Es ist ein bisschen wie mit den Autobahnen und den Lkw: Alle schimpfen über den sprunghaft angestiegenen Transport- und Lieferverkehr in den Innenstädten. Aber niemand will den Komfort missen, den Onlinehandel und andere neue Lieferkonzepte bieten. Aber die City-Logistik wird sich verändern. Jetzt ist die Zeit, zu wechseln.
Das Mikro-Depot von DPD in Berlin befindet sich auf dem Gelände einer Sprint-Tankstelle. Dort ist auch eine Akkuwechselstation von Swobbee in Betrieb.
(Bild: DPD)
Tatsächlich ist der Verkehrsdruck in urbanen Zentren zu einer Herausforderung geworden, sowohl aus der Perspektive des Klimaschutzes als auch der der Verkehrsteilnehmenden – die beispielsweise in Berlin nach Angaben des Verkehrsdatenanbieters Inrix 154 Stunden pro Jahr im Stau stehen und immer seltener StVO-konforme Park- und Haltemöglichkeiten finden. Aber die neuen Einkaufsgewohnheiten können mit den verkehrs- und umweltpolitischen Interessen von Städten versöhnt werden.
Neue Konzepte für die sogenannte „letzte Meile“ können mit dazu beitragen, innerstädtische Transport- und Logistikanwendungen nachhaltiger zu gestalten, Lärm und Verkehr zu senken und zugleich die wirtschaftliche Bilanz der Unternehmen zu verbessern. Insbesondere das Zusammenspiel von dezentralen Mikro-Hubs und Elektrolastenrädern erfährt in diesem Zusammenhang derzeit große Aufmerksamkeit und wird seit Kurzem auch gefördert – über die Mikro-Depot-Richtlinie sowie die E-Lastenrad-Richtlinie des Bundesumweltministeriums.
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Studien, beispielsweise vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), belegen, dass Mikro-Depots mit Lastenrädern den städtischen Verkehr entlasten und KEP-Unternehmen damit zugleich ihre Effizienz steigern können. Eine neue Studie der Technischen Universität München (TUM) und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat am Beispiel von München und Regensburg zudem nachgewiesen, dass rund ein Siebtel der CO2-Emissionen, die durch Auslieferungen verursacht werden, mit Lastenrädern eingespart werden können.
Bis zu 30 Prozent der Transportfahrten können mit E-Lastenrädern erfolgen
Das Nachhaltigkeitspotenzial bei Auslieferungen und Transporten ist also groß, der Anwendungsbereich ebenso: Lastenfahrräder und speziell elektrisch unterstützte Cargobikes können zwar nicht in allen, aber in vielen Fällen Dieseltransporter und andere Lieferfahrzeuge ersetzen. Experten gehen davon aus, dass mindestens 20 bis 30 Prozent des innerstädtischen Warenverkehrs mit Lastenrädern abgewickelt werden können. Die Situation unterscheidet sich von Stadt zu Stadt, wie die aktuelle Studie von TUM und KU zeigt. Die Forscher haben ermittelt, dass in München rund 28 Prozent des Paketaufkommens mit Lastenrädern ausgeliefert werden könnten, in Regensburg sogar 37 Prozent.
Insbesondere in dicht besiedelten Bezirken mit hoher Stoppdichte können E-Cargobikes vorteilhaft eingesetzt werden. Leistungsfähige E-Cargobikes für den professionellen Einsatz sind in zunehmender Zahl vorhanden. Was für eine breite Umsetzung solcher neuer Last-Mile-Konzepte fehlt, ist, neben rechtlichen und infrastrukturellen Verbesserungen, eine Ladeinfrastruktur mit Batteriewechselstationen, die den hohen Effizienz- und Flexibilitätsanforderungen von Logistikern und Transportunternehmen entspricht. Diese Lücke schließt das Swobbee-System.
Swobbee hat eine bereits bestehende Idee aufgegriffen und weiterentwickelt: Batterien einfach tauschen, statt lange am Kabel zu laden. Im Pkw-Bereich ist dieser Ansatz aufwendig und schwer umsetzbar, weshalb sich Wechselsysteme bisher nicht durchgesetzt haben. Bei Elektrokleinfahrzeugen sieht das jedoch ganz anders aus: Die Akkus sind handlich, leicht von den Fahrzeugnutzenden zu handhaben und an kompakten, fast überall installierbaren Stationen selbst zu wechseln. Die Mikromobilität ist ein ideales Anwendungsfeld für moderne Lade- und Tauschsysteme.
