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Logistikansiedlung Zalando-Logistik: Jetzt wird es politisch

| Redakteur: Robert Weber

Die Zalando-Ansiedlung am Fliegerhorst in Leipheim, Landkreis Günzburg, schien vom Tisch. MM Logistik berichtete darüber. Jetzt tritt Alfred Sauter, MdL der CSU, auf den Plan. Für ihn ist das letzte Wort in Sachen Logistikzentrum noch nicht gesprochen. Interessant: Sauter gilt als enger Vertrauter von Ministerpräsident Horst Seehofer.

(Bild: Zalando)

Der ehemalige bayerische Justizminister Sauter ist bestens vernetzt in der Landtagsfraktion und in der Landesregierung. Sauter, so schrieb es der „Münchener Merkur“ einmal, sei „der Flüsterer“ der CSU-Fraktion und einer der engsten Berater des Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Dieser Mann wehrt sich nun gegen die Ablehnung der Logistikansiedlung von Zalando. Das berichtet die „Augsburger Allgemeine“. Der Fliegerhorst sei nicht die einzige Möglichkeit, wo sich Zalando mit seinem Logistikzentrum ansiedeln könnte, zitiert die Zeitung den Abgeordneten. „1000 Arbeitsplätze sind 1000 Arbeitsplätze“, erklärt Sauter. Eine Idee für einen anderen Standorten habe er noch nicht. Sauter fordert: Man müsse alle Hebel in Bewegung setzen, schreibt die Zeitung.

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Sauter nimmt im Gespräch die Kritik an den Niedriglohnjobs an und sagt dazu: „Es gibt auch Menschen, die nicht Diplom-Ingenieur sind.“ Der Politiker ist sich sicher: Es gäbe viele Menschen im Landkreis, die dort gerne arbeiten würden, heißt es in dem Bericht. Gleichzeitig halte Sauter es für inkonsequent, die Autobahn sechsstreifig auszubauen und dann keinen Verkehr haben zu wollen, schreibt das Blatt weiter.

MM Logistik berichtete:

Der Versandhändler Zalando sucht in Süddeutschland ein Grundstück und will rund 170 Mio. Euro verbauen. Doch richtig anbeißen will keine Gemeinde. Jetzt erteilte der Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg den Modefreunden eine Absage. Kopfschütteln beim Logistikcluster Schwaben. Zalando bleibt gelassen.

Vor einigen Tage erreichte uns eine schriftliche Stellungnahme des Landratsmats Günzburg zum Zalando-Vorgang. Die Datei haben wir hier zum download hinterlegt. Hintergrund der Logistikgeschichte:

Rund 2000 neue Jobs sollten entstehen, davon 400 für Facharbeiter, erfuhr MM Logistik vom Logistikcluster Schwaben. Das Baugesuch von Zalando wurde nicht einstimmig abgelehnt. „Wir bedauern es sehr, dass sich Zalando nicht in dem Gewerbegebiet ansiedeln darf. Die Mehrheit der Zwecksverbandsmitglieder trieb die Sorge um Verkehr, geringe Gewerbesteuer und Niedriglohn-Jobs wohl um. Logistik ist aber mehr als das und dass man die Logistik damit so konsequent ausschließt ist traurig“, erklärte Clustersprecher Robert Schönberger der Redaktion.

In der Vergangenheit gab es schon mehrere Gerüchte über mögliche Ansiedlungen von Zalando im süddeutschen Raum. Letzter Fall: Hilpoltstein. Doch dieses Mal scheint der Vorgang konkret gewesen zu sein. „Wenn sich der Zweckverband bereits mit dem Thema auseinandersetzt, dann war Zalando wohl ernsthaft interessiert“, vermutet Schönberger.

Zalando plant konkrete Ansiedlung – Grundstücke mit Baureife im Visier

Anders sieht das Zalando selber: „Im Fall von Günzburg hat es sich, genau wie in Hilpoltstein, um ein erstes Sondierungsgespräch gehandelt. In diesem Prozess sammeln wir Informationen und spielen mit Standorten Szenarien durch. Wir haben Standorte, mit denen wir eine konkrete Ansiedlung besprechen, weil dort bereits klare Grundstücke mit Baureife etabliert sind. In anderen Fällen sprechen wir eher perspektivisch“, erklärte ein Pressesprecher gegenüber MM Logistik.

Landrat schweigt und spricht nur mit ausgewählten Pressevertretern

Der zuständige Landrat Hubert Hafner wollte sich gestern gegenüber der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage nicht äußern. „Man habe schon mit so vielen Medien gesprochen“, hieß es zunächst aus dem Landratsamt. Ein Gespräch mit dem verantwortlichen Politiker, dem Landrat, schloss das Amt aus. Die Redaktion hat dem Landrat, auf eigenen Wunsch, schriftlich Fragen zukommen lassen.

In der Vergangenheit waren Lokalpolitiker aus der Region gesprächsbereiter, wenn es um Logistik ging. Vor allem bei der Ansiedelung von Amazon wollten zahlreiche Kommunen für sich werben. Ist der Glanz der Amazon-Logistik in der Region verblasst? Schönberger: „Sicher, die Schlagzeilen in der Presse waren nicht hilfreich. Aber vor der Ansiedlung haben mehrere Gemeinden wie wild um Amazon geworben. Klar beschäftigt ein Zalando oder ein Amazon nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte, aber 400 Facharbeiter wären für die Region eine gute Sache gewesen.“

Mit der Entscheidung des Zweckverbands dürfte Schwaben für Zalando gestorben sein. Oder? „Hoffentlich nicht. Wir haben noch Grundstücke in Richtung Kempten und Memmingen. Vielleicht wäre auch ein GVZ für Zalando interessant“, meint Schönberger. Das dürfte Alfred Sauter gerne hören.

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