Kransysteme

Ein Coilkran für zwei

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Der neue 20-t-Kran dient zum Heben schwerer Blechcoils. Die Last wird auf vier Krankopfträger und acht Räder verteilt.
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Der neue 20-t-Kran dient zum Heben schwerer Blechcoils. Die Last wird auf vier Krankopfträger und acht Räder verteilt. (Bild: Stahl Cranesystems)

Mit einem maßgeschneiderten 20-t-Kran von Innokran und Stahl Cranesystems kann Kienle+Spiess zukünftig effektiver arbeiten.

In einer Halle von Kienle+Spiess im schwäbischen Sachsenheim werden Blechrollen von Güterwagen und Lkw abgeladen, gelagert, bearbeitet und wieder auf Lkw verladen. Die bis zu 10 t schweren Rollen, auch Coils genannt, wurden bislang mithilfe von drei Hallenkranen transportiert. Zwei dieser Krane aus dem Jahre 1966 mussten nun ersetzt werden: Regelmäßige Reparaturen, aufwendige Instandhaltungen und sich häufende Stillstandzeiten verursachten zuletzt Kosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Jahr, was für die Investition in eine neue Krananlage sprach.

Das steigende Sicherheitsrisiko wollte man nicht eingehen

Zuvor mussten jedoch mehrere Fragen geklärt werden: Benötigt das Unternehmen überhaupt einen Kran, oder wäre der Coil-Transport auch per Schwerlaststapler möglich? Dagegen sprachen allerdings nicht nur der erhöhte Platzbedarf am Boden sowie der Zeitverlust durch das Rangieren der Stapler. Besonders das steigende Sicherheitsrisiko bei zusätzlichen Bewegungen unterhalb des dritten Kranes, der auch weiterhin zum Be- und Entladen der Lkw benötigt wird, wollte die Geschäftsführung nicht eingehen.

20-t-Kran steigert die Kapazität

So entschied sich Kienle+Spiess für einen neuen Kran. Die Idee: Eine neue, schnellere Krananlage mit 20 t Tragfähigkeit soll die reparaturanfälligen 13-t-Krane ersetzen und zusätzlichen Spielraum für zukünftige Kapazitätssteigerungen bieten. Die Konstrukteure des Pleidelsheimer Kranbauers Innokran nahmen die Herausforderung an und entwickelten mit Krankomponenten von Stahl Cranesystems die passende Lösung.

Seinem Motto „agieren statt reagieren“ folgend ergriff Kienle+Spiess die Initiative und beauftragte Innokran mit dem Bau der außergewöhnlichen Kranlösung. Außergewöhnlich in mehrfacher Hinsicht: Die bestehende Kranbahn, eine relativ niedrige Decke und eine inmitten der Halle platzierte, 5,30 m hohe Stanzmaschine gaben den Konstrukteuren wenig Spielraum, um den großen Zweiträgerlaufkran mit Obergurtlaufkatze und Kranführerkabine in die Halle einzupassen. Beim Überfahren der Stanzmaschine bleiben nur 10 cm Abstand zur Führerkabine, zu wenig, um den Sicherheitsvorschriften zu genügen. Deshalb sah Innokran für den normalen Betrieb eine Umfahrung dieses Bereichs vor. Nur bei Wartungsarbeiten oder einem Werkzeugwechsel an der Stanzmaschine darf diese Umfahrung vorübergehend vom Kranführer per Schlüsselschalter überbrückt werden.

Die bestehende Kranbahn ist nur für die Radlasten der 13-t-Krane ausgelegt. Um den neuen 20-t-Kran auf der bestehenden Kranbahn nutzen zu können, musste die höhere Last auf mehrere Räder verteilt werden. Die Lösung von Innokran: Der Kran läuft auf vier Stahl-Cranesystems-Krankopfträgern mit insgesamt acht Rädern. Dadurch sinkt die Last auf dem einzelnen Rad, zusätzlich liegen die äußeren Räder weiter auseinander, wodurch die Kräfte auf der Kranbahn auf eine längere Strecke verteilt werden.

