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Logistikmesse Logimat zahlt auf Image der Messe Stuttgart ein

Seit ihrer Auftaktveranstaltung 2003 kennt die Logimat nur einen Trend: Es geht aufwärts, bei den Ausstellern wie bei den Besucherzahlen. Über die komfortable Situation „seiner“ Messe haben wir mit Peter Kazander gesprochen, Geschäftsführer der Messeorganisation Euroexpo und Messeleiter der Logimat.

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Der Hamburger Staplerbauer Jungheinrich wird erneut den größten Messestand auf der 16. LogiMAT für sich reklamieren.
Der Hamburger Staplerbauer Jungheinrich wird erneut den größten Messestand auf der 16. LogiMAT für sich reklamieren.
(Bild: Euroexpo)

Wenn am 13. März 2018 die Logimat, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, auf dem Stuttgarter Messegelände ihre Tore öffnet, werden über 1500 Aussteller „Intralogistik aus erster Hand“ präsentieren. Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Messe hat ihr Chef Peter Kazander, der beinahe von Beginn an dabei ist.

Herr Kazander, mit dem Slogan „digital, vernetzt, innovativ“ präsentiert sich die diesjährige Logimat ihren Besuchern. Ist die digitale Transformation wirklich etwas zum Anfassen auf einer Fachmesse?

Peter Kazander: Ja sicherlich. Für mich ist die Digitalisierung wie das berühmte Loch in der Wand. Ohne Bohrer, Dübel und Schraube macht das Loch wenig Sinn. Es geht um das Generieren, Speichern und Verwerten der Datenströme. Die digitale Transformation ist eine Entwicklung, die in allen Ausstellungsbereichen zum Tragen kommt. Über die Jahre hinweg hat es sich abgezeichnet, dass einzelne Ausstellungsbereiche nicht mehr nur für sich stehen, wie zum Beispiel Verpackungen und Behälter oder Fördertechnik. Sie sind durch eine intelligente IT miteinander verbunden, damit Objekte sich wechselseitig und untereinander identifizieren und steuern können. Dies führt übergreifend zu Automatisierungen, die die Supply-Chain-Prozesse beschleunigen und optimieren.

Dieses Zusammenwachsen von Teilprozessen ist sehr greifbar. In allen Messehallen präsentieren unsere Aussteller dazu Produkte und Lösungen zum Anfassen. Sehr gut begreifbar vor Augen geführt wird die intelligente Vernetzung in unseren Live-Events, wie der Prozessautomatisierung mit Auto-ID-Technologien und der Vorführung einer zukunftsfähigen Lagerführung als kognitive Steuerungszentrale sämtlicher Technologien.

Inwieweit beeinflusst die Digitalisierung denn Ihr eigenes Messegeschäft? Die Aussteller sind ja schon noch physisch vorhanden …

Kazander: Zum Glück – ja! Und das sogar in großer Menge. Die diesjährige Logimat bietet Platz für mehr als 1500 Aussteller aus 36 Ländern. Organisatorisch versuchen wir selbstverständlich, auch unsere Prozesse zu automatisieren oder zu vereinfachen. Bei über 1500 Ausstellern ist der Verwaltungsaufwand sonst kaum noch zu leisten. Aber das „Messe-machen“ bleibt ein Geschäft, bei dem immer der Mensch im Vordergrund steht. Deshalb werden wir, wo immer es nur geht, den persönlichen 1:1-Kontakt mit den Ausstellern beibehalten. Das wird von Jahr zu Jahr zeitintensiver, macht aber am meisten Spaß.

Sie sind einmal als „Messe der kurzen Wege“ vom Killesberg an den Flughafen gezogen. In diesem Jahr belegt die Logimat erstmals die Halle 10. Werfen Sie das Paradigma „kurze Wege“ damit über Bord?

Seit März 2003 leitet Peter Kazander das Team der Münchener Euroexpo Messe- und Kongress GmbH.
Seit März 2003 leitet Peter Kazander das Team der Münchener Euroexpo Messe- und Kongress GmbH.
(Bild: Euroexpo)

Kazander: Nein. Es ist immer die Frage, womit man dies vergleicht. Die kurzen Wege verdanken wir der Architektur und der Verkehrsanbindung der Messe Stuttgart. Wir sind zwar bis auf den letzten Quadratmeter ausgebucht und belegen 117.000 m² Ausstellungsfläche, aber trotzdem möchte ich noch von einer Messe der kurzen Wege sprechen. Die Hallen verlaufen auf zwei Achsen und liegen sehr nah beieinander. Wir nutzen beide Eingänge Ost und West und haben die Ausstellungsbereiche klar strukturiert. Der Messebesuch lässt sich mit guter Vorbereitung somit trotz der Größe noch relativ kräfteschonend durchführen.

Als Messemacher: Wofür schlägt Ihr Herz stärker – anfassbare Intralogistikprodukte aus „Stahl und Eisen“ oder IT-Lösungen für das Managen der Supply Chains?

Kazander: Beides hat seinen eigenen Reiz. In der Kombination wird es für mich faszinierend. Ich gehe zugegebenermaßen ganz oft durch die Hallen und denke: „Wahnsinn, dass sich irgend jemand diese oder jene Lösung ausgedacht hat.“ Mancher Pionier denkt ganz weit voraus. Dafür habe ich die allergrößte Bewunderung.

