Temperaturgeführte Transporte

Wie (temperatur)empfindliche Güter in Form bleiben

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Joachim Tatje / Anke Geipel-Kern

Recyceltes Styropor: am Endprodukt ist kein Unterschied feststellbar.
Recyceltes Styropor: am Endprodukt ist kein Unterschied feststellbar. (Bild: Schaumaplast)

Beim Versand von Lebensmittel darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Styroporverpackungen isolieren und schützen gleichzeitig sind allerdings alles andere als nachhaltig. Styropor aus nachwachsenden Rohstoffen ist eine umweltschonende Alternative mit identischen Eigenschaften wie der erdölbasierte Rohstoff.

Speiseeis mit der Post versenden, geht nicht? „Das muss gehen“, sagte sich Ralf Schulze aus dem brandenburgischen Beeskow, als er die Gründung der „IceGuerilla.de“ plante. Sein Online-Shop ist bisher der einzige in Europa, der den Kunden die Möglichkeit bietet, eigene Eiskreationen zusammenzustellen, die ins Haus geliefert werden. Das Vorhaben war anspruchsvoll: Es geht um Transportzeiten von bis zu 56 Stunden und sommerliche Umgebungstemperaturen im Paketauto von bis zu 70 °C. Selbst dann dürfte die Temperatur im Inneren des Pakets ca. -14 °C nicht überschreiten, denn sonst würde die köstliche Eiscreme zu unansehnlicher Sauce zerlaufen.

Schnell war klar, mit einem Karton, auch wenn er innen gut isoliert wäre, könnte das Projekt nicht gelingen. Die Wahl fiel auf eine individuell gestaltete Verpackung aus Styropor, denn dieses Material bietet sehr gute Isolationseigenschaften zu akzeptablen Kosten. Das Kosten-/Nutzenverhältnis von Styropor macht den wirtschaftlichen Versand von kühlpflichtigen Produkten überhaupt erst möglich. Und das Produktdesign kann die großen Freiheiten bei der Formgebung perfekt nutzen.

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Die Versandverpackung der Iceguerilla ist eine Spezialanfertigung von Schaumaplast in Nossen und patentrechtlich geschützt. Darin finden vier Eisbecher und die Beutel mit Trockeneis Platz. Kühlbehälter sind ein wachsender Unternehmenszweig von Schaumaplast. Der international tätige Hersteller von Formteilen aus Partikelschäumen entwickelt Kühlverpackungslösungen für temperatur- und stoßempfindliche Produkte für Pharma, Food und Industrie.

Über 800 Lebensmittel-Online-Händler versenden derzeit in Deutschland ihre Ware im Paket, knapp 180 davon Frischeprodukte. Für diese Gruppe wird eine stringente Temperaturführung zum qualitätsbestimmenden Merkmal. Geregelt sind die zulässigen Temperaturen in der DIN10508:2012-03. Markus Hoffmann koordiniert bei Schaumaplast Vertrieb und Technik. Er empfiehlt allen Akteuren in diesem Business, sich mit den Risiken des Versandes von Frischeprodukten zu beschäftigen und die Möglichkeiten moderner Kühlverpackungslösungen kennen zu lernen.

Weltneuheit: das andere Styropor aus Biomasse

Schaumaplast ist das erste Unternehmen, das Thermoboxen aus dem neuen Rohstoff „Biomass Balance Styropor“ von BASF anbietet. Styropor resp. „airpop“ ist expandierbares Polystyrol, kurz EPS, das aus Naphtha hergestellt wird, bis dato ein Erdölprodukt. Zur Herstellung von Biomass Balance Styropor werden die fossilen Rohstoffe vollständig aus Biomasse gewonnen, dazu gehören pflanzliche Abfälle, pflanzliche Öle oder Gase. Im Gegensatz zu PLA basierten Partikelschäumen ist Biomass Balance Styropor mit seinem fossilen Pendant bezüglich Rezeptur und der mechanischen und thermischen Eigenschaften absolut identisch.

Für den Anwender ändert sich nichts, denn er kann auch diese Styroporteile über die gewohnten Kanäle, wie gelber Sack oder Wertstofftonne, dem Recycling zuführen. Derzeit findet bereits etwa die Hälfte der im Umlauf befindlichen Styropor-Verpackungen in Deutschland den Weg zurück in die stoffliche Verwertung, der Rest wird energetisch verwertet. Die „IceGuerilla“ beabsichtigt, ihre Eisverpackung künftig auf das neue Material umzustellen. „Es ist fabelhaft, dass Styropor, das so ideal für Kühlverpackungen geeignet ist, jetzt auch aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden kann“, begründet Schulze seine Absicht. Die Thermobox aus Biomasse-Styropor trägt zur CO2-Einsparung bei und unterstreicht die Einzigartigkeit des Liefer-Konzepts.

Die Umweltvorteile des neuen Werkstoffs werden nicht nur den Eis-Gourmets schmecken: ein Kilogramm Biomasse-Styropor Granulat spart etwa 1,25 kg fossiles Naphtha bzw. etwa 1,64 kg CO2–Äquivalent ein. Das Ganze funktioniert ähnlich wie Ökostrom. Jedes Kilogramm Biomass Balance Styropor muss durch die entsprechende Menge von nachwachsenden Rohstoffen bilanziert werden. Eine unabhängige Zertifizierung durch den TÜV stellt sicher, dass BASF die für das biomassenbilanzierte Produkt benötigten Mengen an fossilen Rohstoffen zu Beginn der Produktion durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt hat.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Process.de und wurde von Anke Geipel-Kern betreut.

* Der Autor ist Geschäftsführer bei ViATiCO Strategie und Text in Karlsruhe

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