Forschung Langstreckentransporte in Teilstrecken zerlegen

Von Bernd Maienschein

Mit Revolutionen ist das ja so eine Sache. Ende letzten Jahres jedenfalls fiel der Startschuss für „STAFFEL“ – ein Forschungsprojekt, das den Lkw-Güterverkehr „revolutionieren“ soll. Das Projekt hat große Ansprüche: Transportzeiten sollen halbiert und weniger Lenkzeiten verschwendet werden. Lesen Sie hier, wie das geschehen kann ...

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Im Forschungsprojekt „STAFFEL“ sollen Effekte, Potenziale und Herausforderungen für den Güterverkehr per Lkw identifiziert und eine europaweite Umsetzung vorbereitet werden.
Im Forschungsprojekt „STAFFEL“ sollen Effekte, Potenziale und Herausforderungen für den Güterverkehr per Lkw identifiziert und eine europaweite Umsetzung vorbereitet werden.
(Bild: RWTH Aachen)

Langstrecken-Lkw-Verkehre und Künstliche Intelligenz (KI) – geht das zusammen? Ja, behaupten das gemeinnützige Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen, die Mansio GmbH, die PEM Motion GmbH (beide ebenfalls in Aachen zuhause) und das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) in Berlin. Gemeinsam entwickeln sie eine KI-gestützte Internetplattform für den speditionsübergreifenden Staffelverkehr.

Worum genau geht es in dem Projekt? Nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen, aber natürlich auch wegen einschlägiger Arbeits(zeit)gesetze werden Transporte im Straßengüterverkehr zur Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten unterbrochen. Die Internetplattform soll nun wesentlich zur effizienten Gestaltung von Lkw-Transport-, Lenk- und Ruhezeiten beitragen. Das Projekt „STAFFEL“ wird im Rahmen der Innovationsoffensive „mFUND“ mit 1,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert. Im Projekt soll eine Plattform zur Organisation eines speditionsübergreifenden Begegnungsverkehrs und eine IoT-basierte Sicherungstechnologie zur asynchronen Trailerübergabe konzipiert und pilotartig erprobt werden. Das Projekt will man bis Mai 2024 abgeschlossen haben.

Die wegen der einzuhaltenden Lenk- und Ruhezeiten verursachten Transportunterbrechungen sind gerade auf Langstrecken für erhebliche Verlängerungen der Transportzeit und einen erhöhten Parkplatzbedarf verantwortlich – bei teils sowieso schon prekären Parkplatzsituationen an Deutschlands Autobahnen. Die neue Plattform soll KI-gestützt helfen, solche Unterbrechungen zu vermeiden und Trailer am Ende der Lenkzeit an ausgeruhte Fahrer zu übergeben. Gleichzeitig werde es Lastkraftwagenfahrern ermöglicht, wieder vermehrt Teilstrecken zu fahren und, durchaus familienfreundlich, häufiger am Heimatort zu bleiben. Letzten Endes würden so Lenkzeitüberschreitungen, Parksuchverkehr und Ärger mit Anwohnern durch lästiges „wildes“ Parken erheblich reduziert.

Hightech-„Lenkradsperre“ schafft ausgeruhte Fahrer

Und wie soll hier konkret Abhilfe geschaffen werden? Die Projektpartner sind sich sicher, dass die das ganze Dilemma verursachende Unterbrechung von Transporten vermieden werden kann, indem Trailer am Ende der Lenkzeit durch ein IoT-Schloss gesichert und anschließend ausgeruhten Fahrern übergeben werden. Im „STAFFEL“-Projekt soll ein sicherer, speditionsübergreifender „Staffelverkehr“ erforscht und später etabliert werden. Wie bei einem Staffellauf sollen Langstrecken auf einer Internetplattform mithilfe von KI-Algorithmen in Teilstrecken zerlegt werden, die dann über einen Lenkzeiten-Marktplatz zwischen Speditionen und Frachtführern anhand von Echtzeitdaten vermittelt werden.

Die durch Künstliche Intelligenz gestützte Synchronisierung von Fahrstrecken hat aber durchaus auch noch andere positive Effekte: beispielsweise auf die Kohlenstoffdioxid-Emissionen des Verkehrs. Auf deutschen Autobahnen fehlen außerdem, die Zahlen stammen noch von Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, circa 30.000 Lkw-Parkplätze. Aus der Not geborene Wildparker-Lkw verursachten demzufolge Unfälle und begünstigten obendrein laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch Ladungsüberfälle mit jährlichen Schäden in Höhe von 300 Millionen Euro. FIR-Projektleiter Tobias Schröer jedenfalls freut sich, im Rahmen des „STAFFEL“-Projekts einen Beitrag zur effektiveren Gestaltung des Straßengüterverkehrs leisten zu können. ■

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