Zulieferprobleme Verbände fordern gemeinsames Schultern von Mehrbelastungen

Von Dorothee Quitter

Die aktuellen Zulieferprobleme sind für die mittelständische Industrie existenzgefährdend. Fünf Zuliefererverbände appellieren deshalb an die neuen Bundestagsabgeordneten, Raum für unternehmerisches Handeln zu geben. Sie fordern ein gemeinsames Schultern aktueller Mehrbelastungen entlang der Lieferkette.

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Zu den Unterzeichnern des Appells gehört u.a. die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK) mit ihrem Geschäftsführer Martin Kunkel.
Zu den Unterzeichnern des Appells gehört u.a. die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK) mit ihrem Geschäftsführer Martin Kunkel.
(Bild: FVK)

„Die mittelständische Industrie als Innovationsmotor am Standort Deutschland, ihre Arbeitsplätze und der Wohlstand sind infrage gestellt. Der Staat darf die existenzgefährdenden Probleme nicht noch verschärfen, sondern muss Raum für unternehmerisches Handeln geben.“ Diesen Appell haben fünf Industrieverbände an alle 736 Mitglieder des neuen Bundestags geschickt. Unterzeichner sind der Industrieverband Blechumformung (IBU), der Industrieverband Massivumformung (IMU), die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK), der Deutsche Schraubenverband (DSV) und der Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI).

Die Kombination aus gestiegenen Materialpreisen, Materialmangel, Produktionseinschränkungen, wachsenden Energiekosten, Steuerbelastungen und Klimaanforderungen bringe Automobilzulieferer – und zunehmend weitere Branchen – ins Straucheln. Die fünf Verbände wollen, dass die politischen Vertreter die Probleme unserer Industrien in die politische Abwägung einbringen.

Im neuen Koalitionsvertrag der Ampel steht der Satz „Unsere Wirtschaftspolitik setzt auf zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für einen wettbewerbsfähigen Mittelstand“. Diese Rahmenbedingungen sehen die Unterzeichner unter anderem in der Weitergabe der steigenden Kosten in der Lieferkette, in der Erleichterung von Materialimporten, in der Deckelung von Energie- und Steuerkosten und in einer mittelstandsfreundlich gestalteten Klimapolitik.

Steigende Kosten in der Lieferkette weitergeben

IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs betont: „Betroffene Unternehmen müssen steigende Kosten in der Lieferkette geltend machen können.“ Auch die monatelange Vorfinanzierung von verteuertem Vormaterial bis zur nächsten Preisverhandlungsrunde sei kaum mehr leistbar. Steigende Stahlpreise treffen den Zulieferer aufgrund seines höheren Bedarfs viel stärker als Automobilhersteller und Systemlieferanten. So führe ein Anstieg um 50 Prozent bei Zulieferern zu 20 Prozent Mehrkosten, dagegen sind es beim Hersteller nur zwei bis fünf Prozent. Hinzu komme bei Zulieferunternehmen die niedrigere Gewinnmarge von etwa zwei bis drei Prozent – bei OEM liege sie bei rund 20 Prozent.

Materialimporte erleichtern

Wichtig für Stahlverarbeiter sei auch, dass die Politik Stahlimporte aus Drittländern wieder erleichtert und Einfuhreinschränkungen abbaut. Das ermögliche wieder einen Wettbewerb und verbessere die Versorgungslage.

Energie- und Steuerkosten deckeln

Mit Blick auf extreme Energie- und Logistikkosten fordern die Verbände staatliche Unterstützung. DSV-Geschäftsführer Hans Führlbeck: „Es ist überlebenswichtig, dass die Politik Energiekosten deckelt und Steuern reduziert. Alles andere führt zu wettbewerblichen Verzerrungen innerhalb der EU.“

Klimapolitik mittelstandsfreundlich gestalten

Nach Meinung der fünf Verbände sollten die Klimavorschriften mittelstandsfreundlicher werden. Sie wünschen eine technikoffene Förderung von klimabezogenen Maßnahmen und ein Ende der einseitigen Diskussion über CO2-Verursacher: „Sie reduziert sich auf Verbrenner- beziehungsweise Elektroantriebe und lässt andere CO2-Emittenten außen vor“, so IMU-Geschäftsführer Tobias Hain. Ein vorausschauender Blick auf die Konsequenzen ist auch bei den Green Deals und Klimazöllen gefragt: „Die Verantwortlichen müssen die gesamte Wertschöpfungskette – einschließlich der Stahlverarbeiter – berücksichtigen“, erklärt Martin Kunkel von der FVK.

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