Versorgungssicherheit BASF rüstet sich mit Tankschiff für Rhein-Niedrigwasser

Redakteur: Alexander Stark

Ein neues Niedrigwasser-Tankschiff soll einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit des BASF-Standorts Ludwigshafen leisten.

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Der Chemiekonzern BASF hat ein innovatives Tankschiff für Rhein-Niedrigwasser vorgestellt.
Der Chemiekonzern BASF hat ein innovatives Tankschiff für Rhein-Niedrigwasser vorgestellt.
(Bild: Technolog)

Ein innovatives Tankschiff, das BASF nun vorgestellt hat, soll zu den größten Tankschiffen auf dem Rhein gehören. Es soll seine Stärke insbesondere dann ausspielen, wenn am Rhein Niedrigwasser herrscht. Die kritische Stelle im Rhein bei Kaub wird es selbst bei einem Pegelstand von 30 cm (entspricht einer Wassertiefe von etwa 1,60 m) noch mit einer Ladung von 650 t passieren können, das ist deutlich mehr als bei jedem anderen heute verfügbaren Tankschiff. Bei mittlerem Niedrigwasser wird seine Transportkapazität mit rund 2500 t doppelt so hoch liegen wie die konventioneller Binnenschiffe. Jetzt wurden die Verträge für den Bau und die Nutzung des Schiffs unterschrieben.

Nach den Erfahrungen mit dem Niedrigwasser des Rheins im Jahr 2018 und basierend auf den Einschätzung des Konzerns, dass derartige Ereignisse in Zukunft häufiger eintreten können, hat BASF am Standort Ludwigshafen eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Versorgungssicherheit der Produktion zu erhöhen. Ein wichtiges Element der Überlegungen war es, über ein Schiff zu verfügen, das selbst bei niedrigsten Rheinpegelständen noch wesentliche Mengen verlässlich transportieren kann. Ein entsprechendes Schiff stand 2018 am Markt nicht zur Verfügung. Deshalb hat das Unternehmen selbst die Initiative ergriffen und gemeinsam mit einem Partner ein neues Schiffsdesign umgesetzt.

Das Schiffsdesign wurde zusammen mit einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus dem Duisburger Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST), Technolog Services und Agnos Consulting, entwickelt, die auf verschiedene Aspekte des Schiffbaus spezialisiert sind. Für die spätere Detailausarbeitung konnte BASF die Reederei Stolt Tankers gewinnen, die ihre Expertise in das Projekt eingebracht hat und das Schiff bauen und exklusiv für den Chemiekonzern betreiben wird. Im Auftrag von Stolt Tankers wird die Mercurius Shipping Group für den Bau des Schiffs verantwortlich sein. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2022 vorgesehen.

Hohe Tragfähigkeit bei geringem Tiefgang

Hauptziel der Entwicklung für das neue Schiff war eine hohe Tragfähigkeit bei geringem Tiefgang. Damit sollen in extremen Niedrigwassersituationen jederzeit sicherer Betrieb und volle Manövrierfähigkeit sichergestellt sein.

Die Abmessungen des neuen Schiffs sind mit 135 m auf 17,5 m deutlich größer im Vergleich zu den gängigen Tankschiffen auf dem Rhein, deren Abmessungen üblicherweise bei 110 m auf 11,5 m liegen. Um mit diesen Schiffsmaßen eine hohe Tragfähigkeit zu erzielen, wurde ein hydrodynamisch optimierter Schiffsrumpf mit einer darauf abgestimmten Antriebstechnologie entwickelt. Neuartig ist außerdem die Leichtbauweise, die durch Übertragung von Methoden aus dem Seeschiffbau auf das Binnenschiff für eine hohe Stabilität der Struktur sorgt.

Angetrieben wird das Schiff von drei Elektromotoren, die von hocheffizienten Dieselgeneratoren der neuesten Generation mit Abgasnachbehandlung (EU Stufe V) gespeist werden. Das neue Schiffsdesign wurde im Hinblick auf Strömungsverhalten und einen effizienten Betrieb in der Versuchsanlage beim Duisburger Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) in Schleppversuchen am maßstabsgetreuen Modell getestet und optimiert.

Für eine maximale Flexibilität bei den transportierten Chemie-Produkten ist das Schiff mit zehn Edelstahltanks und drei getrennten Ladesystemen ausgestattet und kann auch für Produkte mit hoher Dichte, wie Säuren und Laugen, eingesetzt werden.

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