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Logistics-IT IT für professionelle Fahrzeuglogistik

Für eine maßgeschneiderte IT-Lösung in der Fahrzeuglogistik des Softwareanbieters Inform erhielt ASB Logistics die höchstmögliche Förderung des von der EU geförderten Digitalbonus Bayern. Mit der durchgängigen Steuerung und Optimierung aller Transport- und Werkstattprozesse will ASB alle Prozesse digitalisieren und jederzeit verlässlich und flexibel auf Kundenanfragen reagieren. Ziel ist es, die Führungsposition in einer sich schnell wandelnden Branchenumgebung auszubauen.

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Inform und ASB Logistics entwickeln eine maßgeschneiderte Individuallösung in der Fahrzeuglogistik. Dafür bekam ASB Logistics die höchstmögliche Förderung des von der EU geförderten Digitalbonus Bayern.
Inform und ASB Logistics entwickeln eine maßgeschneiderte Individuallösung in der Fahrzeuglogistik. Dafür bekam ASB Logistics die höchstmögliche Förderung des von der EU geförderten Digitalbonus Bayern.
(Bild: Inform)

„Willkommen im Herzen Europas“, begrüßt Christian Binder seine Kunden in Röhrnbach, einer kleinen Ortschaft im Südosten Deutschlands, etwa 30 min von Passau entfernt. Binder ist seit 14 Jahren Geschäftsführer von ASB Logistics. Mit über 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von aktuell rund 11,5 Mio. Euro zählt ASB in der Welt der Speditionen zu den mittelständischen Unternehmen. Um die 60.000 Fahrzeuge und Fahrzeugkomponenten transportiert und modifiziert ASB jährlich. Dazu zählen Neu- und Gebrauchtwagen, aber auch Spezialtransporte von Wohnmobilen, Traktoren, Booten sowie Bau- und Landmaschinen bis hin zu ungewöhnlichen Sondertransporten. „Alles, was brummt“, sagt Binder.

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Mit seiner Begrüßung meint er es ernst: „Vor sieben oder acht Jahren habe ich mir über unseren Standort Gedanken gemacht. Ich habe unseren und alle Standorte von Fahrzeuge produzierenden Werken in Europa auf einer Karte eingezeichnet. Wenn man die Entfernungen per Lineal jeweils mit unserem Standort verbindet, erkennt man, dass wir uns sehr zentral in der Mitte ihres Transportnetzwerks befinden.“ Um seinem Unternehmen jenseits des günstigen Standorts noch einen weiteren Wettbewerbsvorteil hinzuzufügen, investiert er engagiert in die Digitalisierung all seiner Prozesse.

Transportlösungen noch am selben Tag

„Große Speditionen setzen vor allem auf Masse“, sagt Binder. „Sie halten langfristige, aber auch starre Verträge mit den Automobilherstellern.“ Dieses Vorgehen hält der Geschäftsführer für sein Unternehmen jedoch nicht mehr für zeitgemäß. „Wenn ein Automobilhersteller nachmittags um 17 Uhr anruft, weil sie spontan 1000 Neufahrzeuge auf einem Autoterminal unterbringen und möglicherweise sogar noch mit weiteren Komponenten umrüsten lassen wollen, haben wir noch am selben Tag eine Lösung. Diese Flexibilität zeichnet uns aus. Die großen Speditionen müssen da zunächst eine Woche lang ihre bestehenden Kapazitäten und Verträge prüfen, um festzustellen, ob sie ihre Ressourcen entsprechend auslasten können.“

Einen guten Teil dieser Flexibilität schöpft ASB aus seinem neuen IT-System für die Fahrzeuglogistik vom Aachener Optimierungsspezialisten Inform. Gemeinsam entwickelten die beiden Unternehmen eine auf die Prozesse von ASB angepasste, skalierbare Lösung. Zum einen bietet das System durchgängige Echtzeit-Transparenz über alle Transporte, Fahrzeuge, Komponenten, Personal und Aufträge, zum anderen steuern und optimieren intelligente Algorithmen auf Basis von Operations Research und Künstlicher Intelligenz die betrieblichen Abläufe in allen Phasen des Lager-, Werkstatt- und Transportprozesses.

„Unser System plant alle bekannten Aufträge ein und bringt die einzelnen Arbeitsschritte in konkrete, optimierte Reihenfolgen, damit ASB seine vorhandenen Kapazitäten bestmöglich auslasten kann“, erklärt Hartmut Haubrich, Direktor Vehicle Logistics Systems bei Inform, die wesentlichen Funktionen des Systems. „Die Kunst ist, dass dadurch die vorhandenen Aufträge so auf die Kapazitäten verteilt sind, dass alle Termine eingehalten werden können.“ Konkret steuern und optimieren die Algorithmen:

  • alle Fahrzeugbewegungen (Wo parkt welches Fahrzeug wann oder wann muss es in der Werkstatt an welchen Arbeitsplatz?),
  • die Schichtplanung der Mitarbeiter (Wer macht was wann?),
  • die Reihenfolge der Auftragsabwicklung in der Werkstatt (Welches Fahrzeug braucht welche Modifikationen, Untersuchungen, Waschen, Reparaturen etc. wann?)
  • sowie die Teiledisposition im Lager (Klimaanlagen, Reifen, Nummernschilder etc.).