Swobbee hat die weltweit erste herstellerübergreifende Akkulade- und -wechselstation für die Mikromobilität mit intermodalem Ansatz entwickelt. An den Swobbee-Stationen können Akkus verschiedener Hersteller sowie Fahrzeugtypen gewechselt werden. Innerhalb weniger Sekunden wird ein leerer Akku gegen einen vollen getauscht. Lade- und Reichweitenprobleme von E-Lastenrädern und anderen Elektrokleinfahrzeugen gehören damit der Vergangenheit an.
Mikro-Depot, E-Lastenrad und Akku-Wechselstation spielen zusammen
Wie dieses Konzept in der Logistikpraxis funktioniert, zeigen verschiedene Pilotprojekte führender Unternehmen aus der KEP-Branche, die Swobbee mit seiner Systemlösung unterstützt. In Berlin hat der Paketdienstleister DPD nach dem erfolgreichen Abschluss des anbieterübergreifenden Projekts zur kooperativen Nutzung von Mikrodepots (KoMoDo) im Januar dieses Jahres ein eigenes Mikro-Depot eröffnet. Damit hat DPD auf das immer höhere Paketaufkommen im Zuge des wachsenden Onlinehandels reagiert.
Stand: 08.12.2025
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Gerd Seber, Group Manager City Logistics and Sustainability bei DPD, verweist darauf, dass insbesondere in Wohngebieten mit hoher Empfängerdichte das Zusammenspiel aus Mikro-Depots, E-Lastenrädern und intelligenter Ladeinfrastruktur auf der letzten Meile besonders effizient und umweltfreundlich ist. Die Pakete werden morgens von einem elektrisch betriebenen VW Ecrafter an das Mikro-Depot geliefert und von dort aus auf E-Lastenräder verteilt, die die umliegenden Zustellgebiete beliefern.
Besonders praktisch: Das DPD-Mikro-Depot befindet sich auf dem Gelände einer Sprint-Tankstelle, auf der bereits eine Swobbee-Akkuwechselstation in Betrieb ist. DPD musste keine eigene Ladeinfrastruktur errichten und hat über ein individuelles Abonnement stets Zugriff auf eine ausreichende Anzahl von Akku-Packs. Solche kooperativen Nutzungsmodelle werden wir in Zukunft viel öfter sehen – sowohl bei Ladeinfrastruktur als auch bei Mikro-Depots.
Mit dem Paketdienstleister Hermes unterhält Swobbee in Berlin eine ähnliche Kooperation. In diesem Fall setzt Hermes auf die alleinige Nutzung einer Akkulade- und -wechselstation, was sich je nach Nutzungsart und -intensität auch empfehlen kann. Martin Mandos, Manager Last Mile bei Hermes in der Area Berlin, sieht in Lade- und Wechselstationen sogar eine Voraussetzung für den Einsatz elektrisch betriebener Lastenräder in der innenstädtischen Belieferung. Natürlich ist das Konzept nicht nur auf die KEP-Branche beschränkt, sondern lässt sich auf alle Bereiche übertragen, die im urbanen Raum mit Transport und Lieferung befasst sind. Zu den Aufgaben von Swobbee als Battery-as-a-Service-Provider gehört nach der Installation auch die Überwachung per Fernwartung und das schnelle Ersetzen defekter Akkus.
Während es auf der technischen Seite mittlerweile immer mehr professionelle Lösungen für die Logistikbranche gibt, sehen wir die größere Herausforderung im Moment darin, geeignete Orte in urbanen Zentren zur Errichtung von Mikro-Depots zu finden. Der Platz in der Stadt ist knapp und umkämpft, weshalb auch innovative Lösungsansätze gefragt sind. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise Container auf Brachflächen zu nennen oder die bereits angesprochenen kooperativen Nutzungsmodelle mit anderen Unternehmen sowie, bezogen auf die Ladeinfrastruktur, Standortpartnern, wie zum Beispiel Tankstellen. Hier sind auch die Stadtverwaltungen und andere kommunale Akteure gefragt, planungs-, ordnungs- und vertragsrechtliche Fragen zu klären und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, um die Etablierung nachhaltiger und stadtverträglicher Transport- und Lieferprozesse zu fördern. Ein Fazit und zugleich Plädoyer, zu dem auch die oben angesprochene Studie von TUM und KU kommt. ■
* Tobias Breyer ist Chief Operating Officer (COO) und Co-Founder der Swobbee GmbH in 12489 Berlin, Tel. +49 30 639287250, info@swobbee.com