Suchen

Ladungsträgermanagement Vom Joghurtglas inspiriert: Logistiker reinigen Behälter mit Ultraschall

| Redakteur: Robert Weber

Für das Säubern von Schmuck, Brillen und anderen feinstrukturierten Teilen werden schon seit langem Ultraschallreinigungsgeräte eingesetzt. Im größeren Maßstab nutzt auch die Industrie die Wirkung der hochfrequenten Schallwellen. Jetzt zieht die Logistikwirtschaft nach.

Firmen zum Thema

Die Verwaltung aller Bestände innerhalb des Kreislaufs gehört zu den Services des europaweiten Behältermanagementsystems Sprintbox.
Die Verwaltung aller Bestände innerhalb des Kreislaufs gehört zu den Services des europaweiten Behältermanagementsystems Sprintbox.
(Bild: Schäflein)

Fehlt mal wieder der volle Durchblick, dann legt manch Brillenträger seine Sehhilfe in ein Ultraschallbad. Nur wenige Anwender verstehen die Technik, die scheinbar magisch Fettflecken und Hautschuppen entfernt. Was mit der Brille funktioniert, muss auch mit Behältern gehen, dachten sich wohl die Ingenieure vom fränkischen Logistikdienstleister Sprintbox und tüftelten am Ultraschallbad für das Ladungsträgermanagement.

Bildergalerie

Die Entwickler haben nun eine Anlage in Betrieb genommen, mit der auch stark verschmutzte Mehrwegbehälter effizient und umweltschonend gereinigt werden können, verkündet das Unternehmen stolz. Mit diesen Mehrwegbehältern aus robustem Kunststoff versorgt Sprintbox in einem ausgeklügelten Kreislaufsystem Industriebetriebe „just in time“ mit Bau- oder Ersatzteilen. Verschmutzte Behälter werden – übrigens auch als Dienstleistung für Kunden aus dem Logistikbereich – in einer speziellen Durchlaufwaschanlage gereinigt. „Häufig reicht diese konventionelle Behälterreinigung aber nicht mehr aus“, erklärt Ralf Jahn, der das Depot in Grettstadt bei Schweinfurt leitet. Bei hartnäckigen Rückständen aus Haftöl oder Grafit hat auch die Waschanlage keine Chance, gibt der Manager zu. Bislang mussten solche Behälter aussortiert und entsorgt werden. Das ist nun vorbei, denn jetzt kommt in Grettstadt die neue Ultraschallreinigungsanlage zum Einsatz. Deren hochfrequente Schallwellen bringen die Wassermoleküle in Schwingung und wirken so wie eine kleine Bürste. Um zu verdeutlichen, was im Inneren der Anlage passiert, dient folgender Vergleich: Füllt man ein leer gelöffeltes Joghurtglas mit Wasser, tut sich kaum etwas. Schüttelt man aber das Glas, lösen sich die Joghurtreste. Vereinfacht gesagt schüttelt der Ultraschall also den Schmutz mit hoher „Schüttelfrequenz“ von der Oberfläche der Mehrwegbehälter ab.

Logistikdienstleister kann auf aggressive Reiniger verzichten

Außerdem erzeugt Ultraschall an harten Oberflächen die so genannte Kavitation. Das sind kleinste Blasen, die sofort wieder in sich zusammenfallen. Dieses Zusammenfallen trägt ebenfalls dazu bei, dass sich der Schmutz von der Oberfläche löst. Das Ergebnis: Mehrwegbehälter, die aussehen wie neu, obwohl sie vor der Behandlung mit hartnäckigsten Rückständen verunreinigt waren. Auf aggressive Reiniger kann bei dieser physikalischen Reinigungsmethode übrigens verzichtet werden, die Technik ist daher besonders umweltschonend. Der Einsatz dieser Reinigungsanlage hat sich schon bis zu den Kunden von Sprintbox herumgesprochen. „Aktuell fragen uns Industrieunternehmen, ob wir auch eine Teilereinigung anbieten“, freut sich Ralf Jahn. „Klar, da kommt die Ultraschallreinigung schließlich her. Und wir kommen so zu einem neuen Betätigungsfeld.“

MM Logistik hat bei Ralf Jahn, Standortleiter, nachgefragt:

Frage: Wie entstand die Idee zur Ultaschallreinigung?

Antwort: Die Idee kam mir zu Hause. Ich besitze ein Haushaltsgerät, mit dem ich Schmuck und Uhren säubere.

Frage: Ist Ultraschall ein Novum in der Ladungsträgerwirtschaft?

Antwort: Ja, da viele Behälter so in den Kreislauf zurückgeführt werden können, welche ansonsten verschrottet werden. Es gibt Grenzmusterkriterien in der Industrie, welch vorschreibt ab wann ein Behälter nicht mehr den Anforderungen genügt. Im aktuellen Fall wurden rund 40000 Behälter für einen Kunden aus der Großindustrie "gerettet".

Frage: Kostet die Ultraschall-Behandlung mehr?

Antwort: Ja, die Reinigung im Ultraschallbad kostet mehr als ein üblicher Waschvorgang. Aber im Verhältnis zur Neuanschaffung ist der Aufwand eher gering.

Frage: Ist die Behandlung schneller und genauer?

Antwort: Schneller ist die Behandlung im Vergleich zum üblichen Waschvorgang nicht. Aber es ist schon fast Zauberei, dass verschrottungsreife Behälter nach 3-5 Minuten Bad wieder dem Behälter-Kreislauf zugeführt werden können, wo sie doch vorher nicht mehr den Anforderungen genügten. Die Behälter, die in das Ultraschall-Bad wandern, können auf einer normalen Waschanlage gar nicht mehr gereinigt werden.

(ID:42604109)