„Inform hilft uns dabei, die Prozesse und Abläufe in unserem Logistikzentrum mit weniger Organisation besser zu strukturieren“, fasst Binder zusammen. „Zur Bewältigung unserer wachsenden Auftragslast hätte ich schon drei neue Mitarbeiter nur für die Abwicklung der Bürokratie einstellen müssen, die wir jetzt automatisiert bewältigen. Wir sind 20 bis 30 Mal schneller als vorher.“

Wachstum durch Flexibilität

Damit das neue System in Echtzeit arbeiten kann, sind alle Mitarbeiter mit mobilen Geräten ausgestattet, auf denen eine mobile Applikation von Inform läuft. Dort finden sie ihre jeweils unmittelbar nächste Aufgabe und geben per Knopfdruck Rückmeldung über den Beginn und die Fertigstellung aller Arbeitsschritte sowie etwaige Störungen.

Viele Routinetätigkeiten ließen sich dadurch signifikant verkürzen. Hat ein gelieferter Neuwagen beispielsweise einen Kratzer abbekommen, mussten die Mitarbeiter früher zunächst manuell eine Freigabe für das Fotografieren des Fahrzeugs einholen. Dazu mussten sie die Fotos anfertigen, diese von der Kamera auf einen PC herunterladen, manuell prüfen, die Bilder bearbeiten, sortieren, einen Schadensbericht schreiben, unterschreiben lassen, an den Kunden schicken, dem Kunden antworten, eine Reparaturgenehmigung einholen und vieles mehr. Heute macht der Mitarbeiter die Fotos mit der mobilen Applikation, gibt einen Schadenscode ein und erstellt einen Reparaturauftrag. Alles andere geschieht im Hintergrund automatisch.

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Schlüsselziele
  • maßgeschneiderte Lösung für Fahrzeuglagerung, Werkstatt- und Transportmanagement,
  • vollständige Transparenz über die gesamte Lieferkette,
  • Flexibilität und Zuverlässigkeit schon in der Planung,
  • optimierte Auslastung aller Ressourcen wie Fahrzeug, Personal, Hebebühne oder Ersatzteile.

„Ich sehe in der IT weit mehr als nur einen lästigen Kostenblock“, sagt Binder. „In unserer Branche verändert sich momentan alles. Seit Januar 2020 kann man über Amazon Sprinter bei Daimler bestellen. Da kommt man mit alten Verträgen nicht mehr weit.“ Um sein Wachstum weiter ankurbeln zu können, setzt ASB daher sowohl auf die flexible Bearbeitung von Aufträgen der Hersteller als auch auf das Endkundengeschäft, das häufig eher spontan abläuft. So suchen Kleinstunternehmen, zum Beispiel Landwirte, aber auch Fahrzeug- und Baumaschinenhändler oft von heute auf morgen nach einer Transportlösung für ihre Fahrzeuge. „In diesem Segment bietet der Markt noch viel Potential“, so Binder. „Das B2C-Geschäfts wird zunehmen und den ein oder anderen Händler außen vor lassen“, ergänzt Haubrich. „Uns ist darum wichtig, frühzeitig effiziente Systeme zur Verfügung zu stellen, durch die sich die Transformation mitgestalten lässt.“

Vorbild in der Digitalisierung

Das gemeinsame Projekt von ASB und Inform wurde mit dem Höchstzuschuss von 50.000 Euro durch den Digitalbonus der Europäischen Union gefördert, der vom Land Bayern genehmigt wurde. Der Digitalbonus fördert Initiativen wie diese und unterstützt dadurch die Zukunftsfähigkeit heimischer Betriebe. Binder ist stolz auf die Anerkennung, denkt aber auch kritisch an die Antragsphase zurück. Nur drei Unternehmen haben sich in seinem Landkreis Freyung-Grafenau auf die Förderung beworben; lediglich ASB bekam die Bewilligung. „Es war ein hochkompliziertes Verfahren mit vielen Detailfragen der Behörden. Wir haben auch hier intensiv und gut mit Inform zusammengearbeitet, um die Innovation und die technischen Verfahren genauestens zu erklären.“ Die Hälfte der von der EU in diesem Bereich zur Verfügung gestellten Fördermitteln werden wegen dieser Komplexität gar nicht erst abgerufen, sagt er.

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Hauptergebnisse
  • vollständige Digitalisierung der Logistikprozesse,
  • 20 bis 30 Mal schnellerer Durchlauf dank automatisierter Prozesse und einfacher Bedienbarkeit der mobilen App,
  • Echtzeit-Transparenz und -Reaktion in allen Prozessen,
  • Lösungsfindung für Eilaufträge noch am selben Tag möglich,
  • optimierte Planung aller Fahrzeugbewegungen, der Lkw-Beladung, der Auftragsreihenfolge, des Dienstplanes sowie der Ressourcenauslastung,
  • hoher Automatisierungsgrad aller administrativen Prozesse.

Die Entwicklungs- und Antragsphase erstreckten sich über gut ein Jahr. Seit November 2019 ist die Gesamtlösung mit sehr guten Ergebnissen bei ASB im Einsatz. Der Digitalbonus wurde im März 2020 ausgeschüttet. Doch damit ist die Zusammenarbeit noch nicht zu Ende. In Zukunft soll die Gesamtlösung um die Planung und Optimierung aller Transporte sowie Machine-Learning-Funktionalitäten ergänzt werden, mit denen die Planung noch präziser wird. Außerdem möchte Binder eine App-gesteuerte Transportplattform entwickeln, mit der die Buchung von Fahrzeugtransporten so einfach wird wie die Buchung eines Flugs. „Und denken Sie an die allgegenwärtige Herausforderung der Nachhaltigkeit“, sagt Binder. „Wir können einen guten Beitrag zur Senkung von klimaschädlichen Emissionen leisten, indem wir unsere internen wie externen Transporte optimieren. Per Algorithmus lassen sich unsere Kapazitäten optimal auslasten und unnötige Bewegungen der Fahrzeuge vermeiden.“ ■

* Weitere Informationen: Inform GmbH, 52076 Aachen, Tel. (0 24 08) 94 56-0, info@inform-software.com

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