Informations- / Kommunikationsindustrie ERP-System bietet Prozessplanung mit Engineering-Kompetenz

Autor / Redakteur: Von Volker Vorburg / Jürgen Schreier

Gleich nach der Wende entschied sich der Sondermaschinenbauer Kocher-Plastik für eine Zusammenarbeit mit dem Jenaer ERP-Softwarehaus Godyo – einer Gründung ehemaliger Zeiss-Jena-Mitarbeiter. Die Partnerschaft beider Unternehmen besteht bis heute. Zur Anwendung kommt bei Kocher-Plastik der ERP-Standard Godyo P/4.

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Der Sondermaschinenbauer Kocher-Plastik setzt auf das ERP-System P/4 von Godyo, das eine enge Verzahnung mit der Produktion bietet.
Der Sondermaschinenbauer Kocher-Plastik setzt auf das ERP-System P/4 von Godyo, das eine enge Verzahnung mit der Produktion bietet.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Kocher-Plastik Maschinenbau GmbH, Sulzbach-Laufen, ein Unternehmen der Hansen-Gruppe, entwickelt und produziert mit 360 Mitarbeitern Sondermaschinen für die Verpackung flüssiger und pastöser Stoffe in Kunststoffgebinde nach dem Blow-Fill-Seal-Verfahren. Der Vertrieb erfolgt über die Verkaufsfirmen Rommelag in Deutschland, der Schweiz, den USA und China.

Ende der 80er Jahren verwendete man als Produktionplanungs- und Steuerungs-Software (PPS) das Programm „Hofert“ der Firma Holzapfel. Nach deren Insolvenz übernahm eine Anwendergruppe aus zehn Firmen das Programm und übertrug dem Jenaer Softwarehaus Godyo die Weiterentwicklung und Wartung des nun „Phoenix“ genannten PPS-Systems.

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Für die Jenaer Godyo AG, deren Gründer alle aus der IT- und Organisationsabteilung der Zeiss-Jena-Entwicklung kamen, entschied man sich wegen der Erfahrung und Kompetenz im Software-Engineering. IT-Leiter Peter Kraft erinnert sich: „Die Fachwelt lachte damals über uns. Niemand setzte großes Vertrauen in unser Projekt. Aber aufgrund der bei Godyo vorhandenen Kenntnisse im Engineering und Re-Engineering ist selten ein Programm so nah an der Praxis entwickelt worden.“

Aufbauend auf den Anforderungen der Anwendergruppe – Serienfertiger, Kleinserienfertiger und Einzelfertiger – resultierte Ende der 90er Jahre dann ein ERP-Standard, das derzeitige P/4.

ERP-System P/4 ist update-fähig dank XML-Basis

Bei Kocher-Plastik wollte man nicht mit EDI arbeiten, da ein proprietäres Datenverwaltungssystem dahinter steht, dessen Aufbau entsprechend veraltet ist. „Wir arbeiten auf XML-Basis, also mit moderner, Update-fähiger Technik“, erläutert Kraft.

Daher gibt es in P/4 einen Webprozessor mit einer Datenaustauschkonzeption des Maschinenbauers, der darüber mit allen Gruppenmitgliedern Stammdaten sowie Geschäftsprozesse für den Verkaufsbereich austauscht und auch die gruppenweit verfügbare Übersetzungsdatenbank hier zur Verfügung stellt.

Schnelle Nachkalkulation mit der ERP-Software möglich

Martin Schneider, Mitglied der Geschäftsleitung, nennt ein anderes Thema: „Für unsere Ansprüche dauerte die Nachkalkulation zu lange. Wir wollen wissen, was wir an der Maschine verdienen, die gerade zum Kunden gebracht wird und das nicht erst in acht Wochen.“

Die Schwierigkeit bestand darin, dass Verkaufsposition und technische Position nicht identisch sind. Die Stückliste ist nicht – wie meist üblich – in einem durchstrukturiert, sondern in bis zu 100 Baukästen aufgeteilt, die auch als Einzelaufträge erscheinen.

Die Zusammenführung geschieht nun über eine Nullstückliste, die unter einem Oberteil die entsprechenden Baukästen aufführt. Mit einer zentralen Maschinennummer und einer Identnummer für den laufenden Auftrag lässt sich jetzt jede Maschine schon während des Produktionsprozesses dem entsprechenden Projekt zuordnen.

ERP-System ermöglicht Arbeit nah am Kunden

Die neuen Planungsalgorithmen für Material- und Zeitwirtschaft arbeiten mit einem Kapazitätspool, der nicht linear, sondern nach Volumen plant. Dabei wird der Planungsbedarf täglich errechnet.

Lastet man einen zusätzlichen Auftrag mit höchster Priorität ein, meldet das System nicht etwa, dass die Kapazitäten bereits ausgelastet sind. Vielmehr lassen sich verlängerte Werkbänke oder alternative Arbeitspläne in den laufenden Produktionsprozess eingliedern.

Auftauchende Probleme oder Anpassungswünsche, die über eine Konfiguration hinausgehen, setzt man in Jena in Release Notes um, die regelmäßig verschickt werden. Bei Kocher-Plastik prüft man sie in einem Testsystem auf Tauglichkeit und Nutzen. Bei Bedarf werden sie dann von Godyo remote in den Echtbetrieb implementiert.

Dazu Kraft: „Diese enge Kommunikation mit unserem Lieferanten ist so dynamisch und flexibel, dass wir alle Verbesserungen und Erweiterungen sofort umsetzen können.“ Und Schneider ergänzt: „Die wirkungsvolle Kombination von Praxisnähe und organisatorischen Komponenten ist für uns eine wichtige Hilfe im täglichen Geschäft und bei strategischen Planungen.“

Volker Vorburg ist Fachpublizist in Leonberg. Weitere Informationen: Godyo AG, Jens Schenderlein, Leiter Business Solutions, 07745 Jena.

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