Interview

Weltmarktführer in der Nische

| Redakteur: Bernd Maienschein

Bei seinem Eintritt ins Familienunternehmen im Jahr 1986 hat Wilfried Neuhaus-Galladé den Kurs von J.D. Neuhaus an die sich verändernden Bedingungen globaler Märkte angepasst. „Go global“ war seine Devise, mit innovativen Produkten. Er installierte ein weltweites Vertriebssystem und schuf Tochterunternehmen in den USA, Frankreich, England, Singapur und China.
Bei seinem Eintritt ins Familienunternehmen im Jahr 1986 hat Wilfried Neuhaus-Galladé den Kurs von J.D. Neuhaus an die sich verändernden Bedingungen globaler Märkte angepasst. „Go global“ war seine Devise, mit innovativen Produkten. Er installierte ein weltweites Vertriebssystem und schuf Tochterunternehmen in den USA, Frankreich, England, Singapur und China. (Bild: J.D. Neuhaus)

„Unsere Produkte sind ,engineered for extremes‘“, ist dem Webauftritt von J.D. Neuhaus zu entnehmen. Und in der Tat: Die hydraulischen und pneumatischen Hebezeuge aus Witten an der Ruhr werden weltweit gerne dort eingesetzt, wo es auf Performance und Langlebigkeit ankommt. Im Interview spricht Firmenchef Wilfried Neuhaus-Galladé über seinen Anspruch, Technologieführer zu sein.

Nächstes Jahr feiert die J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG im nordrhein-westfälischen Witten ihren 275. Geburtstag – seitdem ist das Unternehmen in Familienhand. Heute ist man Weltmarktführer bei hydraulischen und pneumatischen Hebezeugen und Krananlagen mit einem Exportanteil von 80 % und liefert seine Produkte in über 90 Länder. Qualitätssicherung, betrieblicher Umweltschutz und Arbeitsschutz bilden die Grundlage der Unternehmensführung. Selbst unter extremen Arbeitsbedingungen, beispielsweise unter Wasser oder bei -45 °C, bewegen Hebezeuge und Krane zuverlässig ihre Lasten. Weil Wilfried Neuhaus-Galladé den Anspruch des Technologieführers hat, genießt das Thema Forschung und Entwicklung einen hohen Stellenwert im Hause JDN. Wir sprachen mit dem Firmenchef über Markttendenzen, Branchenschwerpunkte und über das neueste Produkt, den „JDN mini“.

Herr Neuhaus-Galladé, kein anderes Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau in Deutschland ist so lange ausschließlich in Familienhand wie J.D. Neuhaus. Würden Sie sich dennoch als „Hidden Champion“ bezeichnen?

Wilfried Neuhaus-Galladé: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Mit unseren pneumatischen Hebezeugen und Krananlagen sind wir Weltmarktführer – allerdings in einer relativ kleinen Nische. Laut der Universität St. Gallen müssen Hidden Champions strengen Kriterien standhalten: Sie müssen in ihrem Segment den höchsten oder zweithöchsten Marktanteil aufweisen. Ihr Jahresumsatz muss über 50 Mio. Euro liegen. Davon müssen die Unternehmen mindestens die Hälfte im Ausland generieren. Außerdem müssen die Weltmarktführer auf mindestens drei Kontinenten aktiv sein. Alle diese Kriterien erfüllen wir.

J.D. Neuhaus bezeichnet seine Durckluft-Hebezeuge-Serie „mini“ als den neuen Benchmark in der Hebetechnik. Sie wurde in enger Abstimmung mit Anwendern entwickelt.
J.D. Neuhaus bezeichnet seine Durckluft-Hebezeuge-Serie „mini“ als den neuen Benchmark in der Hebetechnik. Sie wurde in enger Abstimmung mit Anwendern entwickelt. (Bild: J.D. Neuhaus)

Sie konstruieren und stellen in Witten pneumatische und hydraulische Hebezeuge und Krananlagen her. In welche dieser beiden Richtungen schlägt das Pendel in der jüngeren Zeit mehr aus?

