissionierwagen steigert ,Chuck‘ die Kommissionierraten tatsächlich um 200 bis 300 %.

Auf der Logimat 2019 stellen Sie ,Chuck‘ erstmals einem europäischen Publikum vor. Welche Erwartungen haben Sie an den europäischen Logistikmarkt?

Der europäische und US-amerikanische Warehouse-Markt haben identische Anforderungen: Trotz des Arbeitskräftemangels müssen Unternehmen den gestiegenen Kundenansprüchen an Service und schnelle Lieferung gerecht werden. Die klassische Lagerautomatisierung ist jedoch zu teuer und zu unflexibel. Wir erwarten daher, dass ,Chuck‘ in Europa sehr gut angenommen wird. Wir laden die Logimat-Besucher ein, sich mit eigenen Augen von der Benutzerfreundlichkeit, Flexibilität und dem Mehrwert von ,Chuck‘ zu überzeugen.

Mr. Glynn, vielen Dank für das Gespräch!

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