Lagerplanung

Im Holodeck wird Virtuelles ganz konkret

| Redakteur: Bernd Maienschein

Die fortschrittlichste Visualisierungssoftware erlaubt logistische Planungen in Echtzeit nach dem Baukastenprinzip.
Die fortschrittlichste Visualisierungssoftware erlaubt logistische Planungen in Echtzeit nach dem Baukastenprinzip. (Bild: ARTs-UNLIMITED)

Als Softwareunternehmen gestartet, will man bei Ehrhardt + Partner mit einer Reihe von Weiterentwicklungen weltweit als Anbieter eines Supply-Chain-Execution-Systems wahrgenommen werden – als „Gehirn der Logistik“. Das neue Holodeck am Heimatstandort und der Bau des weltweit größten Lagerkomplexes in Katar zeugen von den ambitionierten Visionen der Intralogistikexperten.

Aktuell 530 Mitarbeiter hat Ehrhardt + Partner (E+P), Anbieter des weltweit eingesetzten Lagerverwaltungssystems LFS – bei E+P heißt es „Lagerführungssystem“ (LFS). Davon sind 300 Personen am Heimatstandort im Industriegebiet Hellerwald in Boppard-Buchholz im Großraum Koblenz tätig. Marco Ehrhardt, geschäftsführender Gesellschafter des Intralogistikexperten, sieht sein Unternehmen sich in Richtung 600 bis 700 Mitarbeiter bewegen, „irgendwann vielleicht auch ein bisschen mehr“, wie er sagt. Viele junge Familien aus dem Großraum Frankfurt und Köln ziehe es aufs Land. Aber erst einmal ist Ehrhardt zufrieden mit dem gerade Erreichten: Am Heimatstandort wurde eine neue Immobilie hochgezogen, Platz für 100 weitere Arbeitsplätze.

Mit zwölf Personen in der Mixed Reality

Das Highlight des Neubaus aber ist ein Raum völlig ohne Fenster, 7 m × 7 m × 6 m und mit einer unscheinbaren Tür im obersten Stockwerk, gleich neben dem gemeinschaftlichen Fitnessraum und der Sonnenterrasse. E+P-Marketingdirektor Dennis Kunz hat das „Projekt Holodeck“, das jetzt einigen Journalisten vorgestellt wurde, als Masterthesis seines Studiums über ein Jahr begleitet. Ehrhardt + Partner nutzt die virtuellen Umgebungen des Holodeck konkret für die Lagerplanung. „Wir haben einen Raum geschaffen, der mit bis zu zwölf Personen besetzt werden kann. Die Vision Star Trek kennen Sie alle“, so Kunz bei der Einführung ins Holodeck. „Jetzt, 50 Jahre später, haben wir es zwar nicht geschafft, ein Raumschiff zu bauen, das durch Raum und Zeit fliegen kann. Aber wir haben es geschafft, ein Holodeck zu bauen – einen Raum, in dem virtuelle Umgebungen möglich sind.“

Will das größte Warehouse der Welt bauen: E+P-Geschäftsführer Marco Ehrhardt.
Will das größte Warehouse der Welt bauen: E+P-Geschäftsführer Marco Ehrhardt. (Bild: Bernd Maienschein)

Ehrhardt + Partner ist als Softwareunternehmen gestartet mit dem LFS als Kernprodukt, das heute weltweit eingesetzt wird und einer Philosophie, die immer auf das Vorausdenken ausgerichtet war. Die Vision Ehrhardts ist, als Anbieter eines Supply Chain Execution Systems wahrgenommen zu werden – „als das Gehirn der Logistik, das alle Prozesse der Logistik steuert“.

Katar baut weltgrößtes Lager

Perspektivewechsel. Wenn Marco Ehrhardt im Anschluss an seine Holodeck-Vorstellung von fernen Ländern spricht – in diesem Fall über Dubai und Katar – hat das einen ganz konkreten Grund: Neben der Dubai Logistics City schickt sich auch Katar an, ein „Big Player“ auf dem Logistikmarkt zu werden. Nachdem man einige Gespräche in Katar geführt hat, wurde auf dem deutsch-katarischen Wirtschaftsforum kürzlich in Berlin, auf dem die Kanzlerin und die meisten Minister aus Katar anwesend waren, eine Absichtserklärung unterschrieben. Nichts Geringeres als das größte Warehouse der Welt soll in Katar entstehen und E+P wird mit seinem Partner NBK International sowohl den Bau als auch den anschließenden Betrieb verantworten (wir berichteten). „Wir reden im Moment von einem Flächenbedarf von 600 Fußballfeldern. Der Bedarf ist da – über Qatar Airways, den Staat und die einzelnen Industrien.“ Aus dem zentralen Warehouse heraus sollen dann sämtliche eingelagerten Güter verteilt werden, von Tiefkühlwaren, Fashion, Spare-Parts bis hin zu pharmazeutischen Produkten.

Da trifft es sich gut, dass E+P bereits in Dubai vertreten ist. „Mit unserer Mannschaft, mit den 25 Kollegen vor Ort, sind wir in der Lage, so ein Projekt mit deutscher Beteiligung zu stemmen“, ist Ehrhardt sicher.

Weitere Beiträge des Unternehmens:

EPG

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