RFID Echtzeit-Ortung für Stapler optimiert Materialfluss und Lagerlogistik

Autor / Redakteur: Terry Phebey / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Bei Ortrander Eisenhütte wird zur Staplerortung ein neues Echtzeit-Ortungssystem eingesetzt. Neben dem RFID-System und einer speziellen Staplerwaage bildet das Ortungssystem eine der drei Grundkomponenten für die Projektlösung mit Lagerplatzdefinition.

Firmen zum Thema

Bild 1: Die Ortungsinformationen geben auf 15 cm genau den Stapler-Standort in der in virtuelle Planquadrate unterteilten Halle wieder und werden aufgezeichnet, aufbereitet und visualisiert.
Bild 1: Die Ortungsinformationen geben auf 15 cm genau den Stapler-Standort in der in virtuelle Planquadrate unterteilten Halle wieder und werden aufgezeichnet, aufbereitet und visualisiert.
( Archiv: Vogel Business Media )

Zuverlässige RFID-Erfassung ist im Umfeld von Metallen bestenfalls im Nahbereich möglich. Unter kritischen Bedingungen, etwa in der Metallverarbeitung, ist der Einsatz von RFID bislang kaum vorteilhaft. Vor diesem Hintergrund haben das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Logistiksystemplanung und Informationssysteme (ALI), Cottbus, und die Ortrander Eisenhütte GmbH mit Sitz im brandenburgischen Ortrand in Eigeninitiative ein Forschungsprojekt für ein RFID-basiertes Informationsmanagement bei Produktionsprozessen in rauen Industrieumgebungen aufgelegt.

Seit Anfang des Jahres erprobt die Ortrander Eisenhütte ein RFID-basiertes System zur automatischen Transportbehälterverfolgung. Besonderheit: Material- und Informationsflüsse erfolgen in Kombination mit einem intelligenten Gabelstaplerortungssystem der Ubisense AG, Dortmund, führender Anbieter von Echtzeit-Ortungssystemen (RTLS für Real-time Location System) im Frequenzbereich des Ultra-breitbandes (UWB).

Automatisierte Erfassung trotz schwieriger Bedingungen

Ortrander suchte nach einer Lösung, die trotz schwieriger Bedingungen weitgehend automatisierte Erfassungsprozesse ermöglicht, den Produktionsprozess und die Lagerung transparent hält und ein optimales Lieferantenmanagement ermöglicht. Das Projekt geht nach umfangreichen Tests zur Wahl der geeigneten Komponenten jetzt in die Integrationsphase. Wenn alle Parameter stimmen, werden die Komponenten zwischen Herbst und Frühjahr in die Prototypen eines prozessbegleitenden Gesamtsystems für ein ganzheitliches Flow-Konzept überführt.

Das mittelständische Traditionsunternehmen in der Lausitz ist Produzent und Lieferant von Eisengussteilen. Mehr als 17 Mio. Euro wurden in den vergangenen Jahren investiert, um die Produktionslinien der Ortrander Eisenhütte zu erweitern. Neben einer modernen Formlinie und neuen Maschinen zur Weiterbearbeitung von Gussteilen wurden weitere Montagebänder und ein modernes Auslieferungslager eingerichtet. Mehr als 35 000 t umfasst die jährliche Gusskapazität inzwischen – 45% davon Produkte für Haushalt und Maschinenbau, 30% Heizgeräte und 25% für den Automotive-Bereich. Mittlerweile sind bis zu 10 000 Behälter im Umlauf. Bei diesem stark gewachsenen Produktionsaufkommen waren die alten, wenig automatisierten Materialflüsse, Lagerungs- und Informationsprozesse nicht mehr zeitgemäß. Produktivität und Lieferqualität wurden zunehmend beeinträchtigt, daher musste gehandelt werden.

Unter Einbindung des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Logistiksystemplanung und Informationssysteme (ALI) entschied sich die Unternehmensführung für eine umfassende, ganzheitliche Lösung, die neben transparenter Behälterverfolgung und Stellplatzerfassung geeignet war, die Durchlaufzeiten der Aufträge zu reduzieren und die Bestandsmengen auszuweisen.

Die Grundkonzeption beinhaltete eine RFID-Behälterkennung, über die automatisch erfasst werden kann, was transportiert wird. Wo die Behälter abgestellt werden, sollte mit einer Staplerortung ermittelt werden. Dazu wurden mehrere Systeme geprüft. Der Zuschlag fiel auf das UWB-Echtzeit-Ortungssystem von Ubisense. Herkömmliche WLAN-Modelle scheiterten an der Metallreflexion. Alternativen, die etwa im Fußboden verlegt werden, waren zu aufwändig und zu unflexibel für künftig eventuell veränderte Lagerzonen. Das Ubisense-System im Frequenzbereich des Ultrabreitbandes bietet Lösungen, die mit anderen Systemen nicht möglich wären.

(ID:265350)