Suchen

Supplier Risk Management Königsdisziplin im Einkauf

| Autor / Redakteur: Sascha Kleemann / M. A. Benedikt Hofmann

Nicht jeden Tag legt ein Vulkanausbruch auf Island den Flugverkehr in Europa lahm. Oft sind es sehr viel kleinere Ereignisse, die ganze Unternehmensbereiche zum Stillstand bringen. Ein gezieltes Lieferantenrisikomanagement identifiziert mögliche Gefährdungen, bevor sie zum Tragen kommen und erhöht funktionsübergreifend das Bewusstsein für Faktoren, die zu Produktionsausfällen führen können.

Firmen zum Thema

Risikoprävention ist eine wichtige Teildisziplin des Lieferantenmanagements und jedes Unternehmen, egal wie groß, sollte seine Gefährdungen kennen.
Risikoprävention ist eine wichtige Teildisziplin des Lieferantenmanagements und jedes Unternehmen, egal wie groß, sollte seine Gefährdungen kennen.
(Bild: Ulla Laux)

Das Risiko hat viele Gesichter. Naturkatastrophen oder politische Unruhen sind naheliegende Störfaktoren für Lieferketten. In jüngster Zeit ist die Gefahr von Unternehmensinsolvenzen in BRIC-Staaten hinzugekommen, die für deutsche Unternehmen kritisch werden kann: Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Ländern wie China deutlich weniger offizielle Quellen wie Unternehmensauskünfte, um die finanzielle Situation eines Zulieferers zu prüfen und Insolvenzverfahren sind nur schwach reglementiert. Lieferanten können quasi über Nacht „verschwinden“. Wer hier keinen Plan B hat, kann schnell in Schwierigkeiten kommen.

Keine Frage der Größe

Risikoprävention ist eine wichtige Teildisziplin des Lieferantenmanagements und jedes Unternehmen, egal wie groß, sollte seine Gefährdungen kennen. Eine Handvoll Lieferanten ist vergleichsweise einfach zu überblicken. Doch bei einer größeren Zahl, globalen Lieferketten und komplexeren Unternehmensstrukturen ist dies ohne eine Risikomanagement-Strategie nicht mehr möglich. Nur ein auf die spezifischen Prozesse abgestimmter methodischer Ansatz mit konkreten Maßnahmen ermöglicht es, die Risiken im Griff zu halten. Das Risikomanagement-Konzept der Deutsche Business Consulting GmbH (DBC) umfasst vier Schritte und gibt Kunden ein einfach bedienbares Tool an die Hand, das sie selbstständig betreiben können:

Schritt 1: Kenne Deine kritischen Lieferanten (Risikoidentifikation).

Die anspruchsvollste Aufgabe beim Aufbau einer Strategie für das Lieferantenrisikomanagement ist es, alle kritischen Lieferanten zu identifizieren. Hier lohnt es sich, Aufwand und Zeit zu investieren. Die Methodik schließt deshalb die komplette Lieferantenbasis ein und betrachtet jeden Supplier unternehmensindividuell. Dies stellt – im Gegensatz zu einem Standardschema, etwa nach dem Einkaufsvolumen – sicher, dass möglicherweise stark risikobehaftete Lieferanten nicht durch das Raster fallen. Denn auch ein Kleinstlieferant mit nur geringem Einkaufsvolumen kann ein enormes Schadenspotenzial haben, wenn er beispielsweise eine hochspezielle Schraube liefert, die in vielen Produkten verbaut wird.

In einem mehrstufigen Verfahren, vergleichbar einem Trichter, durchlaufen die Lieferanten verschiedene Raster, zum Beispiel zunächst nach dem materialinduzierten Versorgungsrisiko. Danach werden sie einer Abhängigkeitsanalyse unterzogen, die zum Beispiel untersucht, wie viele alternative Anbieter es gibt, wenn ein Lieferant ausfällt. Diejenigen, zu denen ein Single-Source-Verhältnis besteht und von denen es am Markt gleichzeitig nur wenige gibt, werden ins Lieferantenrisikomanagement aufgenommen. Hier ist die Abhängigkeit sehr hoch, allein die Qualifizierungsphase eines alternativen Lieferanten würde mehrere Monate beanspruchen. Schritt für Schritt werden so die kritischen Lieferanten herausgefiltert und als kritisch, mittelkritisch und hochkritisch klassifiziert. Im Anschluss daran entscheidet das Unternehmen je nach Risikoakzeptanz, welche es in die Risikobeurteilung aufnimmt.

Bildergalerie

Schritt 2: Einordnung der Risikosituation (Risikoanalyse).

Wenn die kritischen Lieferanten identifiziert sind, muss ihr Ausfallrisiko aus Unternehmenssicht bewertet werden. Die Indikatoren hierfür sind vielfältig und reichen von der finanziellen Situation eines Lieferanten über dessen Standort bis hin zu den Sub-Lieferketten. Anhand eines individuellen Katalogs an Risikoindikatoren und Empfehlungen legt der Kunde gemeinsam mit DBC fest, welche davon in die Beurteilung einfließen. Diese Indikatoren werden in eine Risiko-Scorecard eingebettet und untereinander gewichtet. Um die Lieferanten zu beurteilen und einzuordnen, fließen sowohl externe Informationen, beispielsweise aus Datenbanken von Wirtschaftsauskünften, als auch interne Zahlen und Wissen der Einkäufer ein. So entsteht ein umfassendes Bild der aktuellen Risikosituation im Einkauf. Um schnell auf Veränderungen reagieren zu können, wird eine Alert-Funktion implementiert. Aus der Risikobeurteilung werden im nächsten Schritt Strategien abgeleitet und geeignete Maßnahmen definiert.

Ergänzendes zum Thema
Dachzeile
Empfehlungen für den Aufbau eines Risikomanagement-Konzepts im Einkauf
  • Crossfunktionalität – Binden Sie alle relevanten Abteilungen (auch international) früh ein. Dies ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und Voraussetzung für den Wandel von der Funktionsorientierung hin zur Prozessorientierung.
  • Beharrlichkeit – Der Initialaufwand ist hoch, aber ein effektives Risikomanagement steht und fällt mit einer sauberen Analyse.
  • Transparenz – Kommunizieren Sie Ziele, Vorgehensweise und Rollen transparent. Dies motiviert die Beteiligten und fördert funktionsübergreifend das Bewusstsein für Risiken.
  • Verständlichkeit – Verwenden Sie eine einheitliche und für alle nachvollziehbare Terminologie, zum Beispiel bei der Lieferantenklassifizierung.
  • Stringenz – Setzen Sie definierte Maßnahmen um und überprüfen Sie diese regelmäßig.
  • Messen – Machen Sie den Fortschritt und die Erfolge sichtbar, dies motiviert und zeigt den Mehrwert von Risikomanagement.
  • Kontinuität – Risikomanagement ist ein kontinuierlicher Prozess, der regelmäßig überprüft und aktualisiert werden muss, wenn sich Rahmenbedingungen verändern.

(ID:44028787)