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Weltraumlogistik Ein Leben für die Rakete

Arktis, Antarktis, australisches Outback oder Brasilien — Wolfgang Jung ist mehrere Monate im Jahr an den entlegensten Orten der Welt. Dort bereitet er wissenschaftliche Höhenforschungsraketen (Raketensonden) für ihren Flug ins All vor und startet sie auch.

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Logistiker für die Wissenschaft: Raketeningenieur Wolfgang Jung. Bild: DLR
Logistiker für die Wissenschaft: Raketeningenieur Wolfgang Jung. Bild: DLR
( Archiv: Vogel Business Media )

Weltweite Einsätze, Fremdsprachenkenntnisse und die Fähigkeit, im Extremfall aus dem Nichts eine funktionierende Raketenstartanlage aufzubauen: Wer bei der mobilen Raketenbasis des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet, sollte ein technisch versierter Globetrotter und ein Organisationstalent sein. „Wenn man Glück hat, gibt es am Startplatz eine ebene Fläche“, flachst Wolfgang Jung und lacht.

Der 43-Jährige leitet die Gruppe „Startdienste“ bei der Moraba, die zur DLR-Einrichtung „Raumflugbetrieb und Astronautentraining“ gehört. „Unsere Aufgabe besteht darin, wissenschaftliche Experimente unter bestimmten Bedingungen zu einer bestimmten Zeit mit einer bestimmten Geschwindigkeit an einen bestimmten Ort zu bringen“, erzählt der gebürtige Rheinländer.

Trägerraketen für wissenschaftliche Experimente

Die Raketen tragen wissenschaftliche Experimente mit biologischen, materialwissenschaftlichen oder physikalischen Proben an Bord, die in 50 und 1500 km Höhe durchgeführt werden. Hier herrscht nahezu Schwerelosigkeit. Darüber hinaus kann mit den Höhenforschungsraketen das Klima, also die Zusammensetzung der Atmosphäre, untersucht werden. Für Hyperschalltechnologien bieten sich Höhenforschungsraketen ebenfalls als Experimentalplattform an. „Wir können zum Beispiel neuartige Konturen und Materialien für Thermalschutzsysteme testen“, berichtet Jung. Diese spielen beim Wiedereintritt von Raumschiffen in die Erdatmosphäre eine entscheidende Rolle.

Jung und seine Kollegen sorgen auch dafür, dass die Proben unversehrt und am gewünschten Ort wieder auf dem Erdboden landen. Die an den Experimenten beteiligten Wissenschaftler können dann die Ergebnisse auswerten. In 15 Jahren bei der mobilen Raketenbasis hat Jung 75 Kampagnen organisiert und begleitet. Und ist dabei immer noch so begeistert wie am ersten Tag: „Für einen Raumfahrtingenieur ist das hier das Schlaraffenland“.

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