Neuhaus-Galladé: Die hydraulischen Hebezeuge hatten schon immer einen kleineren Anteil als die pneumatischen. Mit dem Verfall des Ölpreises ist der Anteil der hydraulischen weiter zurückgegangen, da sie primär im Bereich Oil & Gas zum Einsatz kommen. Dafür konnten wir mit unseren pneumatischen Hebezeugen neue Branchen gewinnen und bestehende ausbauen. Mit unseren neuen Druckluft-Hebezeugen der Serie „mini“ haben wir zum Beispiel speziell in den Bereichen Automotive, Food, Pharma und der chemischen Industrie weitere Marktanteile gewinnen können.

Als über 270 Jahre altes Unternehmen exportieren Sie weltweit. Wie hoch ist Ihr Exportanteil genau und wo liegen die Schwerpunktmärkte?

Neuhaus-Galladé: Unser Exportanteil liegt bei circa 80 %. Die Schwerpunkte liegen dabei in Nordamerika, Südostasien und Europa. Deshalb haben wir Vertriebsgesellschaften in den USA, Singapur, England und Frankreich.

Ihre Produkte sind nicht nur im klassischen Maschinenbau gefragt. Welche Branchen bedienen Sie noch? Und gibt es auch „Exoten“ darunter?

Neuhaus-Galladé: Unsere Branchen reichen von der Automobil- bis zur Zementindustrie. Hier ein kleiner Auszug: chemische Industrie, Gießereien, Lackieranlagen, Nahrungsmittelindustrie, On- und Offshore, Schiffbau. Und natürlich gibt es auch Exoten beziehungsweise extreme Einsatzfälle, für die wir spezielle Produkte entwickelt haben. So etwa unsere Unterwasser-Hebezeuge und JDN-Tiefsttemperatur-Hebezeuge, letztere für Temperaturen bis zu -45 °C.

Welchen Stellenwert genießt in Ihrem Haus das Thema Forschung und Entwicklung? F&E dürfte ja gerade im Bereich Sonderkonstruktionen sehr wichtig sein ...

Neuhaus-Galladé: Unser Anspruch ist es, Technologieführer zu sein. So genießen F&E in unserem Hause einen sehr hohen Stellenwert. Dabei liegen die Schwerpunkte auf unseren Serienhebezeugen. Aktuelles Beispiel dafür ist der neue „mini“. Wie wir meinen, die Benchmark in der Hebetechnik.

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Für den „JDN mini“ verwenden Sie die werbewirksame Bezeichnung „Effizienzwunder“ und nennen im selben Atemzug die Total Cost of Ownership (TCO) – wie geht das zusammen?

Neuhaus-Galladé: Wir haben besonderen Wert auf die Reduzierung der Gesamtbetriebskosten (TCO) beim Einsatz der neuen „mini“-Serie gelegt. Zur Effizienzsteigerung tragen hier gesicherte Prozesse im Produktionsablauf bei, die durch die enorme Erhöhung der Nutzungsdauer bei 100 % Einschaltdauer erreicht werden. Zusammen mit dem optimierten Gesamtwirkungsgrad ist eine Verfügbarkeit der JDN-Hebezeuge rund um die Uhr (24/7) realisierbar. Weiterhin sorgen einfachste und schnellste Wartung für eine zusätzliche Steigerung der Effizienz.

Wenn unsere Rechnung stimmt, feiert Ihr Unternehmen nächstes Jahr 275-jähriges Jubiläum in Familienhand. Wie stehen die Chancen, dass das zum 300. Jubiläum noch immer so ist?

Neuhaus-Galladé: Mein Ziel ist natürlich, ein gesundes Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben. Die Chancen dafür stehen gut.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Neuhaus-Galladè!

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