Mensch-Maschine-Kollaboration, IoT, Blockchain: Was ist Ihr persönlicher Megatrend 2018, Herr Kazander? Und warum gerade der?

Kazander: Künstliche Intelligenz und Big Data sind die Schlüsselbegriffe im Zeitalter von Industrie 4.0 und des IoT. Die Fortschritte in IT und Technik und die damit verbundenen intelligenten, autonomen Systeme eröffnen ein ganz neues Level für Produktivität und Wertschöpfung entlang der gesamten Supply Chain. Die Frage, wie Mensch und Maschine nahtlos und intuitiv zusammenarbeiten, finde ich persönlich ein ganz spannendes Thema. Welche Aufgaben werden sinnvollerweise an welcher Schnittstelle am besten durch wen übernommen und wo setzt die Intelligenz des Menschen ein? Er muss letztendlich der Dirigent des komplexen Ganzen bleiben.

Roboter kommen aus der „Produktionsecke“ zunehmend im Handel und im öffentlichen Raum zum Einsatz. Haben KI und Automatisierung ihre Grenzen und wo bleibt der Mensch?

Kazander: Das kann ich nur vermuten. Wo die Grenzen liegen, wird aber dann sehr schnell deutlich, wenn plötzlich unerwartete Hindernisse im Raum stehen, die der Roboter nicht wahrnimmt, oder wenn zum Beispiel die Sprachsoftware nicht sauber funktioniert. Dann muss der Mensch eingreifen und seinen kleinen Helfer wieder auf das Ziel ausrichten, das der vollkommen aus den Augen verloren hat. Sagen wir es mal so: Ich denke, Automatisierung beherrschen kann letztendlich nur ein freier Geist.

Digitalisierung erfordert auch ein Stück weit Mut. Gibt es „Mutmacher“ unter Ihren Ausstellern? Die vielen Menschen gezielt die Angst vor der Digitalisierung nehmen können?

Kazander: Ich möchte hier nicht einzelne Personen oder Aussteller besonders herausgreifen, denn damit täte ich sicherlich vielen andren Unrecht. Fast jeder hat zu dem Thema etwas beizutragen. Ich bin sicher, dass es kein Patentrezept gibt, wie sich ein Unternehmen dieser wichtigen Aufgabe stellen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich möchte in dem Zusammenhang auf unsere Fachforen mit Topexperten der Branchen verweisen, die Vorträge anbieten zu Themen wie „Datengold souverän und in Echtzeit handhaben“, „Der Mensch in der digitalen Intralogistik“, „Auto-ID-Technologien für Logistik 4.0“, „Verpackungslogistik 4.0“ oder „Bausteine intelligenter mobiler Roboter“. Ich denke, am sinnvollsten ist es, sich all dieser Themen anzunehmen, sich mit den Experten vor Ort auszutauschen und auch mit Fachbesuchern, denen die gleichen Fragen unter den Nägeln brennen. Angst abbauen kann man nur, wenn man sich die neue Realität Schritt für Schritt erschließt, damit sie greifbarer wird.

Stichwort Jungunternehmer: Gewähren Sie einen „special price“ für Start-ups, deren Finanzdecke naturgemäß dünn ist?

Kazander: Wir sind stolz darauf, dass auch dieses Jahr wieder das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BWMi) eine Beteiligung von jungen Unternehmen am Gemeinschaftsstand „Innovation Made in Germany“ fördert. Nicht alle Messen werden im Vorfeld ausgewählt. Start-ups aus den Bereichen Distribution, Materialfluss und Software/IT, die einen entsprechenden Antrag gestellt haben und die erforderlichen Rahmenbedingungen erfüllen, können zu Sonderkonditionen an der Logimat 2018 teilnehmen. Ich begrüße es sehr, auf diese Weise spannende, neue Geschäftsideen, wie sie viele Start-ups im Gepäck haben, zeigen zu können. Sie geben unseren Messebesuchern wichtige Impulse, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Zum Ende noch ein kurzer Schwenk nach Asien, Herr Kazander: Wie entwickelt sich eigentlich die Logimat China?

Kazander: Bei der Logimat China haben wir das Konzept der Arbeitsmesse, das heißt die Verbindung von Ausstellung und Vortragsprogramm in den Hallen 1:1, umgesetzt. Dies kommt auch hervorragend an. Mit der Qualität der Veranstaltung bin ich zufrieden. Jetzt sind, anders als in Europa, jedoch in China ganz andere Faktoren entscheidend, wie schnell eine Veranstaltung „erwachsen“ und erfolgreich wird. Sehr entscheidend sind auch Imagefaktoren, die an einem Messestandort hängen. Wir müssen vor diesem Hintergrund ständig am Konzept feilen und neue Stellschrauben drehen. Dies erfordert viel Einfühlungsvermögen, gerade wenn man mit Menschen agiert, die einen anderen kulturellen Background haben und auch das Business anders verstehen.

Herr Kazander, vielen Dank für das Gespräch!

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