Funkfernsteuerung aus der Vogelperspektive

Gesteuert wird der Kran wahlweise aus der Führerkabine oder per Funkfernsteuerung. Die Entscheidung für eine Führerkabine lag für das Unternehmen auf der Hand: In der 65 m langen Halle müssten die Kranführer lange Wege zu Fuß zurücklegen. Zudem ist das Aufnehmen und Platzieren der schweren Coils aus der Vogelperspektive einfacher. Frequenzumrichter an den Fahrmotoren und am Hebezeug ermöglichen ein ruckfreies Beschleunigen und feinfühlige Hebevorgänge, was das schnelle, präzise Arbeiten erleichtert und zudem den Komfort für die Kranführer in der Führerkabine erhöht.

Ob Segmente für Windgeneratoren, Pakete für Traktionsmotoren oder Ankerbleche für Universalmotoren, das Produktprogramm von Kienle+Spiess deckt alle Anwendungsbereiche von Elektromotoren und Generatoren ab. Die Produktion der Stanzteile läuft im Zweischichtbetrieb, entsprechend stark wird auch der neue Kran beansprucht. Hochbelastungszeiten sind besonders am Vormittag und am frühen Mittag, wenn die Lkw be- und entladen und die Coils innerhalb der Halle bewegt werden müssen. Die hohe Einstufung des Hebezeugs nach FEM M7/4m (bei 20 t) und M8/5m (bei 16 t Traglast) wird dieser dauerhaften Beanspruchung gerecht. Als Hubwerk platzierte Innokran zwei robuste AS7-Seilzüge von Stahl Cranesystems in Zwillingsausführung auf der Laufkatze. Der sogenannte AS7 ZW konnte hier viele seiner Vorteile ausspielen: Seine kompakte Bauform machte sich bei der geringen Deckenhöhe bezahlt, die hohe Hubgeschwindigkeit entsprach dem Wunsch von Kienle+Spiess, mit nur einem Kran die zwei ausrangierten Krane zu ersetzen. Seine gegenläufige Seilführung verhindert die Hakenwanderung und erlaubt es, auch schwere Lasten sehr exakt abzusetzen. Das macht den Umschlag der Blech-Coils schneller und sicherer.

Sonderausführungen ermöglichen eine kontinuierliche Lasterfassung

Neben dem Zwillingshubwerk ist die gesamte Kransteuerung mitsamt der Frequenzumrichter auf der Laufkatze montiert – eine Sonderausführung von Stahl Cranesystems, die es Innokran ermöglichte, Hebezeug und Kranelektrik bereits vor der Verbindung mit der Kranbrücke zu testen. Ebenfalls zur Sonderausstattung zählt der Summenlastcontroller SMC21. Diese Komponente garantiert die kontinuierliche Lasterfassung über einen analogen Lastmesssensor und die Abschaltung der Hubbewegung bei Überlast. Der SMC21 ermittelt das Lastkollektiv, die Zahl der Betriebsstunden und der Volllastbetriebsstunden, er dokumentiert Motorschaltungen und weitere Nutzungsdaten. Hauptkriterien wie die Anzeige der Generalüberholung sind über Dioden ersichtlich, alle weiteren Daten lassen sich per Notebook auslesen. Eine weitere Funktion ist das integrierte Motormanagement zur Schonung der Anlage: Dazu zählt die Unterdrückung des Tippbetriebs der schnellen Hubgeschwindigkeit, das Anfahren und Bremsen über einen Feinhub, sowie die Überwachung der Kaltleitertemperaturfühler des Hubmotors.

Für die Demontage der alten Krane bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage veranschlagte Innokran drei Wochen. Hilfreich war neben der Erfahrung der Innokran-Experten der erhöht laufende, dritte Hallenkran, mit dessen Unterstützung die halbierten, alten Kranbrücken auf Lkw verladen wurden. Bei einer Spannweite von 34,8 m wurde die Installation der zwei neuen Kastenträger zur kniffligen Millimeterarbeit, doch alles verlief nach Plan. Die Anlage ist seit Anfang 2013 permanent im Einsatz, erreicht den veranschlagten Materialumschlag und auch die Kranführer von Kienle+Spiess sind von dem neuen Kran begeistert. MM

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