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Porträt Bizerba Busch: 100 Jahre Swiss made

| Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

„Es war ein Glück für mich, dass ich von Waagen nichts verstand. So ging ich völlig unvoreingenommen an die Sache heran.“

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Im Chur-Rheintal, wo vor 100 Jahren alles begann, liegt auch heute noch die Zentrale von Bizerba Busch.
Im Chur-Rheintal, wo vor 100 Jahren alles begann, liegt auch heute noch die Zentrale von Bizerba Busch.
(Bild: Bizerba Busch)

So wird Johann Busch, der Gründer einer der bedeutendsten von den nicht gerade zahlreichen Industrien im Schweizerischen Graubünden in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der heutigen Bizerba Busch AG zitiert. Während sich das Unternehmen nach seiner Gründung noch mit Strickmaschinen und Waagen befasste, liegt der Schwerpunkt heute auf der Abfülltechnik. Bizerba Busch zählt zu den führenden Schweizer Unternehmen im Bereich der industriellen Wäge- und Fördertechnik sowie Industrieautomation und ist ein wichtiger Arbeitgeber im Churer Rheintal. Doch wir beginnen von vorne ...

Ein weiteres Zitat von Johann Busch kann den Geist verdeutlichen, der den Gründer inspiriert haben mag: „Es war gut, dass ich damals, als ich begann, kein Geld hatte“, gestand Fabrikant Busch auf der Höhe seiner Erfolge. Der Zwang, mit denkbar knappen Mitteln haushälterisch umzugehen, schien ihm in der Rückschau noch wichtiger als die ersten kleinen Erfolge. Wobei wir mitten im Thema sind: Der am 14. März 1890 in Chur geborene Johann Busch, der älteste von fünf Brüdern, begann mit 16 Jahren seine Lehre beim Schlossermeister E. Tobler im Scharfrichtergässchen, arbeitete 1910 in Zürich, bestand im gleichen Jahr die Rekrutenschule, aus der er als Büchser hervorging. In München, wo er sich 1911 aufhielt, besuchte er die Abendschule und auch Kurse für Schlossereitechnik.

Stürmisches Wachstum braucht Platz

Nach diversen Stationen in Deutschland war Busch im Sommer 1918 wieder in Chur zurück und fand bei seinem ehemaligen Lehrmeister Tobler Arbeit. Im Juli 1919 bot sich ihm die Gelegenheit, die kleine Werkstätte eines österreichischen Schlossers zu übernehmen, der in seine Heimat zurückkehren wollte. Das Geschäft lief gut, sodass bald für einen Gesellen und zwei Lehrlinge genug zu tun war. Der junge Meister Busch musste sich nach einer bedeutend größeren Werkstatt umsehen und fand diese schließlich an der Sägenstraße. Dort entstanden auch die ersten Schnellwaagen, in der Johann Busch Schnellwaagenfabrik, Chur. Die sechste Version, „Modell F“, war der Durchbruch. Bruder Georg trat in die Firma ein. In den folgenden Jahren des stürmischen Wachstums genügte der Kleinbetrieb dem Bedarf nicht mehr: 1930 bezog man einen 600 m² großen Fabrikationsraum, zwei Jahre später mussten die Fabrikationsräume um das Dreifache erweitert werden. Überall herrschte damals eine schwere Krise – nur bei Busch nicht. Zu den für Ladengeschäfte bestimmten Kleinwaagen traten bald Waagen für größere Gewichte, wie für Käselaibe und Milchkannen, die als Plattform- oder Hängewaagen ausgebildet waren. Aber auch feinste Dosierwaagen benötigte die chemische und pharmazeutische Industrie, Kunden lieferten Anregungen.

Anfänglich zwang die Mobilmachung durch den zweiten Weltkrieg zu Umstellungen und Einschränkungen. Dann aber zeigte sich um 1942, dass die bis dahin erfolgreiche ausländische Konkurrenz ihre Lieferungen vermindern oder gar abbrechen musste, sodass das Churer Unternehmen Busch-Werke AG durch Bestellungen voll ausgelastet war. Von 1940 bis 1951 verdreifachte sich der Umsatz, die Beschäftigtenzahl stieg auf 350 Personen, 1952 dann die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das Firmenkapital blieb aber in den Händen der Familie Busch und der treuen Helfer von 1919.

Der Erfinder Bührer, den Busch als Konstruktionschef eingestellt hatte, ersann einen Handstrickapparat, der ohne die bis dahin üblichen Abzugsgewichte arbeitete. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm auch, einen auf dem Weltmarkt absolut neuen, verblüffend einfachen Maschenabzug herzustellen. Die Nachfrage nach den Apparaten war sehr groß: 1955 musste für diesen Betriebszweig eine neue Halle mit rund 500 m² gebaut werden. Johann Busch schied 1965 aus der Firma aus und starb am 15. Dezember 1969 in Chur. Sein Sohn Hans übernahm die technische und Heinrich die kaufmännische Leitung des Unternehmens.

Kompetenz bei Abfüllsystemen

In der Folge wurden neue mechanische Waagen entwickelt und die ersten elektronischen Hybridwaagen eingeführt, 1974 übernahm Karl Busch die Geschäftsleitung von Heinrich und Hans. In diese Zeit fällt auch die Zusammenarbeit mit Sauter Albstadt und später mit Mettler Schweiz bei industriellen Hybrid-Plattformwaagen sowie der Ausbau der Zusammenarbeit mit der Firma Bühler und die Entwicklung von elektronischen Absack- und Schüttewaagen. In die Jahre 1981 bis 1990 fällt die Entwicklung eigener elektronischer Datenerfassungsstationen mit netzwerkfähigen Komponenten zur Gewichtsdatenerfassung und -verarbeitung sowie der Aufbau der Softwareabteilung. Der Neubau in Trimmis wurde mit rund 90 Mitarbeitern bezogen. 1994 wurde die Wägeelektronik eingeführt, die Zusammenarbeit mit Söhnle begann und Heinz Busch übernahm die Geschäftsleitung von Vater Karl. In diese Zeit fällt auch der Bau der ersten Abfüllanlagen für flüssige Stoffe und die Zusammenarbeit mit Feige. 2001 folgte der Aufbau, Vertrieb und Service hochlastiger Fahrzeugwaagen sowie der europaweite Vertrieb mechanischer Plattformwaagen. 2014 dann die Übernahme der Busch-Werke AG durch Bizerba (Schweiz AG) und Gründung der Bizerba Busch AG.

Mit seinen Abfüllsystemen, die für die ganze Welt gefertigt werden, kann Bizerba Busch den Industriekunden, die in den Bereichen Chemie, Farben, Lacke und Baustoffe tätig sind, eine interessante Lösung anbieten: Zum ersten Mal kann man diese Kunden bei der Abfüllung flüssiger Materialien unterstützen.

(ID:46132002)