Management und IT Distributionsstrategien für Automobilzulieferer

Autor / Redakteur: Olaf Jelken und Jan Steffens / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Automobilindustrie vertreibt Ersatzteile vermehrt über das Internet. Die großen 1st-Tier-Supplier ziehen inzwischen nach und überdenken ihre Vertriebswege. Ein Blick in veränderte Marktstrukturen und Auswirkungen auf künftige Logistikprozesse.

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Seit April 2005 wirbt Mercedes-Benz auf Ebay Deutschland mit „Mercedes-Benz-Servicequalität zu Ebay-Preisen“. Beim Ersatzteilkauf werden passende Serviceleistungen im Paket verkauft.Bild: Ebay
Seit April 2005 wirbt Mercedes-Benz auf Ebay Deutschland mit „Mercedes-Benz-Servicequalität zu Ebay-Preisen“. Beim Ersatzteilkauf werden passende Serviceleistungen im Paket verkauft.Bild: Ebay
( Archiv: Vogel Business Media )

Die ersten Automobilkonzerne wie Daimler und Volkswagen vertreiben Ersatzteile im Internet direkt an Endverbraucher. Erste Zulieferunternehmen folgen diesem Trend. Das ergab eine Marktanalyse, die kürzlich von der Unternehmensberatung Rola Business Solutions GmbH aus Berlin in Zusammenarbeit mit namhaften Automobilzulieferern durchgeführt wurde. So vermittelt zum Beispiel der lizenzierte „Bosch-Shop“ auf Ebay seit 2007 nicht mehr hergestellte Kfz-Ersatzteile von Bosch. Der Shop ist auf den Ebay-Seiten von Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien zu finden.

Seit kurzem denken auch andere Automobilzulieferer über einen solchen Schritt nach. Denn private wie auch gewerbliche Kunden haben ein großes Interesse an Ersatzteilen aus dem Internet. Nach einer Umfrage von TNS Infratest haben rund 6% der Befragten im letzten halben Jahr Kfz-Zubehör im Internet gekauft. Neben den günstigeren Preisen gegenüber dem stationären Handel ist für Internetkunden die 24-stündige Erreichbarkeit der Shops sowie der Lieferservice entscheidend.

Verschleißteile eignen sich besonders für das Internet

Es bedarf einer organisierten Logistikplanung, um den Servicegrad kundengerecht einzuhalten. Gefragt sind vor allem Ersatzteile mit geringem Beratungsaufwand bei leichter Einbaubarkeit. Die Analyse ergab, dass sich Verschleißteile wie beispielsweise Scheibenwischer, Bremsscheiben, Bremsklötze oder Reifen besonders für den Onlinehandel eignen. In Deutschland werden bereits mehr als 5% aller Reifen über das Internet verkauft. Bis 2011 wird hierzulande voraussichtlich jeder zehnte Reifen über das Internet online verkauft werden.

Inzwischen werden etwa 80% der Teile eines Automobils von der Zulieferindustrie entwickelt und hergestellt. Entsprechend existieren traditionell zwei Distributionsstrategien: Zum einen werden Automobilhersteller direkt mit Teilen der Zulieferer versorgt, die zur Erstausrüstung oder als Ersatzteil für die autorisierten Werkstätten und Händler benötigt werden. Zum anderen werden die gleichen Teile als Ersatzteile von Zulieferern an Händler, Werkstätten und Werkstatt-Ketten vertrieben. Über diesen Aftermarket im Bereich Pkw werden in Deutschland jährlich etwa 17 Mrd. Euro umgesetzt.

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